Eselsbrücken im Marketing: A

Inspiriert vom Marketing-Kurs des Masterstudiengangs an der Hochschule Niederrhein, Fachrichtung Design, und in Ergänzung zu unserem Werbe-Kolleg bauen wir hier in loser Folge "Eselsbrücken im Marketing", die zum besseren Verständnis von Auftraggeber und Auftragnehmer führen sollen.

Eselsbrücke Marketing

Fangen wir also mal ganz vorne an mit unseren "Marketing Mnemonics" - mit dem Buchstaben A:
"Eselsbrücken im Marketing: A" vollständig lesen »

Qualität: "Das soll halt irgendwie rüberkommen!"

Wenn es um Qualität geht, gibt es zwei Positionen:

1.) Die sorglose: Hier wird der Begriff "Qualität" bedenkenlos vereinnahmt und ohne Sinn und Verstand ins Kommunikationsgetümmel geworfen; Qualität ist dann alles und nichts Genaues, vor allem aber und auf jeden Fall schon mal toll!

2.) Die puristische: Hier wird mit aller Macht versucht, den Begriff zu vermeiden. Mit guter Absicht. Man will hohle Worte vermeiden. Das geheime Motto hinter dieser Position lautet: “Wir wollen nicht über Qualität reden, sie soll halt rüberkommen!”. Ergebnis: Auf keinen Fall darf das Wort "Qualität" verwendet werden.

Beides ist problematisch. Über den ersten Standpunkt müssen wir nicht reden. Die zweite Position ist nachvollziehbar. Gestützt wird sie durch die Weisheit, dass nicht zählt, was gesagt wird, sondern was ankommt. Sie legt den Fokus auf die Wirklichkeit hinter den Worten und löst Konzepte aus, die authentischer sind. Aber auch sie brauchen ein zusammenfassendes Label.

Irgendwo habe ich gelesen, dass die amerikanische Unabhängigkeitserklärung nirgends das Wort “Unabhängigkeit” enthält. Ich schreibe das ungeprüft, mir ist ist die Legende manchmal lieber als die eventuell schmucklosere Realität. Kann also sein. Und dennoch. Irgendwann hat jemand dem Text das Label “Unabhängigkeit” angehängt. Ein Wort, das den Textinhalt auf den Punkt bringt. Ein Begriff, zum Begreifen. Woher sollten wir sonst wissen, was diese Erklärung sagt und wie sie genannt wird?

Bedeutung braucht das Bedeutete halt genauso wie das Bedeutende.

Warum mir Papier und Stift immer noch lieber sind

Selbstverständlich nutze ich ein Smartphone. Ganz empört schreibe ich das, weil ich glaube, mich verteidigen zu müssen, für die Überschrift und dafür, dass ich nicht total digital bin. Mein Smartphone ist nicht das Aktuellste, nicht das Schnellste, aber gut genug für das, was ich damit mache. Außerdem war es günstig. Für mich ist es weder ein Lifestylegegenstand, noch eine Distinktionshilfe. Ich verwende es als tragbaren Minirechner, mit dem man auch telefonieren kann. Ja, richtig gelesen: Ich telefoniere mit dem Ding.

Apps sind okay, Papier ist besser


Seit ich es nutze, habe ich eine Notiz-App. Als mein erstes Gerät (Android 1.5) out-dated war, weil ich Whatsapp wollte und WA erst ab Android 2.irgendwas ging, musste ich es stilllegen und stand nun vor der Aufgabe, meine Notizen zu übertragen. No way. Also habe ich mir einige, die ich für wichtig hielt, per Weiterleitung einzeln als Mail geschickt. Seitdem nutze ich Evernote. Ein klasse Programm, klasse Features, klasse Funktionen. Für jemanden, der seine Notizen für wertvoll hält, ist es beruhigend, dass man den Zugang zum Programm auf dem Smartphone schützen und Textpassagen in Notizen auch völlig verschlüsseln kann. Das geht allerdings nur über die Desktop-App. Btw. es ist echt praktisch, dass die Notizen online synchronisiert werden und dann über jeden Browser oder eben die Desktop-App verfügbar sind. Außerdem gibt es Browser-Add-ons, mit denen Seiten, Seiteninhalte, einzelne Texte oder nur URLs während des Surfens online abgelegt werden können. Kann ich empfehlen.

Trotzdem komme ich inzwischen wieder mehr dahin zurück, Notizen auf Papier zu schreiben. Wenn es um Ideen, Skizzen, Einfälle geht, ist Papier einfach schneller. Ich finde es absolut ideen-tötend, erst das Gerät rauszukramen, es aufzumachen, Evernote zu öffnen, was manchmal dauert, weil es sich vielleicht synchronisieren will, dann aber nicht weiterkommt und erst einmal hängt, das nervt, aber egal, warum und wie: Bis ich soweit bin, etwas zu schreiben, sind locker fünf Minuten vorbei. Und der Gedanke ist dann u.U. schon weg.

