Priming

Potenzielle Kunden richtig „abzuholen“ – auf der Webseite, beim ersten Telefonat oder vor dem Meeting - ist eine hohe Kunst, die sich vor allem an einer Menge gelernter Formeln und Formalien orientiert.

Es gibt aber auch Tricks, die aufgrund ihrer Eigenschaft als unterschwellige Manipulation eher nicht unter die Standard-Business-Etikette fallen. Zumindest nicht offiziell. Man bedient sich dazu des Priming, einer unbemerkten Beeinflussung im Voraus durch gängige Schlüsselreize. So soll sozusagen vorab im Gehirn der gewünschte Gedanken-Weg vorgepflastert werden (ich vereinfache grob, wie gewohnt).

Priming

Rund um das Thema „Priming“ gab es kürzlich bei BBC exklusiv ein schönes Beispiel (die gesamte Sendung ist interessant für Marketer, obwohl der Titel irreführend ist). Probanden trafen vor einem geschäftlichen Termin im Aufzug auf einen Unbekannten, der sie bat, nur mal kurz seinen heißen Kaffee bzw. seine kalte Cola zu halten. Später, am Ende des Termins, sollten die Probanden eine fremde Person beurteilen. Und es stellte sich heraus, dass das heiße Getränk offenbar für eine positive Grundhaltung gesorgt hatte, während das kalte Getränk zu negativen Beurteilungen führte.

Man kann hier an Gläserrücken & Co. denken, oder natürlich auch an Muzak und aromatisierte Luft zwischen Supermarktregalen. Aber es ist sicher interessant, einfach mal ein paar eigene „Priming“-Experimente zu machen.


Bildquelle © Alex Bramwell - Fotolia.com

Wahrnehmungs-Evolution via Technologie-Revolution?

Ausschnitt eines Friendfeed-Streams

Es ist schon ein paar Wochen her, aber ich habe die Bilder eintätowiert auf meiner Hirnrinde: Fünf Menschen werden der „Hexerei“ beschuldigt und öffentlich lebendig verbrannt. In einem kenianischen Dorf. Heute.

Es brennt nicht lichterloh, sondern es glüht eher in einer flachen Erdrinne. So dass zwei Männer den in der Grube zuckenden Leibern korrigierende Knüppelschläge verabreichen können, wenn diese versuchen, sich aus der Glut zu bewegen, sich aufrichten wollen oder so ungünstig zusammensacken, dass Flammen erstickt werden könnten. Mit Fußtritten werden die alten, ausgemergelten Männer und Frauen wie lebende Holzscheite immer wieder zurechtgerückt.

Diesen – ich glaube - knapp fünfminütigen Clip konnte man an diversen Stellen im Netz sehen, teilweise im Autostart. Ich kann mir schwer vorstellen, dass ihn wirklich jemand bis zum Ende angesehen hat. Es war nicht zu ertragen. Ich habe nie zuvor etwas ähnlich Verstörendes gesehen. Tage- und nächtelang kamen die Szenen immer wieder hoch.

Der mitgefilmte Tod einer jungen Frau in Teheran, der seit vorgestern kursiert und es auch in diverse Nachrichtensendungen geschafft hat, hat einen sehr ähnlichen Effekt: Disturbing.

GehirnMan kann noch so viele Horrorfilme gesehen haben. Unser Gehirn verarbeitet fiction und non-fiction eben verschieden. Und die Medien-Evolution, die sich in der aktuellen Situation im Iran gerade als so unschätzbar wertvoll erweist, hat eben auch zur Folge, dass wir immer öfter mit ungewohnt explizitem Material konfrontiert werden. Und zwar dank Lifestream-Technologie häufig ohne dass wir uns dagegen wehren können. Bei Friendfeed fliegen z.B. Twitpics gleich als Vorschau vorbei. Und schon fällt einem das Essen aus dem Hals.

Ich möchte nicht über Pro und Contra solcher Filme und Bilder schreiben. Es geht mir hier um die Frage, wie sich unsere Wahrnehmung und Informationsverarbeitung aufgrund dieser Entwicklung ändern wird. Bekanntermaßen wird auf Schulhöfen reger Tauschhandel via Handy mit grausamsten Schockvideos betrieben. Selbstmorde können am Computer live mitverfolgt werden. Usw.

