Gott ist Kunst

Da ist er wieder - der unumstrittene Megastar der westlichen Welt: Gott! OK, es gibt Menschen, die sind sich nicht so sicher, ob es Gott gibt, aber die meisten glauben an ihn.

Gott ist Kunst

Und viele davon sprechen mit ihm in ihrer eigenen Sprache, dabei spricht Gott niederländisch. Wer es nicht glaubt: Das ist seine Nummer:

    0031 6 442 449 01



Unter dieser Handynummer aus den Niederlanden kann man ihn erreichen, zumindest seinen Anrufbeantworter, der einem in der Landessprache mitteilt:

    "Hier spricht Gott. Ich kann Ihren Anruf gerade nicht entgegennehmen. Bitte hinterlassen Sie eine Nachricht oder versuchen Sie es später noch einmal, vielleicht bekommen Sie dann sogar eine Antwort."


Was das soll? Nach Angaben von Spiegel Online handelt es sich dabei um ein Projekt des Konzeptkünstlers Johan van der Dong.

Was für ein Name. Johan van der Dong. Ist heute vielleicht doch der 1. April?

In memoriam Gott: Los ...

Am 26. November 2008 sprachen wir hier zum ersten Mal über den Plan "gottloser Werbung". Jetzt ist er wahrgeworden und verbindet die Menschen in London, wo 200 Busse mit der Botschaft herumfahren: "Es gibt wahrscheinlich keinen Gott."

gottlose Werbung

Was immer man von der Aussage hält: Es ist eine Riesenidee!

via Spiegel Online

Gottlose Werbung

Umfragen zeigen:
Wenn Werbung langweilt, empört sich die Masse - oder die Fachmedien.

Kampagnen wie die von Benetton, Deutsch o. Ä. zeigen:
Wenn Werbung auffällt, empört sich die Masse - oder der Werberat.

Bei letzteren waren es vor allem jedoch die Motive, die für Aufregung sorgten. Was aber, wenn es nur die Worte sind? Und wenn es Worte sind, die einfach nur wahr sind. Was wird dann sein? Womöglich werden wir es bald erfahren, denn wie ich auf Spiegel Online las, planen "Atheisten" (Ich würde sie ja eher 'Agnostiker' nennen, aber darum geht es jetzt nicht) eine Gegenkampagne zu religiöser Werbung auf Londoner Stadtbussen zu initiieren.

So könnte das dann aussehen:

Es gibt wahrscheinlich keinen Gott

Es gibt wahrscheinlich keinen Gott

Spannend.
Vorstellbar in Deutschland, wo sich Menschen aufregen, wenn kleine Holzkreuze aus Klassenzimmer entfernt werden sollen, weil/obwohl ja laut Verfassung Staat (Schule) und Religion (Kreuz) getrennt sind?
Zumal die Aussage ja nur darauf gründet, was allgemein unbestritten ist, dass es, im Gegensatz zu den Behauptungen diverser christlicher Organisationen, den ultimativen Gottesbeweis nicht gibt.

Alles nur aus Spenden finanziert. Wirklich spannend ...

Und hier gibt's weitere Infos zur Atheist Campaign.

Hausbesetzung

Berlin-Mitte, Torstraße 166 – Das Haus der Vorstellung. Heimat, Berlin für Hornbach

„Du kannst es Dir vorstellen. Also kannst du es auch bauen“. In diesem Sinne initiierte HEIMAT für Hornbach das Projekt „Torstraße 166 - Das Haus der Vorstellung". Künstler bezogen mit ihren Installationen ein verlassenes Haus in der Torstraße 166.

Das Haus der Vorstellung

Die Bewohner: Manfred Reuter, Christian Meyer, Christine Rebet, Plastique Fantastique - Marco Canevacci und Markus Wüste, Harald Smykla, Sissel Tolaas, raumlaborberlin, Franz Höfner & Harry Sachs, (e.) TWIN GABRIEL - Else Gabriel und Ulf Wrede, Chiharu Shiota, Laura Kikauka, Souziehaas


Torstraße 166 – Das Haus der Vorstellung.

