Und wer da suchet, der ...

Nehmen wir mal an Sie sind so etwas wie ein Jungspund (Dank Google wissen wir es natürlich besser - wahrscheinlich sind Sie in etwa so alt wie wir), sind kürzlich erst des Hotel Mama verwiesen worden und stehen nun vor einem wahrlich existenziellem Problem: Sie müssen dreckige Wäsche waschen. Allerdings haben Sie weder eine Ahnung womit, noch wie.

Jetzt würde ich Ihnen persönlich raten, einfach einen Waschsalon aufzusuchen. Mittlerweile gibt es da meist W-Lan und von jeher hohes Flirtpotenzial. Bestimmt finden Sie auch jemanden, der Ihnen erklärt ob nun 30, 60 oder 90 Grad angesagt sind.

Sie aber, Jungspund eben, noch lange nicht so saturiert wie unsereiner, wissen was zu tun ist, planen den Erwerb einer Waschmaschine und machen sich nun auf um entweder ...

    a) den stationären Weiße-Ware-Händler aufzusuchen, sich beraten und eine Miele empfehlen zu lassen, über die Auflösung Ihres Bausparvertrages nachzudenken...

oder

    b) vertrauen der Werbung (was uns naturgemäß sehr freuen würde), bestellen hier oder da, lassen sich das Dingens bringen...

oder

    c) recherchieren im Netz und stoßen bei manch einem Produkt auf mehr Produktbewertungen als die Bauserie Abverkäufe generiert hat, je generieren wird. Zur Freude eines unbekannten Crowdworkers und zur Finanzierung dessen Feierabendbierchens entscheiden Sie sich letztlich für eine Maschine der Marke ..., irgendeiner Marke ...

oder - um mal auf den Punkt zu kommen -

    d) kombinieren a) und die besseren Seiten von c) und landen im besten Fall beim Angebot einer schlauen Kollegin aus Minga, die mit DieProduktsuche.de eine Internetplattform an den Start gebracht hat, die Suchergebnisse aus dem Netz kategorisiert und nach den relevantesten Informationsquellen ordnet. Hier sind Sie weder dem Waschmaschinenfachverkäufer, noch der Pseudologie von Netzarbeitern, geschweige denn der Werbung ausgesetzt. Vielmehr - um mal beim Beispiel der Miele Waschmaschne zu bleiben - erhalten Sie - wenn Sie denn möchten - redaktionell geprüfte Infos zu Energieeffizienz, wirklich wichtigen Daten zu Aquastop, Unwuchtkontrolle, Dampfmodus, Waschmitteldosierung... Zudem gibt es Bestenlisten, Eckdaten zur Kaufberatung, Errfahrungsberichte und natürlich den wichtigen Überblick über Preise (ist ja halt auch wegen dem Bausparvertrag wichtig).


Nun muss man sagen, dass Lösung d) derzeit noch nicht das ganz große Produktspektrum abbildet. Wird aber kommen, so versichert man von Seiten der DieProduktsuche.de. Probieren Sie es halt einfach mal aus.




Schade Werbung - alles ist vorbei, alles ist vorbei, alles ist vorbei ...

Noch hängen die Plakate mit Lahm und Matthäus, noch trinken unsere Mannen Milchmixgetränke, alkoholfreies Bier, futtern Chips in unsagbar unwitzigen Spots, rasieren sich (Weltklassetechnik!) und fahren Auto. Ja, das ist immer ein schöner Moment, wenn ein Fußballweltstar gut gelaunt in einem Kleinwagen herumgurkt. Toll, denke ich Verbraucher, diesen Kleinwagen und deine finanziellen Sorgen möchte ich auch haben. Zum Glück nur noch eine Woche lang erzählt Pep in seinem Audi-Spot, der witzig ist, wenn man ihn das erste Mal sieht, wieder und wieder diese Geschichte, die ... ja, äh, was eigentlich? Ich hab zuletzt nicht mehr richtig zugehört. Aber bald ist Schluss! Noch eine Woche, und dann ... alles ist vorbei, alles ist vorbei .... usw. Im Handel allerdings ist jetzt schon Schluss!

