Politiker als Werbetexter?

Im Strafgesetz stehen Strafen.
Im Bürgerlichen Gesetzbuch stehen die Regeln des Miteinanders der Bürger.
Im Handelsgesetz stehen die Regeln für die, die Handel treiben.

Das ist jetzt akademisch nicht 100% korrekt, aber ist auch egal, der Name des Gesetzes macht jedermann klar, worum es inhaltlich geht.

Das ist beim Prostituiertengesetz auch so, wenngleich das wohl die erste Übung der Bundesregierungsjuristen war, etwas mehr Pepp in das Ganze zu bringen. Beim Titel gelang das noch nicht, dafür in seiner Abkürzung: ProstG. (Sehr hübsch. )

Dann jetzt wollten Sie wohl auch einen Kreativpreis für den Titel gewinnen und haben das "Wirtschaftsbeschleunigungsgesetz" beschlossen. Was ist das denn?
Ein Gesetz, das der Wirtschaft sagt, dass sie sich beschleunigen soll? Kann ja nicht sein. Vielmehr wollen die Damen und Herren damit wohl suggerieren, dass hier ein Gesetz vorliege, das die Wirtschaft beschleunigen könne.

Aber ist das wichtig, die Wirtschaft zu beschleunigen? Denn: Man kann ja viel über die Wirtschaft der letzten Monate sagen, aber nicht, dass sie langsam war.

Wäre es nicht besser, die Wirtschaft zu beruhigen? Oder wenn es "Erholung" und so etwas wie Neubeginn eines Aufschwungs kommunizieren soll, das Ganze "Wirtschaftsankurbelungsgesetz" zu nennen?

Andererseits, ist es nicht das eigentliche Ziel aller Wirtschaftsgesetzgebung, die Rahmenbedingungen für Wachstum und Wohlstand zu schaffen? Wahrscheinlich dann doch eher nicht. Denn wie sonst wäre es möglich, nur ein Gesetz so zu nennen, wenn es eigentlich auf alle zutrifft?

Irgendwie ein noch viel schönerer Beweis als Opel, dass die deutsche Politik nichts von Wirtschaft - und schon gar nichts vom Werbetexten - versteht.

Ausgezeichnete Wahlwerbung

Es will ja so gar kein Wahlkampf aufkommen. Wer dachte, das, was da zur Europawahl erschien, war nur deshalb so (gähn) wie es war, weil man sich die großen Kracher für die Bundestagswahl aufheben wollte, sieht sich getäuscht. Allenthalben Langeweile, die zumindest als "Programmwolken" ansehnlich sind. Es sei denn, man schaut genau hin. Einige Perlen sind schon dabei - und diese würden wir gerne (symbolisch) auszeichnen.

Der Preis für den schönsten Claim


... geht an die Piratenpartei. Ihr Claim

    "Klarmachen zum Ändern."

ist einfach ein hübsches Wortspiel. Klar, es sagt nicht, was genau geändert werden soll, aber warum sich um Inhalte scheren? Letztlich will die eh niemand (egal, was wer sagt). Es ist einfach mal cleverer, als der Verweis darauf, dass "Deutschland" wahlweise "Unser Land" mehr oder es (?) besser kann.


Der Preis für Gutgemeint, aber mehr auch nicht


... geht an die Christdemokratische Union Deutschland. Ihr

    "Wir haben die Kraft"

erinnert an einen Mann mit viel Muskelmasse, aber wenig Hirn. Er hat auch die Kraft, etwas zu bauen oder zu zerstören, aber zumindest bei ersterem muss man ihm sagen, wie er bauen muss. Ein Architekt hat nicht die Kraft ein Haus zu bauen, aber er weiß, wie es geht, damit es funktioniert und stabil bleibt. Als was sieht sich nun die Partei der Kanzlerin: Planer, Gestalter? Oder Maurer und Gipser?


Der Preis für maximale Glaubwürdigkeit und Transparenz sowie Ausschluss der Wahllüge


... geht zweifelsfrei an die Partei "Die Linke", da sie den Machttrieb von Parteien ("Wichtig ist nicht, was gesagt wird. Wichtig ist, dass man gewählt wird.") in ihrer Kampagne wunderbar kommuniziert:

Reichtum für alle Reichtum besteuern

Hach, welche Wohltat. Bei der Partei des SEDPDSWASG-Namenswandels soll jeder reich sein, um ihn dann als Reichen besonders besteuern zu können.

Das ist vielleicht nicht jedem so ganz einsichtig, aber hat es jemals eine Partei geschafft, vor der Wahl 100% auszuschließen, dass sie ihr Versprechen nicht einhält? Man muss halt nur einfach alles versprechen. Die Chuzpe muss man nur mal haben, es so deutlich zu tun. :-)

(Wenn Sie auch was haben, her mit - oder bei sich bloggen.)

