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Was'n Scheiß, Mann - Deichmann

Ärzte, Architekten, Anwälte sind nicht so doof wie Werber. Sie halten sich an Regeln und Gebührenordnungen. Und achten auch darauf, dass es die anderen auch machen. Denn sie wissen: alles andere ist schlecht fürs Geschäft. Für alle.

So weit sind Werber nicht. Da wird unterboten, was das Zeug hält. Da wird groß lamentiert, aber gern für umsonst gepitcht. Da wird es auch einfach einmal Zeit, dass sich ein Großer wehrt - und das geschah nun via Facebook.

Thomas Strerath, Ex-Kollege unnu Ogilvy-Chef Deutschland, hat zum Boykott aufgerufen.

Und wir rufen mit:

Deichmann Goldidee: Aufruf zum Boykott

Als verspätetes Osterei finde ich heute auf meinem Schreibtisch eine Aufforderung von Deichmann vor, sie zu ihrem 100-jährigem Jubiläum mit einer Goldidee zu versorgen. Wir dürften völlig frei agieren – so nennt man heute die Abwesenheit von Briefing und Zielsetzung – und auch die mediale Umsetzung und das Budget seien egal. Hauptsache aufmerksamkeitsstark. Sogar wie wir präsentieren ist Deichmann gleichgültig, Hauptsache wir wollen kein persönliches Gespräch, denn das ist ebenso nicht vorgesehen wie ein Schulterblick oder Re-Brief. Ok, eine detaillierte Kostenplanung würde man schon gerne sehen, auch einen strategischen Ansatz.

Ebenso eine Agentur- und Teamvorstellung. Was wundert, denn Deichmann möchte die Idee intern umsetzen. Wie rund 20 weitere Agenturen bekämen wir 2.000 Euro für die Idee. Genauer gesagt für die Abtretung aller Rechte, räumlich und zeitlich unbegrenzt. Falls wir gewännen, weitere 10.000 Euro. Es sind also 12.000 Euro an Honorar zu erwirtschaften: für eine Agentur, während 19 andere mit 2.000 Euro zufrieden sein müssten.

Die durchschnittliche Honorarleistung pro Kopf bespw aus dem letzten Inhaberagentur-Ranking lässt über alle Mitarbeiter einen Wert von 500 Euro/Kopf/Tag als realistisch erscheinen, wobei da sogar die administrativen Köpfe eingerechnet sind. Es könnte also eine Person 4 Tage etwas entwickeln oder ein 4-köpfiges Team an einem Tag die Idee, die Aufbereitung & Präsentation, die Medienwahl und die Kalkulation.

Da Deichmann uns aber 6 Wochen Zeit gibt, wissen sie wohl, dass es wesentlich aufwändiger ist. So kann man Deichmann auch nicht Unwissen unterstellen. Europas grösster Schuhhändler versucht also von 19 Agenturen für 2.000 Euro Ideen und die Rechte an den Ideen abzukaufen; will mit niemanden persönlich reden; will keine Ziele vorgeben, aber eine Strategie; will selbst mit dem Gewinner keine Partnerschaft eingehen, aber die Namen der handelnden Personen serviert bekommen.

Da das auch Deichmann sehr heikel erscheint, hat man mich noch einseitig zur Verschwiegenheit verpflichtet. Es heisst ja gerne „dreist kommt weiter“, aber das ist so unverschämt, dass ich meine Agentur-Kollegen aufrufe, diese Anfrage zu boykottieren.

Thomas Strerath


Sehr schön.

Irgendwie scheint Klarheit im Kopf etwas zu sein, was die eint, die nicht da blieben, wo wir einst waren - und was uns neben vielen Anfeidungen auch einfach weiter brachte. :-)

Marketing-Symposium: Integratives Marketing

Es war eine sehr schöne Veranstaltung, die die Duale Hochschule Baden-Württemberg in Mannheim vorhatte. Thema des 7. Marketing-Symposium war

"Unternehmenskommunikation neu gedacht – Beispiele Integrativen Marketings"

Das fand ich schön, allein des Schlagworts wegen: "integratives Marketing". Das klang schon so nach "integrierter Kommunikation" - plus eben "Soziale Medien", dem auch so war, was es noch schöner machte, schließlich ist "integrativ" sehr sozial, zumindest habe ich es so verstanden, wenn es als Attribut genutzt wurde, z. B. zu Kindergarten, Schule, Projekt. Hierbei verweist es ja (meist) auf die Teilhabe von behinderten Menschen an dem jeweiligen Ding.