Vom Dschungelcamp bis Rio
Vom Dschungelcamp bis Rio
Hinter diesem Ailton-Aufsteller sind Ladenmitarbeiterinnen gerade beschäftigt, die Spuren der WM zu tilgen. Ailton ist natürlich das Mega-Testimonial. Erster Preis für diese Idee. Kein Anderer hätte das Knabber-Paradigma der WM durch die Personifizierung von Dschungelcamp und gleichzeitig Sport glaubwürdiger symbolisieren können.

Tolle Sache auch der Text. Nehmen Sie sich Zeit, ihn zu genießen: "Ailtons WM-Tipp: Für die WM-Party-Stimmung!" Kommt noch was? Ein Verb? Ein Lösungshinweis?







Dabei knuspern ist alles
"Dabei knuspern ist alles"
Die WM ist ein prima Leistungsbeweis für Texter. Naja, seien wir nicht zu hochnäsig. Was Texter verantworten, haben Texter zwar erfunden, aber die Entscheidung für den am Ende verwendeten Text treffen ja Andere. Und häufig ist es nicht Texters Liebling, der umgesetzt wird, sondern der konsensfähigste Text. "Dabei knuspern ist alles" war bestimmt so ein Fall, ich bin sicher. "Dabei knuspern ist alles" - so zwingend wie ein selbstgemalter 8-Euro-Schein.


Bei der WM werben mit der Abwandlung eines Mottos aus der Welt der olympischen Spiele? Mit dem Trostspruch für alle, die nicht gewinnen können, aber halt auch dabei sind? Das hat Größe. Es ist ehrlich. Es bringt die Situation auf den Punkt.

Für Unternehmen bedeuten Sonderverpackungen und die damit erforderliche Änderung des Verpackungsprozesses einen beträchlichen Aufwand. Das macht man nicht aus Jux. Es müssen also schon wahre Mondumsätze sein, Mehr-Umsätze noch dazu, die man sich davon verspricht, einen Ball auf die Packung und einen solchen Wow!-Spruch auf das Display zu drucken. Ja, die Hoffnung!

Wir stimmen alle ein


Marketing mit den Symbolen der Fußball-WM ist vor allem eins: Die Vereinnahmung einer Sportart und des Gefühls, das die Fans dieser Sportart bereitstellen. Und die Ausweidung des Landes Brasilien bzw. der stereotyp verkürzten Bilder, die wir von Brasilien haben (Samba, Kokosnuss, Papagei, Zuckerhut, brasilianische Strandschönheiten). Besonders deutlich wird das innere Desinteresse an Brasilien, wenn Marketing die absolute Zweckfreiheit erreicht: "Gaumenkicker", alles klar (s.u.). Und Senf dazu, schwarz, rot, gold. "54, 74, 90 usw. ... ja, so stimmen wir alle ein". Klar, vom Fußball-Event zum Grillen und zum Senf ist es nicht weit. Und natürlich stimmen wir alle ein.

Kicker oder Stürmer: Hauptsache Italien!
Kicker oder Stürmer: Hauptsache Italien!
Sei kreativ, gib deinen Senf dazu
Sei kreativ, gib deinen Senf dazu












Man muss es mit Verständnis sehen. Werben mit der WM ist ein heißes Eisen. Extreme Vorsicht ist geboten. Die FIFA, das haben wir 2006 gelernt, ist humorlos und ahndet alle Versuche, ohne Lizenz mit Markenelementen der WM zu werben. Also muss man sich etwas einfallen lassen. Und da ist kein Gag zu gaga. Jeder irre Witz braucht einen Mutigen, der ihn umsetzt, und so erblicken Dinge das Licht der Welt, für die sich 16-Jährige auf Facebook schämen würden.