Im Gehirn wird Wahrgenommenes zuerst auf „schon mal dagewesen“ oder „neuneuneu!“ geprüft. Die folgende Generation wird demnach sicherlich schon ganz anders mit - für uns noch - schockierenden Clips umgehen. Die Frage ist: Geht es lediglich um Abstumpfung oder wird sich die menschliche Perception vielleicht grundsätzlich anders entwickeln? Das liegt doch nahe.

Wir müssen uns einmal vor Augen führen, dass das, was wir zum Beispiel an Werbefilmchen präsentiert bekommen, immer absurder und surrealer wird. Während z.B. Nachrichten immer realer daher kommen. Dass sich die Wirkung medialer Inhalte verändern wird, ist unausweichlich. Da dürfen sich die Neuromarketer schon mal mit befassen. Denn die Hirnströme eines heutigen Jugendlichen, den man vielleicht in zehn Jahren manipulieren will, sind kaum mit denen eines heutigen End-Twens zu vergleichen. In dem Fall greift man vielleicht besser auf die Hirnscans einer Kriegsgeneration zurück?

Marketing-Weisheiten werden sich dann ebenso schnell und drastisch überholen wie die Technologie-Entwicklung.

Meta-Monitoring

Anthony Tjan hat kürzlich einen interessanten Beitrag über „Psychographics“ veröffentlicht. Psychografische Daten sind diejenigen, die - wie der Begriff schon andeutet - psychologische Hintergründe zu Surfern, Usern, Kunden, Käufern skizzieren. Grob gesagt könnte man von einer Meta-Ebene für ansonsten rein demografische Statistikdaten sprechen.

Wie wertvoll diese Daten für uns (als Marketer) sind, hat Tjan mit diesem hübschen Vergleich erklärt:

    “Or consider what information you might want to collect for a blind date. Demographics may be useful to narrow the pool down to, say 30-year old males in Chicago, but would that be enough? To choose your partner, you likely want to consider personality, interests, and values. Similarly, for customers to fall in love with your product or brand, you need to understand their personality and passions and see how those connect with your product or service.”
Meta-Monitoring

Ich mache immer noch häufig die Erfahrung, dass wahnsinnig oberflächlich mit Nutzerstatistiken umgegangen wird. Alle sind fraglos scharf auf Abrufe, Klickzahlen und Referer. Sobald es aber an die Interpretation dieser Daten geht, mag niemand mehr wirklich in die Tiefe gehen. Viele wollen eigentlich nur wissen ob Abrufe und Verweildauer steigen oder sinken und ob die Klick-through-Raten okay sind.

Dass die heutige Monitoring-Software viel mehr preisgibt, ist das Eine. Dass aber z.B. dank Social Networks und deren mittlerweile fast zum Standard gehörenden Einlog-Verfahren (z.B. Facebook Connect) noch nicht mal eine „eigene“ Community nötig ist, um einem Seitenbesucher ein aussagekräftiges Benutzerprofil zuzuordnen, ist das Andere (es geht hier nicht um Personalisierung, das wäre hierzulande natürlich ein rechtliches Problem!).

Fakt ist, dass wir technisch in der Lage sind, mit viel mehr als nackten Zahlen zu operieren, um mehr über Besucher, Kunden oder Interessenten herauszufinden. Das können durchaus anonyme Daten sein. Dennoch geben sie uns wichtige Einblicke, die helfen, unsere Marketingstrategien zu optimieren. Selbst die reguläre Marktforschung kann da schwer mithalten, da Befragungsergebnisse als "Pull-Angaben" völlig anders ausfallen als freiwillige "Push-Daten" und Interpretationen unbewusster Verhaltensmuster.

Wer jetzt bereits solche psychografischen Daten beobachtet, kennt seine Pappenheimer einfach konkurrenzlos besser und wird in der Kommunikation nie Schwierigkeiten haben. Das ist nachhaltiger Umgang mit Statistiken. Aber da Nachhaltigkeit zurzeit eher die Seltenheit im Unternehmertum ist, werden die wenigsten solchen Mehraufwand betreiben bzw. darin investieren wollen. (Viele, die es sich leisten können, stecken stattdessen lieber eine Menge kriminelle Energie und Moneten in regelrechte Spionage gegenüber Mitarbeitern und Kunden. Wie unfähig!)