Samstag hin oder her: Marketing und Behinderung - da musste ich einfach hin

Und die Begrüßung war super. 10.00 Uhr, Brötchen, süße Teilchen, Kaffee, alles da. Auf den Brezeln war vielleicht die Idee zuviel Butter, aber das machte ja neugierig, wie viel davon bei den Fischen war.

Und es ging auch gut los: Der Vortrag von Dr. Felix Gress, Leiter Unternehmenskommunikation der Continental AG, war schlicht professionell. Deskriptiv, sachlich, informativ. Feierabend. Sehr schön.

Danach wurde es aber befremdlich. Völlig unstrukturiert wurden hier Statistiken aufgefahren, Aufruf-Zahlen gegeneinander verglichen und Schlüsse gezogen, die mit "hanebüchen" gelobt sind, z. B. ein Video auf YouTube, das in recht schneller Abfolge Fotos kopulierender Tiere zeigt vs. einem deutschen Spot mit Menschen und Text, bei dem es um "Sex" ging. 11.000.000 : 1.500 oder so war das Ergebnis, was als Argument für die Relevanz von zielgruppenadäquaten Content genannt wurde. (Ich lass das unkommentiert. Oder, Cheffe. meinst du, ich solle es diesmal doch einmal mit Erklärung versuchen? OK. Also: Content muss immer zielgruppenadäquat sein. Außerdem scheint die Uralt-Weisheit des Marketing nicht zu gelten oder nicht mehr bekannt zu sein bei den vermeintlichen Social Media-Experten:

Zählen Sie sich nicht die Menschen, die Sie erreichen.
Erreichen Sie die Menschen, die zählen.


Und es ging noch weiter mit den Zahlen: Die Tatsache, dass ein Kanal eines Anbieters von Kosmetikprodukten mehr Aufrufe pro Video hat als ein Kanal eines Anbieters komplexer Unternehmenssoftware, wurde als hinreichend legitim angesehen, daraus den Schluss zu ziehen, dass die Videos des letzteren uninteressant seien.

Auch diese, wie soll ich sagen, Logik? entzieht sich der meinen. Dass Zahlen zur Evaluierung von Qualität herangezogen werden, ist ja nicht neu, aber in den Sozialen Medienvon nur sehr begrenzter Aussagekraft. Was sagen Likes, Views, Freinds and Followers über die Qualität aus. Unser twitter-Account ist dafür ja das beste Beispiel. Just jetzt hat @besserwerber 329.040 Abonennten. Was sagt das? Eben ...

Denken statt Zahlen!

Dann gab es noch ein paar Vorschläge zur Kommunikation. Sie reichten von "Seien Sie vorsichtig!" bis "Seien Sie offensiv!", da wurde Authentizität gepriesen, aber angemerkt, wie falsch es manchmal sei, unter eigenem Namen zu kommunizieren etc. Das sorgte natürlich für Rückfragen, auf die es dann leider sehr in Mode gekommene Erklärung gab, man wisse doch, wie es gemeint sei.

Wer Genauigkeit in der Kommunikation in den Sozialen Netzwerken fordert, sollte diese auch am Mikrofon bieten - und nicht vom Zuhörer fordern, die eigene Vagheit im eigenen Sinne zu dekodieren. Der Redner sollte sich Mühe geben, keine Mühe machen.

Manchmal kam es natürlich auch zu Überschneidungen bei den Themen, z. B. Bewertungsplattformen. Da gab es hübsche Erkenntnisse der Referenten:

A: "Achten Sie auf Bewertungsplattformen."
B: "Bewertungsplattformen spielen für Kunden keine entscheidende Rolle."

Leider ging hierauf keiner ein - und irgendwie wollte ich niemanden bloßstellen. Außerdem habe ich mich gefreut, wieder viel über Vorträge und Vortragende gelernt zu haben.