Hier fehlt der Flügelstürmer-Gag!
Hier fehlt der Flügelstürmer-Gag!
Klingt fast wie Champions League
Klingt ja fast wie Champions League












Elf Freunde müsst ihr sein. Wer richtig gute Freunde hat, wen das Leben verwöhnt und wem die Sonne aus dem Hintern scheint, der gibt sich nicht mit Grillzeug zufrieden. Und wie verwöhnt man seine Freunde, wenn man ihnen zeigen will, wie wertvoll sie einem sind? Genau, mit "Gewinnergulasch" oder "Fantopf" (was mag da drin sein?). Man sieht es förmlich vor sich, wie sie zusammensitzen, gute Kumpels wie aus einem Las-Vegas-Film, und dem Ende der ersten Halbzeit entgegenfiebern, nur um rasch, in den Minuten, die neben der Pipipause bleiben, ein Päckchen "Doppelpass-Pasta" aufzureißen. Dazu Aufgusswitzchen ...

Guten Freunden gibt man ein Töpfchen
Guten Freunden gibt man ein Töpfchen
Pfosten-Pasta wär auch schön gewesen
"Pfosten-Pasta" wär auch schön gewesen



















Noch ein paar Beispiele


The day after = Gurken
The day after = Gurken
... und Gürkchen. Selbstverständlich. Für den Morgen danach. Auch in den Geschmacksrichtungen "1954" und "1974" erhältlich.












"Kick it - snack it"! Genial!
"Kick it - snack it"! Genial!
"Fußball-Snack" - mehr muss man nicht wissen.












"Mit lustigen Fußballmotiven". Echt jetzt?
"Mit lustigen Fußballmotiven". Echt jetzt?
"Mit lustigen Fußballmotiven". Zum Beispiel einem Fußball spielenden Krokodil (mit Trikotnummer 9: Schürrle?) und ein paar bunten Vögeln. Ola Brazil. Fußball-Edition. Bälle.










Inspired by Brazil
Inspired by Brazil
"Inspired by Brazil". Was soll das heißen? Irgendwer hat dieses Jahr zufällig entdeckt, dass Brasilien ein schönes Land ist, und man eine Kokosnuss auf die Packung drucken könnte? Coco Cabana? Natürlich, so reden sie doch da drüben den ganzen Tag.











Ohne Chips kein Chips-Gesicht
Ohne Chips kein Chips-Gesicht
Ja, logisch: Sonderplatzierung. Und Fußball, Fernsehen, Chips futtern, alles klar. Das wirkliche Thema ist: Alle meinen, sie müsten auf diesen Zug aufspringen. Alle mit den gleichen Bildern, alle mit den gleichen auserzählten Sprüchen. Ergebnis: Damit werden nicht nur Markenunterschiede nivelliert, sondern geradezu auch die Unterschiede zwischen Produkt-Kategorien.




Kein Hanuta, keine Bilder drin
Kein Hanuta, keine Bilder drin
Ferrero hat Fußballbildchen. Schon immer. Und wie mit den Lottozahlen: Wenn man einmal angefangen hat, traut man sich nicht mehr, aufzuhören. Und Knoppers? Auch kreativ. Beliebige Wörter aus dem semantischen Feld "Fußball" irgendwo drauf schreiben. Vielleicht sagt ja der Handel: Super! Bälle! Los, nehmen wir die 15er-Packung ins Sortiment! Verkauft sie sich, ist das ja auch schon was. Mehrabsatz auf diesem Weg - das ist aber auch der einzige Effekt, den ich mir vorstellen kann.

Ansonsten? Fazit? Geldverschwendung!

PS: Wenn man sich lange damit beschäftigt, hält man Wortspiele wie "Knabber daneben" plötzlich für sinnvoll. Sie wissen schon, zusammengesetzt aus "knapp daneben" und ... egal, verständigen Sie bitte einen Arzt.