Herdenhirnchemie

HerdenhirnchemieIch bin immer noch mit dem Thema Neuromarketing beschäftigt und dabei über die zunehmende Bedeutung von Public Viewing fürs Marketing gestoßen. Der Glücksflow des Herdentieres unter Seinesgleichen ist ideal für die kollektiven Euphorie- und Wutmomente, die das Gehirn in den Zustand perfekter Manipulierbarkeit und Affektanfälligkeit bringen.

In dem Zusammenhang habe ich noch mal einige Online-Communities beobachtet. Und dabei wurde wieder klar, warum so viele Social-Media-Anwendungen, Intranets, Wikis & Co. in Unternehmen und im B2B-Bereich scheitern, obwohl es im Community-Management inzwischen neben idealer Technik sehr gute Profis und Top-Moderatoren gibt.

Der Schlüssel zu einer dynamischen Herde liegt keineswegs hauptsachlich beim guten Schäfer und einer saftigen Wiese, sondern in der Zusammensetzung des Rudels. Deshalb funktionieren natürlich gewachsene Gruppen (in der Natur und auch online wie offline) so gut. Obwohl sie oft keineswegs harmonisch sind.

Bestimmte Kernfiguren sind unabdingbar, damit unser Gehirn die Gruppe als „echt“ annimmt und ein jeder sich als funktionierendes Rädchen einklinkt. Neben dem Schäfer, diversen Hunden, Alphatier, regelmäßig paarungsbereiten Schafen und balzenden, rivalisierenden Jung-Böcken ist zum Beispiel auch ein schwarzes Schaf („Troll“) unverzichtbar. Rituale wie Scheren und Lämmerschwanzcoupieren, die immer mal wieder Aufstände provozieren, gehören ebenfalls dazu.

Denken wir uns jetzt z.B. ein Forum in einem Unternehmensintranet. Es ist klar, dass gewisse Rollen zwar sicher vorhanden sind. Aber diese werden sich im allerseltensten Fall schriftlich belegbar/nachvollziehbar besetzen lassen. Die Gehirnwellen verweigern den Herdenmodus. Und schon ist der Rudelflow ausgebremst. Wenn man dann noch bedenkt, dass die meisten Teilnehmer schon offline mit ihrer „Rolle“ im Unternehmen unzufrieden sind…

Für andere künstlich initiierte Communities – z.B. Werbeplattformen für Marken – gilt ähnliches: die Rollenverteilung muss sich natürlich entwickeln können. Was meistens dadurch gestört wird, dass es Regularien (oft sogar nur eingebildete) oder beidseitige Erwartungen gibt, die unterbewusst einschränken und dadurch die Teilnehmer daran hindern, ihr „natürliches“ Plätzchen zu beziehen.

Gerade für Letztere - aber ebenso auch für (noch) relativ kleine Foren und unbekanntere Blogs - können deshalb Profilaggregatoren und Google Friend Connect etc. sehr hilfreich sein.

Bild: (c) Ivonne Wierink - Fotolia.com

Social Media Schizophrenie

Da hier gerade so fleißig auf Twitter rumgehauen wird, nutze ich mal die Gelegenheit, auf ein nettes Beispiel für das Yin und Yang von Social Media und speziell Twitter bzw. Twitpic hinzuweisen. Der Inqisitr hat´s heute gepostet.

Social Media Schizophrenie

Über Britneys Twitter-Account werden - natürlich - auch regelmäßig chice Twitpics veröffentlicht. Schauen wir doch einmal rein. Und vergleichen wir die *rschkriecherkommentare mit den dafür umso weniger charmanten Tags, die andere Nutzer den Bildchen verpasst haben. Ein bisschen unschön...

Die Tags fallen sicherlich weniger ins Auge, haben aber bestimmt den längeren Schwanz, der online so wunderbar relevant ist. Fieser Effekt.

Jahrmarkt, Kirmes und trojanisches Pferderennen

Gut laufende Social Media Plattformen sind wie real life Volksfeste. Viele Menschen, Gedrängel, hormoneller Übermut und lockere Stimmung. Wen wundert es, dass sich dort analog zur Offline-Welt ein Haufen Trickbetrüger und Ganoven herumtreibt.

Oft machen sich die Besucher zu allzu leichten Opfern von Malware, Heiratschwindlern und virtuellen Hütchenspielern. Aber es gibt auch wirklich gewiefte Scriptkiddies und Wurmfabrikanten, die nicht nur die beduselten Klickzwangpatienten abgreifen, sondern Dinge anstellen, die die Bezeichnung „trojanisches Pferd“ echt verdienen.

