Der Neid der Saubermänner

Tiger WoodsSpazieren gehen. Ein Stöckchen schwingen. Einen Ball schlagen. In ein Löchlein tun. Wieder herausholen. Wieder schlagen. 18 Mal. Vier Tage hintereinander. Aber nur ein paar Mal im Jahr. Dafür Geld bekommen. Viel Geld. Viel Ruhm, Glanz und Ehr'. Viel Erfolg. Viele Frauen. Viele Unternehmen. (Sie dürfen kommen.) Wollen auch Ruhm und Glanz. Foto, Spruch, Logo. Noch mehr Geld. Jahrelang. Alle glücklich. Noch mehr Ruhm. Noch mehr Geld. Noch mehr Frauen. Tiger Woods: Man kann ihn als Mann nur beneiden.

Moral? Ist es moralischer, Tausende von Menschen arbeitslos zu machen, als mit Menschen einvernehmlichen, wenngleich außerehelichen Sex zu haben? Es scheint so. Es scheint so, dass da was ganz arg im Argen ist.

In drei Tagen war Tiger Woods bei Accenture Geschichte. Aber ich wette, seine Handynummer haben die Verantwortlichen immer noch. Wozu auch immer ... :-)

Bildquelle

Eine Felge für den Meister (oder: Erfolg trotz Werbung)

Die meisten Produkte brauchen Werbung. Ohne jetzt akademisch werden zu wollen, geht es meist darum, dafür zu sorgen, dass eine Marke und/oder ein Produkt respektive Dienstleistung Bekanntheit erlangt bzw. nicht in Vergessenheit gerät und dies auf eine Art und Weise, die den Konsumenten dazu bewegt, eben dieser Marke und/oder Produkt respektive Dienstleistung sein Vertrauen zu schenken und letztlich natürlich qua Kauf oder Spende sein Geld zu geben. Da das alle Marke etc. tun, ist es gar nicht so einfach, die richtige Kommunikation für sein Angebot (Marke/Produkt/Dienstleistung) zu finden. Wohl dem, der ein Produkt hat, dass so gut ist und so wenig Konkurrenz hat, dass es im Grund sch...egal ist, wie man dafür wirbt. Ein super Beispiel hierfür: Fußball.

Ab dieser Saison soll ja auch der Meister der 2. Liga eine Trophäe bekommen - gestern hat man sie der Öffebntlichkeit vorgestellt. Ich hätte gerne früher darüber berichtet, aber der Schock saß zu tief. Erst jetzt lässt die Sprachlosigkeit nach. (Im Falle der Regionalwerbung von 1899 Hoffenheim nimmt die Fassungslosigkeit immer noch kein Ende. Hier wird mit einem Bild der halbfertigen Arena geworben. Darauf steht in diversen Schriftgrößen: "Football is coming SinsHEIM!" ---- )

Markenkommunikation und Fußball scheint eine nie ganz glückliche Mischung zu sein. Sei es das WM-Logo 2002 (Ecstasy?), das WM-Maskottchen 2006 (Goleo, der Unten-ohne-Bär) oder das Maskottchen der deutschen Herren-Fußball-Nationalmannschaft "Paule", es gibt immer Anlass zu Diskussion. Die wird auch noch kommen, wenn sich rumgesprochen hat, dass der Tabellenerste von Liga 2 Ende Mai keine Meisterschaftsschale hochheben darf, sondern

eine Meisterschaftsfelge!


- exinnovatives 7-Speichen-Design, das es inzwischen bei jedem Automobilhersteller aufpreisfrei geben dürfte
- top-profaner Text "Meister der 2. Bundesliga"
- emotionsreduzierte Typografie
- funktionale Gestaltung, die mit Sicherheit vor Nachhaltigkeit schützt

Jetzt bin ich natürlich gespannt: Habe ich Recht - oder die Herren vom DFL? Ist eine Felge das Richtige für den Sieger einer Saison? Oder ist das vielleicht nur ein erster Schritt in ganz neue Kooperationen? Will die DFL dadurch die deutsche Automobilwirtschaft stärken, schließlich gibt es (noch) sehr viele Sponsoren aus diesem Sektor im Profifußball (u.a. Mercedes-Benz Nationalmannschaft, VW Wolfsburg, Ford Köln, Audi Bayern etc.)? Wird es in Zukunft noch mehr Tuningelemente als Preise geben? Simmerringe statt Medaillen? Kopfspoiler statt Lorbeerkranz?