Andy Warhol

Sie wissen, wer Andy Warhol ist? Andy Warhol war Werbegrafiker und entwickelte sich zum Künstler, „Mega-Künstler“ würde man heute sagen, er lebte den Traum aller Kreativen (es gibt also Hoffnung). Auch Frank Schätzing war Werbemensch, wussten Sie das? Egal. Andy Warhol jedenfalls war ein Mad Man reinsten Wassers, Wikipedia zufolge der bestbezahlte Grafiker der Madison Avenue, seine Nähe zu Bildern aus der Markenwelt ist also nicht erstaunlich.

Torsten Matthes im Stil von Andy Warhol
Dies ist keine Campbells Dosensuppe.
Für mich persönlich war Andy Warhol halt irgendwie da, kulturelles Hintergrundrauschen, ich habe mir nie viele Gedanken über ihn gemacht. Neulich fiel mir allerdings auf, welchen Paradigmenwechsel seine „Campbells Tomatensuppen“ markieren. Sie sind der Übergang vom Tante-Emma-System zum Supermarkt-System. Bei Tante Emma war es nicht wichtig, dass die Suppendose ein Bild trägt, es war ausreichend, wenn Tante Emma wusste, was drin war. Im Supermarkt war das anders. Bei Selbstbedienung war wichtig, dass Kunden schnell erkennen konnten, was sie in den Regalen supergut, supergünstig vor sich hatten. Wieso Supermärkte notwendig wurden, ist ein eigenes Thema, es hat sicher etwas zu tun mit zunehmenden Bevölkerungen im städtischen Raum, Verdichtung und Versorgungseffizienz. Tante Emma ist der Laden für eine Straße, Supermärkte versorgen ganze Viertel. Warhols Tomatendosen sind das kunsthistorische Derivat einer Entwicklung, die man im Nachhinein als Umbruch sehen kann.

Wem die Vergangenheit nicht spannend genug ist, der darf sich freuen. Denn wir stecken gerade wieder mitten in mindestens vergleichbaren Umbruchzeiten. Auch im Supermarkt. Überall in der Welt wird daran gearbeitet (außer in Deutschland, aber auch das ist ein anderes Thema). Überall werden neue Zahlsysteme ausprobiert. Haben Sie sich einmal mit Bitcoins und Yapital beschäftigt? Wissen Sie, dass Google eine Banklizenz hat? Wozu. Naja, mit dem Playstore führt Google jetzt schon Bezahltransaktionen durch. Und das in rund Dreiviertel aller Smartphones. Apple ist noch nicht ganz so weit, ist aber in jeder Hinsicht für das Aufpumpen von iTunes zum Bezahlsystem gerüstet. Amazon ist der Fulfilment-Weltmeister; was sie künftig in Richtung Bezahlen vorhaben, ist noch nicht ganz klar. Aber sehen Sie sich an, was Ebay an Patenten registriert. Haben Sie in diesem Zusammenhang wahrgenommen, dass Paypal (Ebay-Tochter) gerade in einer weltweiten Kampagne erzählt, dass Paypal alles leichter machen wird? Und sich gefragt, was das soll? Dann sind Sie auf der richtigen Spur.

Alles schön und gut. Aber wo sind die Bilder heutiger Werbegrafiker, die wir umbruchbegleitend ins Wohnzimmer hängen können? Die heute ein paar Hundert und in 20 Jahren ein paar Millionen Euro wert sind?

Aldi informiert

Ich fand es schon immer eine Meisterleistung von Aldi keine Werbung zu machen.

Sie sagten nie "Jetzt zu uns, weil 1,2, 3" oder so einen Käse. Nein, sie zogen schon immer die sachliche Variante vor:

Aldi informiert



Aldi informiert

Das ist nicht nur völlig ausreichend, sondern auch korrekt. Schließlich handelt es sich bei dem, was sie dort abbilden, ja auch nicht um unbotmäßige Anpreisungen, sondern um faktische Wiedergaben von Dingen. Emotionen? Fehlanzeige. Wofür auch? Wegen 3,99?

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