Denglisch und kein Ende

Denglisch und kein EndeWiederholt haben wir uns ja hier schon ausgelassen über Perlen der deutschen Sprache. Gerade ist mir wieder so ein prima Denglisch-Text über den Weg gelaufen. Es fällt ja auf, dass gerade bei Firmen, die im Internet unterwegs sind, eine extreme Inflation des Denglischen zu beobachten ist. Aber sehen Sie selbst:

    Das Düsseldorfer Internet Start-up A better tomorrow launcht heute die neue Aktionsreihe „TeeDash“
    Aufbauend auf dem großen Erfolg der „Cheap Friday“ Reihe, bei der es jeden Freitag ein Artikel aus dem Sortiment der Streetwear Community stark reduziert gibt, erweitern die Düsseldorfer ihr „Live Shopping“ Angebot. Beim Teedash gibt es besondere Designshirts nicht nur an einem Tag zu einem sehr guten Preis (12 Euro) sondern auch limitiert nur an diesem Tag. Das vorgestellte Design kann nach 24 Stunden definitv nicht mehr erworben werden. Los geht’s heute mit einem ausgefallenen Design des Ausnahmedesigners Dekorone auf www.a-better-tomorrow.com.


Klar, irgendwie kann man das verstehen. Aber ist es wirklich unbedingt nötig, so viel Denglisch zu produzieren? Und: will das die Zielgruppe wirklich? Die verstehen doch auch Deutsch, oder?

Ich versteh nur Bahnhof

Ich versteh nur BahnhofDa stolpere ich doch gerade über eine Perle deutscher Sprachkultur. Das muss man sich wirklich mal auf der Zunge zergehen lassen:

    Moconso launched interaktiven Wizard für mobile Applikationen


Da ist echt EIN deutsche Wort drin: für. Und das ist nur die Überschrift (ich hätte jetzt auch Headline sagen können). Es geht ja noch weiter:

    Download Wizard für mobile Applikationen geht live - Intelligente Software-Hilfe begleitet kompletten Installationsprozess - Der österreichische Online-Wettanbieter bet-at-home.com profitiert als erster Kunde...

    Moconso, Spezialist für Mobile Connected Solutions, hat einen dynamischen Wizard für mobile Anwendungen entwickelt, der dem Nutzer beim Download von mobilen Anwendungen hilft. Dabei handelt es sich um eine interaktive und sehr einfach gestaltete Online-Hilfe, die den User durch den kompletten Download- bzw. Installationsprozess begleitet und sogar die nötigen Einstellungen wie etwa Internet-Settings am Telefon vornimmt.


Ich möchte jetzt hier ja wirklich nicht als Moralapostel (gibt's das auch in weiblich?) für die deutsche Sprache auftreten, aber wäre es nicht auch möglich gewesen, das ganze in einigermaßen normalen Alltagsworten auszudrücken? Ich hab mal gelernt, dass Pressetexte in erster Linie verständlich sein sollen.

Nicht, dass Sie jetzt denken, dass ich nicht verstehe, was da drin steht. Ich versteh das schon. Irgendwie. Aber wer von uns will denn "Mobile Connected Solutions"? Das hört sich doch eklig an.

Wenn der "User" sich nun bei Moconso mit Hilfe des "Wizard" durch die Downloads klickt, erwartet ihn dann das gleiche Chinesisch? Schließlich soll ihm das Dings ja helfen, dachte ich. Wenn der dann neben der Hilfe noch das Fremd- und Englischwörterbuch braucht, dann hilft ihm das ja auch nicht, oder?

"Spam" ist (fast) Müll

Unter der Überschrift "SPAM? Oder doch besser MÜLL?" verwiesen wir hier zu Anfang des Monats März auf die Aktion Lebendiges Deutsch, bi der Vorschläge gesucht wurden, um diesen Begriff für "computer-verstopfende Massenwerbung" einzudeutschen.

"Spam" ist (fast) MüllAus 4.730 Vorschlägen entschied man sich weder für Quälmail (was ja nicht ganz koscher gewesen wäre), Mogelpost, Netzpest noch Digimist, sondern für E-Müll.

Warum nur dieses biedere "E-" davor? Und für alle, die es nicht kapieren, es ist eine rein rhetorische Frage. Ich weiß, warum, nur ist es so gänzlich furchtbar, wenn man immer so richtig sein will. Das Englische bezieht seinen Reiz zum Teil ja auch aus der Doppeldeutigkeit der Worte. Wer alles immer richtig erkärt, reduziert Kommunikation auf den reinen Informationsaustausch. Das ist (bl)öd. "E-Müll" ist nach meinem Dafürhalten ein Schriftwort. Das aber ist schlecht, weil zu wenig. Die Flut der Anglizismen werde ich nur dann eindämmen können, wenn ich "mundgerechte" Angebote mache. "spam" - das hat onomatopoetischen Schmackes, "E-Müll" ist Blutdruck beim Eierlikörnachmittag.

Neue Suche: Pay-TV

SPAM? Oder doch besser MÜLL?

"Spam" ist (fast) MüllVor etwas mehr als einem Monat riefen wir euch auf, an der Aktion Lebendiges Deutsch mitzumachen und euren Verdeutschung von "Slogan" vorzuschlagen.

Gewonnen hat übrigens "SPRUCH". (Klassisch "KISS", ne? (keep it simple & stupid))


Jetzt wollen Sie auch euren Vorschlag zu SPAM.

Mitmachen!.