Im Ernst: Wer diese Felge mit der Schale vergleicht, wird sehen, dass die Verantwortlichen versucht haben, dadurch alles richtig zu machen, dass sie möglichst viel kopierten. Kapiert haben sie nichts. Denn so richtig es ist, auch dem Verein, der nach Abschluss der Saison der 2. Bundesliga eine Trophäe zukommen zu lassen, um so auch diesen sportlichen Erfolg dinglich zu visualisieren, so grottenfalsch ist es, dies in Form eines Abklatsches des wirklich originellen Originals zu tun.
Die Schale wirkt so, als ob sie bei einem Goldschmied gefertigt wurde, bei der Felge sieht es eher nach einem Hinterhof in HongKong aus. Schade ... andererseits: Wenn der Verein, dem diese Felge überreicht wird im Folgejahr ähnlich erfolgreich agiert, kommt er ja in den Genuss und Besitz der wahren Meisterschale.


Tipp für alle, die wirklich werben müssen: Nehmen Sie sich daran kein Beispiel - Imitation ist schlecht fürs Image -, und Begehrlichlichkeiten weckt sie auch keine, es sei denn, Ihre Marke, Ihr Produkt respektive Ihre Dienstleistung ist auf dem heimischen Markt so beliebt wie die Fußball-Bundesliga.

Eine Idee, die begeistert

Man kann zu Fußball im Allgemeinen und 1899 Hoffenheim im Besonderen ja stehen, wie man will. Aber was passieren kann, wenn Hirn und Passion kooperieren, kann man aktuell auf der Fußball-Startseite auf www.faz.net sehen.



Und wen das Interview interessiert, das gibt es in der Printversion der FASZ auf S. 22 und hier .

Der deutsche Fußball will hoch hinaus

Unter dem Titel "Alpenabenteuer" wirbt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft der Herren für die EM, äh, falsch: wirbt Mercedes-Benz für die EM mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

Alpenabenteuer

Warum? Das erfährt man zwar auch hier nicht, aber man hat wieder was zu schreiben gehabt - und schließlich haben ja Bild und Mercedes dieselbe Agentur. Und damit du jetzt was zu sehen kriegst:



An Kuranyis Stelle hätte ich nicht mitgemacht. Schließlich war er auch 2006 in allen Spots vertreten, aber bei der WM saß er bekanntlich nur auf der Parkbank.

Kunde: Mercedes Benz
Agentur: Jung von Matt/Spree
Regie: Laszlo Kadar



Ein neuer Claim




Nach der Tour: Nike präsentiert seinen neuen Claim …
gefunden im großartigen Clap-Club

Doping für den Kopf

Doping ist ja momentan in aller Munde. Die Tour de France als großes Event zu diesem Thema macht aus diesem Sommer die Jahreszeit der Pharma-Industrie. Doch was muss ich mitten zwischen der Tour-Berichterstattung sehen?

Einen Werbespot für Haarshampoo. Mit dem Slogan "Doping für Ihr Haar". Ja geht's noch? Doping! Ein Wort, das momentan mit allem besetzt ist, was nur einen schlechten Beigeschmack verursacht: Lüge, Betrug, Gesundheitsgefährdung, unsportliches Verhalten. Und die wollen das auf ihr Produkt übertragen.

Wer soll das denn kaufen? Jan Ullrich?

Geile Leibchen gesucht

SPIEGEL ONLINE hat einen Aufruf zur Vermeidung von Brustringen gestartet. Oder habe ich da was falsch verstanden? Jedenfalls geht es darum, das Trikot der deutschen Herren-Fußball-Nationalmannschaft zur Europameisterschaft 2008 zu gestalten. Als (abschreckende) Beispiele hier die Kickerleibchen der WM 90, EM 96 sowie WM 06.