Jahrmarkt, Kirmes und trojanisches Pferderennen

So gelesen in den WebProNews: Viele Facebooknutzer bekamen letzte Woche von einer Art „Qualitätssicherungs-Applikation“ die Meldung, einer ihrer Freunde hätte Probleme beim Abrufen ihres Profils. Man sollte das bitte mal prüfen - natürlich anhand der Applikation.

Nun gibt es erstaunlich viele Nutzer, die jede Applikation installieren, solange sie von einem „vertrauenswürdigen“ Freund offenbar ebenfalls genutzt wird. Die ersten haben sie also installiert, und so pflanzte sich die angebliche Qualitätssicherungsapplikation munter innerhalb deren Freundeslisten weiter. Das Ding sah aber auch wirklich ziemlich seriös aus, und wer kann schon all die hundert App-Nachrichten pro Tag hinterfragen. Wenn ich Bussibärchen verschicke, will ich auch, dass alle meine Freunde die Bussibärchen sehen können, die ich bekommen habe. Selber schuld.

Aber es gibt ja auch die Anderen, die weniger Dummen Vertrauensseligen. Die sind hingegangen und haben die Applikation gegugelt. Um sicher zu gehen. Und siehe da, was prangt direkt unter den ersten Suchergebnissen? Eine Meldung, die vor diesem Teufelszeug warnt. Gefährliche Malware, bloß nicht installieren…

Die meisten der vorsichtigen, wissbegierigen Googler wollten dann natürlich genau wissen, was es damit auf sich hat. Schon um auf Facebook alle Freunde zu warnen und so weiter. Also haben sie das Suchergebnis auch angeklickt. Doof, dass genau diese Website ebenfalls präpariert war um eben jene Schlaumeier ebenfalls zu erwischen. Wie gerissen, hinterhältig und gemein ist das denn bitte?

Die ganz Vernünftigen unter den Vernünftigen sind vielleicht bei dem Domainnamen der Webseite skeptisch geworden. Oder wenn nicht, hatten sie natürlich entsprechende Virenscanner & Co installiert. Trotzdem, dieses Beispiel sollte uns alle noch ein bisschen vorsichtiger machen. Gerade, wenn man sich für besonders schlau hält, hauen einen gewitzte Trickbetrüger übers Ohr.

Die leise Qualität von Corporate Blogs

Mit etwas Verspätung (wegen technischen Mobbings seitens Cheffe) möchte ich noch einmal auf das Posting der Päpstin zu Corporate Blog-Flopping (inkl. Kommentare) zurückkommen.

Ich glaube, dass die echten Goldstücke aus den Reihen der Unternehmensblogs bei der Diskussion um Sinn und Unsinn des Corporate Bloggens oft zu kurz kommen. Wenn ich sage, dass die guten Beispiele unter den Tisch fallen, wird das für manche gleichbedeutend mit Flop sein. Dem ist aber keineswegs so! Stille Wasser sind tief. (hier bitte Chauvimodus unterdrücken)

Ein Blog ist kein Marktschreierstand und erst recht kein virales Video. Auch keine Suchmaschinenfutterkrippe. Man kann es so einsetzen, klar. Aber was das unschätzbare Potenzial einer Blogsoftware für ein Unternehmen wirklich ausmacht, ist die Möglichkeit, auf unkomplizierte Art beständig und authentisch zu informieren und direkt ansprechbar zu sein. Nicht mehr und nicht weniger. Der Anspruch auf 1000 Leser und 100 Kommentare am Tag ist oftmals eher Gift für eine unaufgeregte Marke. Ja, wir alle hier wissen das. Und tatsächlich machen es mehr richtig, als allgemein bekannt ist.

Ein schönes Beispiel ist das Froschblog. Da wird kein großes Bohei gemacht, sondern stetig Qualität geliefert, gut geschrieben, abwechslungsreich, informativ und das gar nicht langweilig. Genau so authentisch, wie ein Unternehmensblog sein sollte. Frei von Marktschreierei, Linkgebuhle und krampfhaftem Aufmerksamkeitsheischen.