Denglisch for Runaways

Denglisch for RunawaysEine Stilblüte deutscher Kommunikation wollte ich unseren Lesern nicht vorenthalten.

    wir setzten heute zum Shapen unseres Traffic den Net Enforcer von Allot netenforcer ein. Dieses Produkt hat eine Telnet Schnittstelle mit dem an den Kommandos übertragbar sind mit dem man den wieder als Traffic Shaper und Traffic volume counter einsetzen kann


Ich vermute, es geht hier irgendwie um IT-Technologie. Sicher bin ich nicht. Ich bin aber sicher, dass Leute aus der Branche den auch verstehen würden. Ob die das weiterbringt?

Gespannt bin ich auf die Übersetzungen, die hier sicherlich zahlreich eintreffen werden.

Selbstentsorger?

Die deutsche Sprache bringt häufig doch Absonderliches hervor. Manchmal entlockt mir das weit mehr als ein Schmunzeln.

Sprache

Es gibt einen Verband. Nein, nicht das Zeug, das man bei Verletzungen einsetzt. Eine Organisation. Und zwar den Bundesverband der Selbstentsorger von Verkaufsverpackungen BSVV. Toll was? Mein erster Gedanke war:

Wow. Die entsorgen sich selbst.

Ungeahnte Möglichkeiten. Ich träume. Edmund Stoiber tritt dem Verband bei. Und andere. Und alle entsorgen sich selbst. Wir hätten doch keine Probleme mehr.

Aber, leiderleider. Der Zweck dieses Verbandes ist ein anderer. Darin haben sich Unternehmen zusammengeschlossen, die selbst Verpackungen entsorgen dürfen. Sonst darf man das hier ja nicht. Dafür haben wir ja den Grünen Punkt. Egal. Köstlich jedenfalls, was dieser Verband in seiner aktuellen Pressemitteilung so für ein Deutsch von sich gibt:

    Selbstentsorgung keine Gefahr für haushaltsnahe Getrenntsammlung – für „Grünen Punkt“ tätiger Gutachter bestätigt Selbstentsorger-Position

    Berlin, 10. Januar 2007. Der langjährige Rechtsberater der DSD GmbH, Prof. Dr. Klaus-Peter Dolde, stützt in einem Gutachten die Position der Selbstentsorger: „Da die Kapazität von Selbstentsorgersystemen beschränkt ist, steht diese Möglichkeit nur einem kleinen Teil der Produktverantwortlichen zur Verfügung.“ Damit bestätigt Dolde in einer Ausarbeitung für die selbstentsorgerkritische Arbeitsgemeinschaft Verpackung und Umwelt (AGVU) die bekannte Position des Bundesverbandes der Selbstentsorger von Verkaufsverpackungen (BSVV), dass das geringe Marktpotenzial der Selbstentsorger die haushaltsnahe Getrenntsammlung von Verpackungsabfällen nicht aus den Fugen bringen kann. Doldes Gutachten „Verfassungsrechtliches Gebot zur Novellierung der Verpackungsverordnung – Rechtliche Folgen für die verpflichteten Unternehmen“ wurde Mitte Dezember 2006 auf dem 6. Orientierungstag der AGVU vorgestellt.


Wer jetzt nicht viel verstanden hat, befindet sich wahrscheinlich in Gesellschaft. Ich persönlich hatte auch gar keine Lust, mich da reinzudenken. Ist das der Sinn einer Pressemitteilung? Dass sie keiner versteht? Wenig erstaunlich ist deshalb, wenn diesen tollen Verband keiner kennt. Das wird sicher auch in Zukunft so bleiben.

Der Regelfall der Kommunikation ist das Missverständnis

Stimmt! Wir haben es schon immer gewusst und immer und immer wieder und wieder darauf hingewiesen. Und nun ist die Studie da und das ist das Ranking, das die Bild daraus machte:

Platz 1: Ford - „Feel the difference“
Fühle das Differenzial / viel Differenzial / ziehe die Differenz ab

Platz 2: adidas - „Impossible is nothing“
imposant ist nichts / ein imposantes Nichts

Platz 3: Base - „Freedom of speech“
Frieden der Geschwindigkeit / Rede in Frieden

Werbeslogans Kommunikation

Platz 4: Vodafone - „Make the most of now“
mach meist nicht alles / mach’s meistens jetzt / mach keinen Most daraus

Platz 5: Air-Berlin - „Fly Euro Shuttle!“
der Euro Schüttel-Flug / Schüttel den Euro zum Fliegen

Platz 6: Kia Motors - „The Power to Surprise“
die Überraschungsmacht / die Power-Überraschung / mit Strom überraschen

Platz 7: Mars - „One of life’s pleasures“
Ein Leben bitte! / Bitte, eins vom Leben / Ohne Leben bitte

Platz 8: Burger King - „Have it your way“
Hast du deinen Weg? / Nimm’s mit auf den Weg!

Platz 9: Beck's - „Welcome to the Beck’s experience“
Willkommen beim Beck’s-Experiment

Platz 10: Centerparcs - „A State of Happiness“
ein Staat der Glücklichkeit / mit Glück Staat machen / statt happy zu sein

Platz 11: Zurich-Versicherung - „Because change happenz“
weil Chancen glücklich machen / weil man etwas wechseln kann

Platz 12: Jaguar XK - „Life by Gorgeous“
Leben in Georgien / Leben bei Georg / Leben wie George

Die Übersetzungen der Werbeslogans klingen so schlecht erfunden, sie müssen wahr sein. Und ich will nichts mehr über dumme deutsche Schüler hören …

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