Die neue "Celebrity"

Ehre, wem Ehre gebührt - dachte ich mir, als ich die Gelegenheit hatte, das erste Mal in meinem Leben einer Schiffstaufe beizuwohnen.

Das größte jemals in einer deutschen Werft gebaute Schiff, das Ende Juni seine Geburtsstätte verlassen hatte, wurde am 29. Juli im historischen Hafen von Southampton (Sie wissen schon: Titanic), die Celebrity Equinox getauft.

(Quizfrage für unsere Freunde, bei denen RTL II bei der Fernbedienung auf der 1 steht: Auf welchen Namen?)

Celebrity Equinox

Sie ging dann bis zum 31. Juli, meinem Geburtstag, auf eine kleine Jungfernfahrt zu den Kanalinseln und zurück. Das war schon sehr schön a) so gegen Mitternacht (Durch die Zeitverschiebung hatte ich Steuerbord Geburtstag, während ich Backbord noch eine Stunde darauf warten durfte. - Eine kleine Extravaganza, die mir auf der Celebrity das Gefühl einer Celebrity verlieh, wer hat das schon?) und b) auf dem Schiff selbst, denn bestätigte es mich doch in meiner Überzeugung


Und Celebrity Cruises hat es ...

Wer sich wirklich erholen will - und über das nötige Kleingeld verfügt - der ist hier an Bord richtig. Sein ganzes Auftreten ist Entspannung, wenngleich ich Spa-Bereiche mit höherer Ausstattung auf hoher See kenne. In der ganzen Ausstattung ist nichts, aber auch gar nichts Schrilles. Obwohl es ein amerikanisches Schiff ist, mutet es durch und durch britisch an, ein Eindruck, der durch das Oberdeck unvergesslich manifestiert wird: 2000 Quadratmeter echter Rasen. Großartig.

Besonders charmant war die Feststellung, dass er auch auf internationalen Gewässern wie ein englisches Grün gepflegt wird, so dass daraus keine Weide wird, dafür eine Augenweide bleibt: Er wird gesprengt, regelmäßig gemäht, gewalzt (Also alles, was man zuhause auch tun sollte, aber wozu der Deutsche in dem Maße nicht so genetisch disponiert zu sein scheint.) und bespielt. Es gibt kein "No trespassing"-Schild. Kein "Eltern haften für Ihre Kinder" - was wohl daran liegt, dass es keine Kinder an Bord gibt. Auch mal sehr wohltuend.

Dafür gab es dem Anlass gemäß viele Menschen in feinem Zwirn. Smoking respektive Galakleid waren angesagt und seitens der Reederei auch angefragt. (Überhaupt ist es unglaublich, wie viele Klamotten man auf so einen Kurztrip tragen kann. Bisweilen artet das in Stress aus, andererseits kann man sich aber auch den ganzen Tag in den Jacuzzi an Deck legen, dazu braucht man nichts weiter außer gewöhnlicher Badebekleidung. Selbst Liegen und Handtücher gibt es en masse.)

Die Verantwortlichen seitens der Reederei sowie der PR-Agentur standen jederzeit Rede und Antwort. Es gab eine Führung auf die Brücke (seit dem 11. September an sich kategorisch ausgeschlossen), eine Führung durch die Küche, wo auf einer Kreuzfahrt rund 30 Tonnen Fleisch verarbeitet werden (Ganz zu schweigen von den Mengen an Reis, Nudeln, Kartoffeln, Fisch, Obst, Milch, Salat), mit einem wunderbaren chef, der die Qualität seiner Küche mit Worten voll rheinischem Witz beschreibt: "Unsere Gäste kommen als Passagiere - und gehen als Cargo."

Und womit noch? Mit Recht! 40 Stunden an Bord, 4 Pfund Zunahme? Problemlos möglich ...

Doch auf wenn dieses Schiff Maßstäbe setzt, es ist nur eines von vielen auf dem Markt. Und es werden immer mehr. Allein in diesem Jahr stehen noch zahlreiche weitere Schiffstaufen an (und keine Ahnung, ob ich noch zu einer eingeladen werde). Und auch in der Zeit danach wird das Angebot auf dem Markt größer. Das heißt: Immer mehr Schiffe buhlen um immer mehr Passagiere.

Das Potential in Deutschland ist zweifelsohne da, denn noch ist das Interesse an einer Kreuzfahrt eher gering. Für die einen ist es was für die Alten, den anderen ist es zu steif, wiederum andere vermuten, dass es, wenn man tagelang auf See ist (was ja an sich nicht stimmt, denn es ist ja wie eine Busreise von Hafenstadt zu Hafenstadt - nur eben dass der Bus ein schwimmendes Mehrsternehotel ist), furchtbar langweilig wird (ganz im Gegenteil zu einer völlig spannenden Hotelanlage mit verknapptem Liegenangebot und Morgenbegrüßungstanz :-).

Es ist also noch viel Aufklärungsarbeit in diesem Markt zu leisten. Und auch in puncto Markenprofilierung wird sich in diesem Segment einiges tun.

Bisher ist es wohl nur AIDA gelungen, ein eigenes Profil zu entwickeln. Ob Ihnen es heute noch so recht ist, als "Das Clubschiff" gesehen zu werden? Zumindest der Wettbewerb dürfte sich über das Engagement gefreut haben, denn mit dieser Positionierung gelang es doch, Kreuzfahrten das klischeeige Traumschiff-Image zu nehmen und so zumindest Neugier bei bisher nicht erreichten Zielgruppen zu wecken.

Nun liegt es an ihnen, dieses Interesse für sich und ihre Marke zu nutzen. Bisher pushen die Anbieter. In ihrem Kommunikationsmix spielen bisher PR und Vertriebsmarketing die Hauptrollen. Aktuell versucht nur MSC ein bisschen zu pullen - mit Sport-Sponsoring (Bayern München) sowie zum Teil den 5-Sekünder vor der Tagesschau. Für eine klare Positionierung und eine gezielte Nachfrage dürfte das zu wenig sein, vor allem, wenn dann am POS die Konkurrenz an der Scheibe klebt. Und so setzt man derzeit halt auf Gewinnspiele, um die Menschen gezielt auf ein Schiff zu kriegen. Dort wird dann aber bislang versäumt, eine Markenloyalität aufzubauen bzw. zu vertiefen, um das Potenzial der Mundpropaganda voll auszuschöpfen.

Aber auch das wird sich ändern - und dann wird man nicht mehr nur in der Fachpresse von den Anbietermarken und nicht mehr von nur "Kreuzfahrt" sprechen. Schließlich bringen Sie alle Anbieter von A nach B nach C nach A. Die Frage ist nur: Besser als auf der Celebrity Equinox?
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