Ich mag meine Handschrift, wahrscheinlich bin ich Narzisst


Und dann dieses Schreiben! Was ist für ein nerviges Schreiben ist das eigentlich, auf so einem blöden Display! Muss ich erklären, was der Unterschied zwischen kleinfingerigem Getippe mit Buchstaben für Buchstaben zusammengesetzten Wörtern für den von der Leine gelassenen Geist ist? Im Vergleich zu grobem, großzügigem, skizzenhaftem Fuhrwerken mit dem Stift über ein weites, weites Blatt Papier? Mit Wörtern, die man abreißen lassen kann, sobald man weiß, wieviel Gekrakel reicht, um einen zu erinnern, was man sagen wollte. Vielleicht war es auch gar nicht so wort-konkret, was man sagen wollte. Vielleicht hatte man nur so einen Dunst von einem Gedanken, der nur zur Hälfte aus Wörtern und vielleicht auch aus Kringeln, Strichen, Verbindungen usw. usf. besteht. Wenn man wütend ist, kann man es mit dem Stift am Papier auslassen. Und später sieht man dem Schriftduktus an, in welcher Verfassung man war. Das bringt die Ideen besser wieder zurück.

Mein Notizbuch
Mein Notizbuch


PS: Und irgendwer muss ja die ganzen Werbemittel-Kulis verbrauchen, die alle Welt Tag für Tag machen lässt.

Das wirklich dämlichste Argument, mit dem häufig selbst der größte, dümmste, peinlichste und intelligenzfernste Werbeschwachsinn verteidigt wird:

"So schlecht kann es ja nicht gewesen sein, schließlich ist es Ihnen aufgefallen!"


Wie bitte?

Eine Infografik von maptia.com mit 11 schwerlich zu übersetzenden Worten verschiedener Kulturen und einem Verweis auf Nietzsche:

    Die Worte sind nur Symbole für die Relationen der Dinge untereinander und zu uns und berühren nirgends die absolute Wahrheit.


Worte

Sprache - Kommunikation - Werbung

Sprachenwerbung gibt es ja viele. Die meisten davon sich schrecklich, manche lustig (wie die für die Muttersprache), manche (wurden sogar) ausgezeichnet, aber zumindest uns, ist keine so schöne und stringente Reihe bekannt wie diese. So macht man einfach Lust auf Sprachen, auch wenn ...

... man weiß, dass man schon gut französisch kann, aber man dennoch mal wieder sein Vokabular auf Vordermann bringen möchte


... einem vieles spanisch vorkommt.


... man sonst lieber gut isst:


Und das ist noch nicht alles:

"Sprache - Kommunikation - Werbung" vollständig lesen »

Fuk yo sun of beaches - oder: Auch Werbung für die Muttersprache darf Humor haben

Wir hier sind ja große Freunde der deutschen Sprache. Aber halt auch des Humors. Von daher fällt es uns schwer, die Herangehensweise des Vereins Deutsche Sprache e. V. zu verstehen. Dessen Lobbyarbeit erinnert konzeptionell doch stark an die Logik des Kalten Krieges, wo sich ja auch alles auf einen Feind fokussiert hat. Und für den VDS ist das der Anglizismus an sich.

Klar kriegt man damit die Lehrer, pensionierte Beamte und Jahrhundertwendegesellschaften. Aber hatte man die nicht eh schon? Wäre es nicht viel sinnvoller Werbung FÜR die eigene Sache zu machen als gegen eine andere?

Sehr hübsch dazu dieser Blog: americansforgrammar.org. Hier umfasst der Begriff "grammar" wohl so ziemlich alles, denn die Beispiele sind rein orthographischer Natur, aber sei's drum. Die Idee ist nett und die Anzeigen schlicht "awesome":

Muttersprache

Werbung Muttersprache

Wie wir mit Anglizismen umgehen, sieht man beispielsweise in unserem kleinen Werbe-Kolleg.

Die Bahn spricht deutsch

Passend zur Schreckensmeldung auch mal was Positives: Die Bahn schafft ihre Anglizismen ab.

Gewiss betrüblich, dass aus "Kiss & Ride" wieder Kurzzeitparkzone wird. Man hätte dafür ja auch sich mal anderes einfallen lassen können, wie z. B. "1-Kuss-Halt" ((R) Wortführer). Aber sei's drum. Der Weg ist nicht verkehrt. Und ganz germanisch wird man ja auch nicht. So soll auch das englische "Hotline" eingedeutscht werden ... in "Service-Nummer". Hat doch was :-)

Vielleicht (ACHTUNG: Wortspielhölle) ein Signal, eine Weichenstellung gar für andere deutsche Unternehmen, wie SAP?



Grasen Sie!

Ich wollte mich über das Thema schon lange auslassen: Die Kommunikation von Mensch und Maschine.

Den eigentlichen Ausschlag gab eine Situation kürzlich in einem großen Unternehmen. So ein Laden mit riesigen Aufenthaltsräumen für Mitarbeiter, in denen man sich an Automaten mit Spezialschlüsseln Essen und Getränke ziehen kann. Dort stand auch ein Pfandrückgabe-Automat.