Entwürfe bitte direkt an die Redaktion

Marketing = Opportunismus?

Wie man eine Marke bekannt macht, zeigte Anfang der 90er die Telekom. Börsengang war das eine, Sportsponsoring das andere.

    Seit vielen Jahren zeichnet sich der Mobilfunkkonzern T-Mobile wie kaum ein anderes Unternehmen als Partner des nationalen und internationalen Sports aus. Dabei setzen die Bonner vor allem auf die Dynamik und Emotionen des Radsports.


Idee: Man nimmt sich eine an sich nicht unbeliebte Sportart, bei der es bis dahin wenig große Erfolge für die Menschen des primären Zielmarktes gab, und sorgt mit Finanzspritzen erstmal für Präsenz.

1991 war es soweit: Die Radsportmannschaft "Team Telekom" wurde gegründet und bereits im Folgejahr durfte man bei der Tour de France mitfahren. (Viel mehr Aufmerksamkeit geht kaum.)

1995 wurde Telekom trotz ordentlicher Frühjahrsergebnisse überraschend nicht zur Tour de France eingeladen. Erst nach hitzigen Verhandlungen wurde ein Rumpfteam zugelassen. Prompt rechtfertigte Erik Zabel mit zwei Sprinterfolgen die verspätete Zulassung des Teams zum wichtigsten Radsportereignis der Welt.

Klar waren damals in der Presse erstmal die Organisatoren Schuld, es wurde ein wenig Historie eingewirkt, was aber blieb, war: zu schlecht. Da stellt sich für einen Sponsor natürlich schon die Frage, ob sich ein Engagement unter den Umständen weiter lohnt. Zwei Sprintsiege von Erik Zabel glätteten die Wogen, stillten aber nicht den Hunger nach mehr als Ruhm.

Der stellte sich in den beide Folgejahren ein: nach der Ära Indurain und vor der Ära Armstrong gab es die Tour-Siege von Riis und Ullrich - und alle, alle, alle waren froh. Und jetzt?

Team TelekomDie Zeiten haben sich geändert. "Erfolg um jeden Preis" ist nicht mehr auf der Agenda. Erfolg muss jetzt sauber sein (wobei "sauber" so definiert ist, dass man den Schmutz nicht sieht).

Klar positioniert man sich jetzt erstmal als Saubermann. Das verspricht aktuell den größtmöglichen Erfolg. Wenn sich die Meldungen aber wieder in den Sportteil verlagern und dort dann das böse Wort vom "Besenwagen" die Runde macht, dann hat man endlich allen Grund, selbstverständlich mit dem größten Bedauern, aber im Hinblick auf das selbstredend: nachhaltige Image der Marke, nicht mehr auf die Dynamik und Emotionen des Radsports als vielmehr die Dynamik und Emotionen der Märkte zu setzen.

Kommt nun doch die T-Mobile Fußball-Bundesliga?

Geld wäre ja dann da - und gewiss ließe sich dieser Sport stärker nutzen, wenngleich es dafür weniger Hitzfeld und Mourinhos als vielmehr Wengers und Schaafs bedarf, um die Sparte zu pushen, wo die Telekom grad so gar nicht in Fahrt kommt: dem Festnetz.

Die Siegerin heißt Victoria

Nein, nein, jetzt kommt nichs (Halb-)Gebildetes zur Namensgebung (obwohl die TopTen der aktuellen Top 200 gewiss eines Kommentars bedürften, aber tut hier jetzt nichts zur Sache). Es geht hier um einen Markenstreit, den ich beispielhaft für das finde, was im "normalen" Wirtschaftsleben leider gang und gäbe ist.

Da kommt ein renommiertes Unternehmen (nennen wir es mal "Real Madrid") auf die Idee, einen renommierten Product Manager (z. B. "Fabio Capello") zu holen, der die komplette Range ("das weiße Ballett") der Markenartikel neu positionieren (aufstellen) soll. Der Product Manager schaut sich dann erst einmal alles an. Platziert den einen mal hier, mal da, den anderen (z.B. "Becks") droht er damit, ihn ganz aus dem Sortiment zu nehmen.