Da entsteht der entscheidende Deut mehr Sympathie, mehr Vertrauen, mehr Nähe zum Kunden. Auf diese Art kräftigt das Froschblog ganz entscheidend seine Marke. Und zwar mit jedem Posting ein bisschen mehr. Das ist die Stärke dieses Tools. Wem das zuwenig erscheint, der kann in der Tat in den Prekariatsformaten unserer Wirtschaft versuchen seine Strohfeuer abzubrennen.

Ich hoffe dagegen, dass Beispiele wie jenes aus dem Hause Frosch – die wahren, schönen Guten – den Ruf des Werkzeugs Blog retten. Und wie die werte Kollegin schon schrieb: Die Chancen stehen gut.

Storytelling für die digitale Generation

Storytelling ist nach wie vor eine wunderbare Methode um Aufmerksamkeit zu lenken oder Kompliziertes zu vermitteln ohne zu langweilen oder zu ermüden. Nicht nur im Wissensmanagement und im Marketing ist das eine prima Sache.

Inzwischen häufen sich Beispiele gelungener Adaptionen dieser Technik für die Webzwonull-Welt, die bekanntermaßen besonders oft Schwierigkeiten mit länger anhaltender Konzentration und gezielter Aufmerksamkeit hat.

Erst kürzlich startete der Twitterdienst Pulp des scheinbar unendlich kreativen Teams von Unlike, der Krimis mit lokalem Bezug in 140-Zeichen „erzählt“. Das ist spannend. Man weiß nie, wann, wie, wo und wie schnell es weitergeht, was den Reiz noch erhöht. Dass es außerdem als großartiger Cityguide fungiert, ist dabei nur Nebensache.

Und gestern stolperte ich dank Marcel Weiss über Battlestarbook. Die Schnittmenge von Internetsüchtigen, Facebookusern und Kampfstern-Galactica-Fans dürfte recht groß sein. Battlestarbook präsentiert nun die ganze Kult-Saga so, wie sie als Facebook-Newswall (Nicht-Facebooker denken bitte an etwas ausgeklügeltere Xing-Statusmeldungen) aussehen würde. Sehr amüsant (für besagte Schnittmenge).



Auf diese Art entstehen eben heute durch die sozialen Medien Geschichten, Anekdoten, Episoden. Einfach, weil Informationen, Aktionen und Beziehungen in zeitlich analoger Form digital abgebildet werden. Und zwar personalisiert und damit für jeden direkten oder indirekten „Teilnehmer“ individuell.

Wer also der webaffinen Generation etwas erzählen möchte, kann seine Kreativität ruhig mal in die neuen Livestream-Medien schweifen lassen und mit puzzlebaren Mikro-Häppchen arbeiten. So fügen sich Geschichten nahtlos in das Leben der Zuhörer/Mitleser ein und werden dadurch viel lebendiger. Sozusagen erlebbar. Das kann sich nur verstärkend auf den Effekt des Storytellings auswirken.

Brave New Ad World

    „O, wonder! How many goodly creatures are there here! How beauteous mankind is! O brave new world, that has such people in't!“
    (Shakespeare – The Tempest)


Momentan werden überall Prognosen für 2009 veröffentlicht. Ich gucke mal ein bisschen weiter voraus – sagen wir, ins Jahr 2019. Und da ich in 2008 zum Optimismus konvertiert bin, nehme ich eins gleich vorweg: Für uns Marketer und Werber wird alles viel einfacher werden.

Dass ich die Überschrift einer berühmten Dystopie entliehen habe, steht keineswegs im Widerspruch dazu. Schließlich sind die Hauptmerkmale der dort beschriebenen schönen neuen Welt (Konditionierung, Konsum- und Amüsiersucht, Promiskuität, Gruppenzwang, Glücksdrogen) aus Werbersicht sehr positive Grundlagen für erfolgreiches und relativ unkompliziertes Schaffen.

Neuromarketing

Die Erkenntnis, dass es genau so kommen wird, ergibt sich aus zwei Beobachtungen:

Erstens: Neuromarketing (ja, schon wieder) wird einen heftigen Entwicklungsschub erfahren. Schon allein deshalb, weil die Hirnforschung im Allgemeinen und Brain-Computer-Interfaces im Besonderen auf dem Vormarsch sind. Es ist unausweichlich, dass damit der Weg von Informationen und somit auch von werblichen Botschaften ins Gehirn – speziell ins „Kaufhirn“ - ein anderer werden wird.