Ich bin in dieser Firma nur sporadischer Gast und als ich das erste Mal vor dem Automaten stand, der sich doch deutlich von denen im Supermarkt unterschied, hat er sich mir erstmal verweigert. Ein Kollege eilte mir zu Hilfe, schaute auf das Display und sagte: „Ja, guck, der kennt Dich eben noch nicht: Unbekannte Flasche!“ Großes Gelächter. Seitdem ist das Gerät kooperativer, aber nicht eben höflicher und meldet „Flasche erkannt!“, wenn ich davor stehe.

Alle möglichen Automaten des öffentlichen Lebens, Software, das Navi-Gerät (nicht umsonst „Straßenschlampe“ genannt), Anrufbeantworter und deren Steigerung, die computergesteuerten „Telefon-Leitsysteme“ sorgen mit ihrer "Ansprache" nicht nur für Erheiterung. Sondern auch für eine Menge Ärger, Frust und Aggressionsschübe.

Äpfel oder Bananen


Denn obwohl wir doch alle wissen, dass die richtigen Worte ein entscheidender Schlüssel in der Kommunikation sind, scheinen wir nicht gewillt zu sein, Maschinen so zu programmieren, dass sie textlich besser mit uns interagieren.

Klar, die dafür notwendige künstliche Intelligenz ist noch arg begrenzt. Aber eine Menge ließe sich schon durch weniger Geiz an dieser völlig falschen Stelle verbessern. Spezialisierte Texter, anständige Übersetzungen, feineres Granulieren von Textbausteinen, mehr Tests etc. Ja, das bedeutet Investition.

Aber geglückte Kommunikation ist schließlich ganz entscheidend für den bleibenden Eindruck, den man Marke nennt. Und Permanent-Error-bedingte Wutausbrüche sorgen für langanhaltende, übelste Assoziationen mit dem jeweiligen Hersteller. Deshalb sollte auch der Dialog mit Maschinen optimiert werden.

Mac-Fehlermeldungen waren z.B. immer schon irgendwie menschlicher formuliert als die vom PC. Das hat mich früher wirklich neidisch gemacht. Solche vermeintlichen Kleinigkeiten prägen einfach das Gesamtbild.

Und ein schöner Beweis, dass es durchaus möglich ist, einem Haufen Blech, Technik, Bits und Bytes mit den richtigen Zeichenfolgen einen Hauch Seele einzuflüstern, ist der letzte Tweet der gestern einsam und allein in der unwirtlichen Fremde verstorbenen Marssonde Phoenix. Ich hatte nicht als Einzige Wasser in den Augen, jawohl.

Die Gunst der Hunde

Hach, was hatten wir hier an dieser Stelle schon Spaß mit Anglizismen. Da fallen mir locker, ein, zwei, drei, vier Stellen ein.

Und nun eine Meldung auf Bild Online, die ich ja noch viel beeindruckender finde, als die Verpflichtung des Bäckergesellen zum Bayern-Trainer, der wo die deutsche Sprache auch tief, tief drin, arg, arg lieb hat.

Die Gunst der HundeWeil ihre aus Berlin stammenden Deutschen Schäferhunde kein Wort Englisch verstehen, müssen Polizisten in der britischen Grafschaft Derbyshire neuerdings ein paar Brocken Deutsch lernen. „Wenn wir auf Englisch zu ihnen sprechen, sehen sie uns an, als wären wir verrückt“, sagte ein Polizist der Zeitung „Daily Telegraph“. Daher müssten Befehle wie „Sitz“, „Aus“ und „Holen“ in der Muttersprache der Hunde gebrüllt werden. Allerdings versuchen die Beamten zugleich, den Tieren die Sprache Shakespeares näherzubringen: „Wir sagen jeden Befehl auch noch einmal auf Englisch, damit sie zweisprachig werden“, sagte der Polizist. Wegen einer Schäferhund-Knappheit in Großbritannien waren die Tiere in Berlin gekauft worden.


Also denk dran, lieber Marketingleiter, wenn du das nächste Mal einen Infocounter mit HelpDesk und Personal Assistance to go einrichtest - oder deine Agentur im nächsten Briefing dazu committest, den share of wallet gerade am POS bei FMCG im OTC-Sector zu increasen. Immer dem anpassen, den man trainieren will.

Mal gespannt, ob wir demnächst Uli zu Klinsi sagen hören: "Sit!", "Fetch!" "Good boy."????

Bye.

Geballte Kompetenz

Frank Herold
F.Herold auf xing

Heiko Walkenhorst Wortführer
VerbAgentur
H. Walkenhorst auf xing

Gerold Braun
Direktmarketing Blog
Gerold Braun auf xing

Torsten Matthes
Marketing - Projektmanagement - Text
Torsten Matthes auf xing


Verwaltung des Blogs

Login