Werbung für etwas, was mir normalerweise völlig egal ist.

Kochduell, Kocharena, Das perfekte Dinner, A kocht, B brutzelt, C tischt auf - ich kann es nicht mehr hören. Als ich mich während des Literaturstudiums, ehedem, gefühlt kurz nachdem der Strom erfunden ward, Theaterstücken annahm, war ein Zeichen niedriger Stände das konsequente Thematisieren von Essen. Sie hatten keine Themen. Sie waren weder willens noch mächtig, sich ihren Problemen zu stellen oder Verantwortung zu übernehmen.

Durch die völlige Konzentration auf das Naheliegendste und etwas sehr Instinktivem gelang es den handelnden bzw. gerade nichthandelnden Personen, alles, was sie aus ihrer Lethargie oder auch selbstverschuldeten Unmündigkeit hätte herausreißen können, zu ignorieren. Wie gesagt: ehedem. Und heute? Heute ist alles medialer, reihenhaus-ästhetisiert, aber inhaltlich hat sich nichts geändert.

Ja, auch ich esse gern. Aber rede ich darüber, dass und wie ich atme? Ebenfalls eine Selbstverständlichkeit, die keiner näheren Erläuterung oder Beschreibung bedarf. Das KOI schon.

Dorthin ward ich eingeladen, und es war phantastisch, denn wir hatten das wirklich schöne Restaurant ganz für uns alleine - und das haben die Besitzer wahrlich nicht verdient. Deswegen rufe ich hier alle auf, die mal weggehen wollen in Mannheim: Geht! Ins! Koi! Zum Essen. Zum Trinken. Und wenn man will auch: Zum Tanzen.

Das Besondere an diesem Restaurant ist aber nicht nur das Interieur, obwohl es wirklich wenig Lokalitäten gibt, bei denen man sich während des Essens ausstrecken, sich geradezu hinfläzen kann. 10 Gänge erwarten einen; alle erhalten dasselbe (für Vegetarier gibt es ein Extra-Menü); alles in einer Form und einer synästhetischen Vollendung, die weit über ein dämlich Schnittlauchgespränkel am Tellerrand hinausgeht. Nein, nein, das ista lles sehr, sehr geschmackvoll.

Warum waren dann so wenig da? Nun, es hatten mehr reserviert, die dann doch absagten. Würde der Chef nur noch reservieren, wenn einer seine Kreditkartennummer hinterlässt, die er dann zumindest mit 50% belasten könnte, würden weniger absagen. Andererseits vielleicht aber auch weniger reservieren. Obwohl: Am Preis kann es nicht liegen. 49 € ist mehr als anständig für

Amuse bouche: Avocado-Lachs-Bruschetta - Suppe von Hokaidokürbis mit Munbohnensprosse und Wasabi - Salat von roten Linsen mit Schafskäse und eingelegten Tomaten - Gefüllter Sesam-Pfannkuchen mit Pangasiusfilet - Rote Bete mit Kokos-Pepronihaube - Holunderbeerensorbet mit Ingwer
Hauptgang: Lammrücken auf Fenchel-Tomatensugo - Wirsing gefüllt mit Reis Shitakepilzen und Hirschschinken
Dessert: Weintrauben-Birnendessert unter Espresso-Ricottahaube - Winzerkäse an gekräutertem Apfel

Und auch der Wein war alles andere als ein Kostentreiber. Woran also lag's? Liegt es daran, dass man pünktlich sein muss/sollte?

Nun, bei den Fresszelten, die jetzt wieder allenthalben errichtet werden klappt es ja auch. Dort allerdings wird den Menschen ine Show geboten, so dass Sie sich wieder über nichts anderes als das Offensichtliche unterhalten können. Im KOI muss man das Gott sei Dank nicht, sondern hat genug Zeit, sich wirklich miteinander zu unterhalten.

Und wenn man dann nach gut und gerne dreieinhalb schnellen Stunden sich kaum mehr bewegen kann, man nur noch mit Mühe seine Schuhe wieder anziehen kann (damit darf man nicht aufs weiße Leder), kann man noch im dazugehörigen Club n Absacker zu sich nehmen. Der Eintritt ist für Gäste des Restaurants frei.

Wer also mal lieber essen gehen will statt essen zu schauen: N 5,2 in Mannheim.
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