Das „Haus der Vorstellung“: Zur Hausbegehung.


Kunde: Hornbach Baumarkt
Agentur: HEIMAT, Berlin
Kreativkonzept: Guido Heffels, Matthias Storath,
Danny Baarz, Ralf Schmerberg
Art: Kai Gerken, Jenny Kapteyn, Maria Botsch
Text: Matthias Storath, Susanne Düber
Foto: Markus Mueller
Produktion: Triggerhappyproduction

Schornsteinfegermonopol - Good Bye!

Deutschland hat es überlebt, dass die Taxis nicht mehr weiß sein müssen. Aber jetzt kommt es noch besser: Das Schornsteinfegermonopol von 1935 (wer hat doch noch gleich regiert?) wird zumindest gelockert! Damit müssen sich 20.000 Schornsteinfeger endlich ansatzweise den Marktmechanismen aussetzen.

Schornsteinfegermonopol - Good Bye!
Ob dann den Kunden immer noch folgendes vorgeschlagen wird: "Geben Sie ihren Wohnungsschlüssel doch ihrem Nachbarn!". Und ob dann immer noch gelbe Zettel an der Tür hängen auf denen nur teure Mobilfunknummern stehen? Die Emmissionsmessungen wird mein Heizungsfachmann dann sicher gratis vornehmen. Das Geld für die unverschämt hohen Rechnungen kann vielleicht in ein gutes Essen für die ganze Familie investiert werden! Wir werden es erfahren.

Werbung und Kunst, die Unendliche

Was was ist, ob Werbung Kunst oder Kunst Werbung oder oder oder wird ja immer wieder gerne in Feuilletons behandelt. (Mir wäre es ja schon recht, würde man erkennen, ob Werbung Werbung und Kunst Kunst ist, aber egal.) Wäre Werbung Kunst gäbe es keine Kunden, sondern Mäzene, die zwar Geld, aber kein Mitspracherecht haben. So gesehen ist Werbung definitiv keine Kunst.



Und wer es anders sehen will? Nun, für den gibt es jetzt wieder was: Radical Advertising nennt sich die Ausstellung mit dem (Eigenwerbung:) provokanten Titel, die im NRW-Forum in Düsseldorf zu sehen ist.



Dabei gibt es natürlich allerlei "Künstlerisches", wobei das meiste doch kaum über das normale Niveau von Abiturientenmodifikationen gehen dürfte. Das mag auf den ersten Blick ganz lustig sein, aber dann? Dann ist es doch wieder Werbung. Gerade so genannte Adbusters tragen enorm zur Markenbekanntheit bei, da durch sie genau die Menschen erreicht werden, die Werbung an sich nicht erreicht.

    Adbusters (advertisement = Werbung + busting = zerstören) nennen sich Gruppen, die Werbung im öffentlichen Raum (Außenwerbung) verfremden, überkleben oder auf andere Weise umgestalten, um so ihren Sinn umzudrehen oder lächerlich zu machen. Die Adbusters sind eine Form der Kommunikationsguerilla.

    Es handelt sich dabei um Kritik an der Konsumgesellschaft, an den Bildwelten der Werbefotografie und einer von Adbusters kritisierten visuellen Umweltverschmutzung. Vor allem wird beklagt, dass es kaum noch Lebensbereiche gebe, in denen man sich Werbung entziehen könne.


Gerade Letzteres aus dem wikipedia-Eintrag ist klassisch intellektuell-weltfremd sowie pseudo-pointiert fabuliert, da es diese Bereiche sehr wohl gibt: Wald, Meer, Vorortsiedlungen, in denen keiner wohnen, geschweige denn: leben will.