Ein anderes Unternehmen, das keiner kennt (wie wär's mit "L. A. Galaxy") denkt sich: "Frei? Geil! Nehm' ich. Sofort. Für immer." Und kauft die Marke. Der Product Manager, dem es ja angeblich nur um die Unternehmensmarke geht ist sauer, und macht seine Drohung wahr. So steht Becks nicht mehr im Regal ("Aufgebot"). Schlimmer noch, er erweitert sie auf andere Marken ("Ronaldo"), weil es ihm ja nur um die Marke geht - und die heißt "Capello". Prosit ...

Real Madrid ist ein Wirtschaftsunternehmen, kein bloßer Sportverein. Die 37,5 Mio. €, die der Club 2003 als Ablöse für David Beckham an Manchester United zahlte, hatten sich binnen Stunden durch den Verkauf von Trikots mit der Nummer "23" amortisert. Da hätte man sich ja mal seitens des Unternehmens anders verhalten können, als einen Italiener zu holen, damit der bei den Spaniern die Ausländer ausmistet, aber gewiss wollte man sich bei den Spitzen der Weißen nicht schmutzig machen ...

Gewonnen hat die Managerin von "Becks", die die Ideenlosigkeit der Madrilenen ausgenutzt und den Deal mit den US-Amerikanern eingefädelt hat. Das ewige Spice-Girl ist einfach eine wunderbar geschäftstüchtige Frau, von der es viel zu wenig heutzutage gibt. Sie alles gibt, wa sie hat, und von deren Einsatz und Willen profitieren, wie es sich klassisch gehört:

sie, ihr Mann und die drei Kinder
(auch zu deren Namen sag ich nichts).

Schuss mit Links

Ich weiß noch nicht, ob wir daraus eine Reihe machen werden, aber es böte sich an: Homepages von Sportlern im allgemeinen und Fußballern im Besonderen.

Da gibt es höchst interessante Unterschiede. Zum einen sind da die von Sponsoren gehosteten Internetpräsenzen, wie beispielsweise die von Oliver Kahn und Michael Ballack , die beide unverhohlen wie unpersönlich kommunizieren, dass man dort also nur Informationen über, nicht aber von dem Spieler bekommt. Als Beispiel dazu möge der jahreszeitlich bedingte Grußtext dienen:

In der englischen Liga ruht der Ball über die Feiertage zwar nur ganz kurz, aber trotzdem möchten das Webteam von 7DC und Michael Ballack allen Besuchern ein frohes Weihnachtsfest und ruhige, besinnliche Tage wünschen. Lasst euch reich beschenken!

Die Winterpause hat begonnen, der Ball ruht und die Spieler und Mannschaften haben sich in den wohlverdienten Winterurlaub begeben. Das Webteam von 7DC und Oliver Kahn wünschen euch ein frohes Weihnachtsfest und angenehme und ruhige Feiertage. Lasst euch reich beschenken!

Na? Which's whose?

Ganz anders dagegen die von Frank Rost, die doch schon den Eindruck erweckt, sie werde von ihm selbst gepflegt. Auch hier die entsprechenden Zeilen:
Ich wünsche Euch, Euren Familie und Euren Freunden – auch im Namen meiner Frau Susann und meiner Kurzen Elisa Annabel - ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest sowie ein Jahr 2007 voller Zufriedenheit, Spaß, Spannung und Gesundheit.
Auch ein eigenes Logo ist da zu finden, schon mal nicht soo schlecht ...

Unerreicht aber ist die Seite, mit der Moritz Volz aufwartet: Zugegeben, vom Design her ist sie nicht gerade state-of-the-art, aber in puncto content schon sehr außergewöhnlich, weil nicht nur informativ, ohne dabei Wikipedia Konkurrenz machen zu wollen, sondern vor allem selbstironisch. Wenn auch nicht wirklich super kreativ, so doch wohltuend anders, situativ, WYWIWYG. Und sobald er das Spiel mit dem Ball so gut beherrscht wie das Spiel mit den Klischess (HÖRT sein Intro) wird er gewiss bald ein zweites Mal ins Nationalteam berufen ....

Geballte Kompetenz

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