Zweitens: Darauf aufbauend kommen Entwicklungen hinzu, die sich zum Einen aus der steigenden Bereitschaft des Menschen zu chirurgischen „Optimierungen“ und zum Anderen aus der Hinwendung zu immer oberflächlicheren Vergnügungen ergeben. Die von Huxley beschriebene „primitive“ Kultur kommt der menschlichen Natur so sehr entgegen, dass wir dafür gerne auf Freiheit verzichten. Payback-Karten sind ein schöner Beleg dafür. Und die Weiterentwicklung dieser Karten sind die bereits häufig verwendeten implantierten Mikrochips. In Hundehälsen, unter unseren Fingerkuppen und demnächst auch immer öfter im Gehirn.

Gerade erst war nämlich zu lesen, dass ein bereits erfolgreich getesteter Chip zur Verbesserung des Sexuallebens in zehn Jahren perfektioniert sein wird (nur ein on/off-Schalter mit Feinjustierung fehlt bisher). Jeder zweite sexuell aktive Mensch (+/-) wird sich dann etwas in seinen Triebkortex (ja, genau: in den Teil, der auch bei Kaufentscheidungen die tragende Rolle spielt) einpflanzen lassen, das von außen – wireless - gesteuert wird.

Zusammengefasst, leicht verkürzt und grob vereinfacht: Der Werber der Zukunft wird sich das ganze Psychologiegedöns schenken können und den Kaufbefehl gleich vom Bildschirm ins Konsumentenhirn senden. Und wir werden uns dabei in orgasmischen Zuckungen winden es lieben.

Ich wünsche allen Besserwerbern ein erfolgreiches, spannendes und glückliches Jahr 2009!

Alles klar zum geentert werden?

Das Internet ist der indische Ozean der Produkt- und Markenpiraterie. Während das für die Einen das pure Grauen darstellt, finden und nutzen die Anderen die positiven Aspekte kleiner Anarchien. Und sie kehren damit das Zerstörerische in durchaus gewinnbringende Entwicklungen um.

Man muss die guten Piraten willkommen heißen.Die Energie, die der früher vergleichsweise machtlose kleine Mann am Reiz des Verbotenen gewinnt, wird viel zu oft unterschätzt. Sie ist groooß, vor allem wenn sie gebündelt wird. Und diese Piraten-Energie kann auch das vermeintliche Opfer ausnutzen. Im Rausch des Kaperns achtet da sowieso niemand drauf. Es geht schließlich nicht darum das Schiff zu versenken. Man möchte nur mitfahren und auch mal am Steuerrad drehen. Und ein bisschen Action.

Paulo Coelho hat in Paris von der Vervierfachung seiner Verkäufe des russischen Alchimisten berichtet. Weil er die digitale Version kostenlos ins Netz gestellt hatte, obwohl seine Verleger „illegal!“ kreischten. Aus der Musik- und Spieleindustrie kennen wir ähnliche Beispiele.

Diese scheinbar paradoxen Phänomene gibt es immer dann, wenn legal und illegal relativiert werden. Wenn klauen erlaubt ist. Dann trauen sich nämlich auch besonders viele mitzumachen. Und das Schönste daran ist, dass es nach der Enterfahrt im Hafen sofort in die nächste Spelunke zum Socializen geht, wo dann laut von den kostbaren neuen Schätzen und Eroberungen geprahlt wird.

Aber nicht nur Herr Coelho hat mir das wieder in den Sinn gebracht. Ich stolperte vor ein paar Tagen auf eine ziemlich witzige Idee: Barflood. „The Drunken Twitter Of Meeting Websites“ Fremde Menschen verabreden sich online, um in möglichst großer Zahl in eine vorher ausgesuchte Bar einzufallen und das Regiment zu übernehmen. Alle tragen etwas Rotes. Denn das Gruppenzugehörigkeitsgen spielt natürlich wie immer mit.

„Der arme Wirt“ habe ich erst gedacht. Andererseits kann so ein Laden durchaus davon profitieren. Sollte das Inventar ein bisschen leiden oder im Tumult die ein oder andere Zeche geprellt werden – who cares? Ein bisschen Schwund ist schließlich immer. Legendenbildung und damit Marketingeffekt können das locker wieder aufwiegen.

Man muss die guten Piraten willkommen heißen.

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