Sollte dies heute Erlebte dem aktuellen Vortragsniveau entsprechen, weiß ich, was ich ändern muss:

Bisher glaubte ich, ich bräuchte eine Idee, einen roten Faden, eine Struktur. Falsch.

Es reichen Beispiele. Diese verbinde ich schlicht mit "oder man kann". Auch muss ich keines dieser Beispiele auf Sinnhaftigkeit prüfen. (Der Lacher suggeriert den Macher.)

Darüberhianus habe ich gelernt, dass der genereller Tenor aus drei Elementen bestehen sollte:

- Affirmation
- Truismen
- (Daten-, User-, Internet-) Paranoia

Und sollte ich mal wirklich nicht weiterwissen oder was Falsches gesagt haben sollte, sage ich

"Genau.",
"Klar." oder

"Danke."

Ich ahne, warum man das "Integratives Marketing" nannte. Aber ich weiß leider nicht, ob es so gemeint war ...

TED: Die 10 besten Kampagnen der Welt

TED - Die Älteren kennen dieses Acronym noch aus dem deutschen Fernsehen, neudeutsch heute: Televoting.
Im Internet stehen diese drei Buchstaben für eine Organisation, die sich sich zur Aufgabe gemacht hat, die besten Ideen zu welchem Thema auch immer zu veröffentlichen und so zu ihrer Verbreitung beizutragen.

Zum zweiten Mal gab es hier auch einen Wettbewerb zum Thema "Werbung". Jetzt wurden die 10 Siegerkampagnen vorgestellt.


Interessierte Leser dieses Blogs werden einige der Spots bekannt vorkommen.
Das freut uns sehr - auch für die Unternehmen sowie die Agenturen :-)

Euer Besserwerber-Blog

TellMe ist dein Lebensgefährte, Siri dein Freund

Natürlich kann es für Macianer nur das eine geben: Apple Siri. Der Butler im iPhone scheint ja ein MustHave zu Jobs' Jünger zu sein. Ich habe durch Siri erkannt, dass einige Grafiker, die ich kenne, tatsächlich ganzer Sätze fähig sind, seitdem sie Siri haben. Früher waren das mehr Ellipsen wie "Schau, schlecht, schrecklich, aber sowas von", "Ich finde das echt ich weiß nicht" etc.

Und natürlich hat jetzt auch Microsoft so ein System. Und auch MS (kurz für Microsoft, nicht die Krankheit) hat so seine Fans, die der Meinung sind, dass TellMe besser zumindest ebenso gut sei.

Grundlos - wie die Nutzer von Siri sagen. Die wiederum sagen das zurecht, wie dieses wunderbare Video beweist. Der wohl einfachste und beeindruckendste Test zum Thema Apple Siri vs. Microsft TellMe:



Ich denke, jetzt versteht man (endlich) auch die Überschrift :-)

Bester Gag: 0:40

Bürosoftware - Wirklich einfach!?

Ich bin Unternehmer. Ich bin gestresst, genervt, ahnungslos. (Wenn man es andersrum liest, erklärt sich so einiges.)
Ja, ich bin ahnungslos. Nicht, was meinen Job angeht, aber all das, was er so mit sich bringt in unserem System.

Dazu zählt Buchhaltung. Keine Ahnung. Einnahmen minus Ausgaben, das geht noch, aber wie was welche Ausgaben sind. Wie ich die warum wo mit wie viel verbuchen, abschreiben oder sonst was kann – keine Ahnung. Klar macht das meine Steuerberater sehr gern für mich. Kostet mich aber. Und die Kosten muss ich ja auch erst einmal wieder verdienen. Also schlage ich das auf meinen Preis. Der wird dann aber so hoch, dass mein Konkurrenzfähigkeit leidet.

Also kommt man zwangsläufig auf die Idee, jemanden für so etwas einzustellen, der/die sich um so etwas kümmert. Die Idee ist toll, hat nur einen Haken: Sie macht es noch komplizierter, denn nun kommt die Lohnbuchhaltung dazu. Sozialversicherung, Kranken-, Renten-, was weiß ich für Versicherung.