Aber man jammert halt, sucht sich seine Bestätigung und ist reflektionsfrei genug, dass man selbst auf die gleichen Mechanismen setzt, um exakt das gleiche zu bekommen: Aufmerksamkeit. Somit sind sie dasselbe wie der Bildblog: nichts weiter als eine Laus im Muttertier. (Danke, Henryk M. Broder)

Nochmal zur Ausstellung:

    Im Grunde kreist die Düsseldorfer Schau zwei Paradigmenwechsel ein. Im ersten Teil – von Benetton bis Helmut Lang - versammelt sie Werbestrategien, die den klassischen Marketingregeln widersprechen. Im Fachjargon heißt das "Reverse Psychology Marketing": Statt Produkte anzupreisen, fordern die Marken Intelligenz und Problembewusstsein der Rezipienten heraus, geben sie sich nicht als Verführer, sondern als Aufklärer.

    Um einen formalen Paradigmenwechsel geht es im zweiten Teil. Zielten die Neuerungen der neunziger Jahre auf das "Was" der Botschaft, wird derzeit das "Wie" des Weges zu den Konsumenten revolutioniert. Und der führt weg von den Massenmedien.


Mit dieser Beschreibung (Spiegel Online) ist die Grenze zur mentalen Masturbation überschritten. Da wird nicht selten Präpubertäres postrationalisiert. Naja, es scheint aber wohl einen Bedarf zu geben und wem das gefällt ... bitte sehr.

Die Ausstellung ist noch bis zum 26. August 2008 zu sehen.

Unwort des Jahres: Herdprämie

Um 10 Uhr war es soweit: das Unwort des Jahres wurde ernannt. Das Rennen machte mit der Begründung: "Das Wort diffamiert Eltern, insbesondere Frauen, die ihre Kinder zu Hause erziehen."

Unwort Herdprämie

Herdprämie


Die Meinung kann man haben, muss sie aber nicht teilen. Und auch völlig egal, denn was ist das schon gegen mein Lieblingswort des Tages? Kommunikationsguerilla. Das ist einfach herrlich. Gibt es eigentlich jemanden, der das nicht betreibt? Ach so, der Begriff ist nicht klar? OK, nehmen wir auszugsweise die Definition von wikipedia:

    Kommunikationsguerilla (auch Informationsguerilla, Medienguerilla) ist eine Form des Aktivismus (bzw. eine Gruppe oder Bewegung, die sich dieser Form bedient), bei der gezielt Information bzw. Desinformation eingesetzt wird, um Ziele zu erreichen. Dabei wird die klassische Guerilla-Taktik, die sich um möglichst effektive punktuelle Operationen bemüht, auf den Bereich von Information und Kommunikation übertragen. Man kann die Kommunikationsguerilla auch als eine künstlerische Strategie zur Subversion von Kommunikationsstrukturen oder eine kulturelle Instandbesetzung beschreiben. Verwandte Begriffe sind auch Adbusting und Culture Jamming.

Ne, klar, n paar Anglizismen müssen auch noch rein, auch wenn deren Verwandtheit nur postuliert, aber weder gentechnisch noch sprachlich nachzuweisen ist. Obwohl: Klone sind wohl auch im Falle einer Mutation miteinander verwandt. Naja, wie dem auch sei, gibt es nach der Definition überhaupt noch wahre Information? Oder hat das so- bzw. selbsternannte Informationszeitalter sich seiner selbst beraubt? Fiel auch diese dem alten Problem anheim: Die Revolution frisst ihre Kinder? Scheint mir so. OK. In diesem Sinne: R.I.P. Infoelite

Gold: Werbung - völlig behindert

Es ist immer wieder erstaunlich, wie Werbung funktioniert. Und im Grunde ist es ganz einfach. Man muss halt nur darauf kommen. Das Geheimnis ist wie so oft Leichtigkeit und Empathie, ohne dabei das Ziel aus den Augen zu verlieren. Während hierzulande Empathie oftmals mit Mitleid gleichgesetzt wird, zeigt die Kampagne von Leonard Cheshire Disability, einer Sozialeinrichtung für Behinderte, was es wirklich ist: Einfühlungsvermögen in andere.
Gold: Werbung - völlig behindertIn dem Fall sind die anderen wir "Gesunden", die wir ja in Wirklichkeit jenseits aller Lippenbekenntnisse gar keinen Bock haben, mit den Problemen von Behinderten konfrontiert zu werden. Könnte uns ja mal selber treffen, wollen wir also lieber gar nicht wissen. Statt nun aber eine Gutmenschensuade anzustrengen, wonach Behinderte ein Recht darauf hätten, dass mehr für sie getan werde, dass weggucken nichts helfe oder gar der völlig kontraproduktive Hinweis, es könne einen jederzeit selbst treffen (deswegen schaut man ja weg), kamen die Briten auf die Idee, etwas zu zeigen, wo jeder gerne hinschaut, was nett aussieht, was ich nicht direkt mit mir und meiner Angst in Verbindung bringe und schon bekommen sie ihre Botschaft rüber:

Change the way you see disability



Die ganze Kampagne gibt's hier.

Frauen sind dumm

Hin und wieder blicke ich auf das Onlineangebot der St. Pauli-Nachrichten der Werbebrangsch und dort auch gern auf das, was man dort "Kreation des Tages " nennt. Ich finde diese Rubrik immer sehr schön, denn Selektion und Diktion künden nicht selten von jenem esprit-freien Neo-Biedermeier, wie er arrivierten Germanistinnen zu eigen ist. Und auch diesmal wartet man dort wieder mit einem Kommentar auf, der mich grausen lässt und den Kohlhaas in mir hervorruft. Dürfte man das (was in den letzten beiden Sätzen steht) bei umgekehrten Geschlechterrollen sagen?

Männer Allein Daheim 2
    Normalerweise sind Anzeigen oder Trailer für TV-Sendung selten besonders kreativ oder gar witzig. Sondern meistens erfüllen sie den Zweck, für den sie geschaffen wurden. Sie informieren über neue Sendungen oder Staffeln und machen die Zielgruppe darauf aufmerksam. Dazu prangt groß der Sendetermin auf der Seite, dazu gibt es dann noch groß das Senderlogo und - wenn noch Platz ist - den Kopf des Moderators. Auch das Kabel 1-Motiv wartet mit einem großen Sendehinweis auf. Aber noch größer sind die verzweifelten Augen des kleinen Jungen. Gefangen in seinem Kinderwagen oder Stühlchen bleibt ihm nur ein Keks-SOS. Das also ist das Resultat, wenn Männer alleine zu Hause sind. Sich das anzuschauen, scheint es wert zu sein, suggeriert die Kampagne.


Aber die Kampagne suggeriert ja nur. Interessanterweise scheint es erwähnenswert zu sein, dass eine Kampagne suggeriert, dass das beworbene Produkt es wert ist, seiner Bestimmung nach genutzt zu werden. Ich freue mich schon auf morgen, wenn es heißt:

"Sich mit dieser Creme zu pflegen, scheint es wert zu sein, suggeriert die Kampagne." oder:
"Mit diesem Auto zu fahren, scheint es wert zu sein, suggeriert die Kampagne." oder:
"Dieses Blatt zu lesen, scheint es wert zu sein, suggeriert die Kampagne." Im Gegensatz zu

Das zu lesen, ist es anscheindend wert, suggeriert die Redaktion.

Clap, clap, clap - Applaus, Applaus, Applaus

Eine meiner Lieblinssentenzen für Bewerber lautet ja: Referenz schlägt Referat. Das ist gerade im Internet mit den Verlinkungen ja auch so usus. Aber ebensowenig wie richtige Nachrichten daraus entstehen, wenn Journalisten Journalisten interviewen, werden Blogs richtig über Blogs bekannt. Dazu muss man schon mal mediale Grenzen überschreiten.

In diesem Zusammenhang: verweise ich mit großer Freude auf das Magazins für Neugierige, Eitle und Schadenfrohe. In der aktuellen Ausgabe Clap 09/07 steht auf Seite 13 (Mitte rechts, Mitte) das.

Danke, Peter.

Geballte Kompetenz

Frank Herold
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Heiko Walkenhorst Wortführer
VerbAgentur
H. Walkenhorst auf xing

Gerold Braun
Direktmarketing Blog
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Torsten Matthes
Marketing - Projektmanagement - Text
Torsten Matthes auf xing


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