Ramsauer kritisiert "Verschlämmerung" der Politik

Es ist so weit. Horst Schlämmer hat selbst schon in den Sprachgebrauch der Politiker Einzug gehalten. Jetzt kritisiert Spaßbremse Peter Ramsauer ihn aufs Schärfste.

VerschlämmerungNewsroom.de berichtet:
    Er habe kein Verständnis dafür, dass Politiker durch "irgendwelche Komparsenrollen in eigenartigen Filmen" nach Aufmerksamkeit haschen, sagte Ramsauer der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Donnerstag.

Ramsauer meint, dass Politik sich aufgrund ihrer Komplexität nicht reduzieren lasse. Jetzt könnte man eventuell einwenden, dass diejenigen, die es nicht schaffen, ihre komplexen Botschaften auf verständliche Art zu kommunizieren, auch in der Politik an Boden verlieren. Vielleicht ist das eins der Probleme von Ramsauer und seiner Partei.

Oder vielleicht sogar aller Parteien? Horst Schlämmer zumindest schafft es, kommunikativ ein großes Publikum zu erreichen. Laut einer Stern-Umfrage käme Schlämmer ja im Falle der Wahl auf beachtliche 18 Prozent, ein Wert, von dem Guido Westerwelle einst laut träumte. Für einen, der aus dem Nichts startet, sicher ein beachtlicher Wert.

Ramsauer jedenfalls meckert:
    "Bei der Verschlämmerung der Politik bleiben Inhalte auf der Strecke und dazu sollten Politiker nicht auch noch beitragen... Wer Spaß haben will, geht in den Zirkus, ins Kino oder in das Kabarett. In der Politik hingegen ist Ernsthaftigkeit gefragt..."

Jetzt wissen wir wenigstens, wer zum Lachen in den Keller geht. Wer es als Politiker nicht schafft, auch einmal über sich selbst lachen zu können, zeigt immerhin seinen Charakter. Wie die Wähler das beurteilen, werden wir noch sehen.

So oder so: schön ist die Wortschöpfung "Verschlämmmerung" ja schon. Das hat so was von "Verschlammung", von üblen Machenschaften und Undurchsichtigkeit. Passt also schön zu "Politik".

Wahl-Wolken

Max Kossatz von wissenbelastet.com hat mittels Wordle die Wahlprogramme 6 deutscher Parteien in entsprechende Tag-Clouds gepresst.
Eine ganz wunderbare Idee.

SPD


CDU/CSU


FDP


Grüne


Linke


Piraten


Warum sich quälen? Geh nicht wählen!

Es wäre ein schönes Projekt: Man gründet eine Partei, die im Grunde nur einen Programmpunkt hat: Wer will, kann alles so lassen, wie es ist, oder er wählt die Variante "fester Arbeitsplatz und gesetzlich garantierte Lohnsteigerung von 10% jährlich - gegen Abgabe des Wahlrechts."

Vielleicht finden sich dafür ein paar Mitstreiter. Das wäre doch sehr originell. Auf jeden Fall origineller, was einem zur Europawahl geboten wurde. (War ja auch ohne HSP, die Horst Schlämmer Partei.) Jedenfalls wäre so eine Aktion etwas kreativer als diese:



Kopiert aus den USA, wo sie so aussah:



Und wie sie aufgelöst wurde, erfahren Sie, wenn Sie hier:
"Warum sich quälen? Geh nicht wählen!" vollständig lesen »

Die Qual der Wahlwerbung (alle Spots!)

Europa blickt und interessiert eh keine Sau. Warum sich also kreativ für so was ins Zeug legen?

Am 7. Juni ist Europawahl - und man ist geneigt zu fragen: Na und?

Und dabei ist es ganz gleich, ob eine Zahl nahe am Gefrierpunkt oder weit über dem Siedpunkt von Wasser den eigenen IQ ziert, wer weiß denn wirklich (eigentlich auch ein schöner Pleonasmus: wirklich wissen), worum es da geht und wer für was steht. Auf dem wahl-o-mat Europa kann man ja mal sehen bzw. einen Eindruck von dem bekommen, worum es unter anderem geht und gleichzeitig testen, mit welcher Partei man die größte Übereinstimmung hat.

Oder man entscheidet dann doch a) so wie immer, b) aus dem Bauch heraus oder nach der Kreativleistung der einzelnen Parteien. Der Wahlticker machte sich die Mühe, eine Liste mit den Fernsehspots zur Europawahl zusammenzutragen.

Wer sie sehen will, kann das bei uns tun. Einfach klicken ...
"Die Qual der Wahlwerbung (alle Spots!)" vollständig lesen »

Geballte Kompetenz

Frank Herold
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Heiko Walkenhorst Wortführer
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Gerold Braun
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