Nächstes Problem mit Angestellten: Es ist nicht ihr Unternehmen. Also ist es auch mit der Verantwortungsbereitschaft nicht immer so gut bestellt. Wenn da mal zu einem ungünstigen Zeitpunkt ein Auftrag reinkommt, dann verschwindet der ganz still, ohne dass ich je davon erfahren habe.

Naja, ich bin ja nicht von gestern: Ich weiß, dass es für so etwas Bürosoftware gibt, die einem versprechen, dass sie als das können, also auch Auftragsbearbeitung. Aber will ich Büroftware lernen? Ich bin Unternehmer. Mir ist schon meine Kaffeemaschine zu komplex.

Bürosoftware für Unternehmer

Also muss ich doch jemanden einstellen, der sich zumindest bereit erklärt, diese Programme zu lernen, und mir dann auch zu zeigen, wie was geht. Ohne Details, bitte. Schön, dass man eventuell formatieren kann und lustige Grafiken einfügen, will ich nicht wissen.

Ich will wissen, was die Bürosoftware kostet. Und ich will nur das Wesentliche können. Ich bin Unternehmer. Aber allein, wenn ich mir schon das Angebot für "Bürosoftware für Unternehmer" zum Beispiel im Shop von Lexware anschaue, überkommt mich wieder eine leichte Panik.

Was ist das Richtige für mich? Die Programme scheinen zwar alles abzudecken (Buchhaltung, Lohn+Gehalt / Personal, Warenwirtschaft) und es gibt sowohl Komplett- als auch Branchenlösungen, aber allein die Tatsache, dass es dazu noch Premium-Software gibt, irritiert mich. Was ist dann das andere?

Ich habe einen Gegenvorschlag: Könnte man nicht auch mal das Finanzamt bitten, etwas flexibler und kreativer zu sein, um meine Form der Abrechnung zu verstehen? Mein Steuerberater hat es auch geschafft, wenngleich es auch einige Zeit gedauert und so manchen Euro gekostet hat.

Oder das Finanzamt kauft die Software von Lexware und stellt sie mir online samt Avatar zur Verfügung: Pecunia, die persönliche Assistentin Ihres Finanzamts. Das täte mir schon gut gefallen.

Oder denke ich zuviel, weil ich zu wenig weiß? Vielleicht sollte ich einfach mal bei Lexware nachfragen. Vielleicht schenken Sie mir ja eine Festplattensekretärin, äh: so eine "Bürosoftware für Unternehmer".

Mac, please.

E wie Erektionsstörungen

Dass nicht wenige deutsche Kreative massive Probleme mit Sex haben, dürfte offensichtlich sein. Wahllos werden da gerne Zusammenhänge zwischen dem zu bewerbenden Produkt bzw. Serviceangebot mit Erotik hergestellt, gerne auch verrucht, frivol und oder kombiniert mit einem vermeintlichen Tabubruch, die einen rätseln und wundern lassen, welches spätestens postpubertäre Trauma dieser "Werbung" zugrundeliegt.

Selbiges gilt für diesen Spot:



Nicht lustig. Sehr plump. Aber noch unlustiger: die "Social Media-Community", "Blogosphäre", d.h. Biedermeier 2.0.

Einen Shitstorm habe dieser Spot entfacht, schreibt die wuff und dass e.on den Spot deshalb zurückzieht. "Sexismus", "Gewaltverherrlichung" etc. lauten auch nicht wirklich kreativen Vorwürfe.

Und wo der Spot schon zeigt, wo die Probleme liegen bei den Professionellen (Kreativen), frage ich mich, ob die Verantwortlichen (Marketing) überhaupt Eier in der Hose haben. Erst freigeben und dann, weil Kreti und Pleti blökt, den Schwanz einziehen, ist ja ein bisschen schwach. Naja, aber in dem Zusammenhang auch irgendwie passend.

Statt der Kopfnuss hätte der Mann der Frau doch einfach einen Kuss geben können. Evtl. hätte man noch sehen können, wie sie sich ihres Tops entledigt und auch das hätte wunderbar zu "E wie Einschlafen" gepasst. Kitschig, romantisch, schön. Aber wohl zu "einfach". Oder einfach für die Macher schlicht undenkbar - seit der Geschichte damals ... mit Vati, Kati, was weiß ich ... :-)
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