Was ist eigentlich ... Transparenz?

In unserem Werbe-Kolleg nahmen wir uns ja bisher stark werblicher Begriffe an wie Marketing, orchestrierte Kampagne, Lead Agentur, 360°-Kommunikation, Gendermarketing, Social Media und so weiter. Heute möchten wir dieses Spektrum etwas erweitern und einen Terminus beleuchten, der sich zumindest in der (Medien-)Gesellschaft größter Beliebtheit erfreut, der aber leider gar nichts bringt: Transparenz.

Transparenz

Natürlich bedient man sich auch in der Unternehmenskommunikation gerne dieses Begriffs, weil man glaubt, damit Gutes zu tun und den Anforderungen einer aufgeklärten Gesellschaft zu entsprechen. Das ist natürlich Kokolores, was spätestens dann offenbar wird, wenn man sich überlegt, was das eigentlich ist. Unserer Ansicht nach lässt sich dieses Schlagwort wie folgt definieren:

Transparenz ist Informationspornografie.


Niemand will wirklich alles wissen. Und wenn, dann nur mittels einer Wissensofortimplantationstechnik, aber sonst? All das Lesen, das Verstehen, das Nachvollziehen, das Einordnen von Informationen, das will doch niemand. Alle Welt will nur, dass alles läuft, gut ist und funktioniert. Und wenn nicht, will man eine Erklärung. Sonst doch nicht. Sonst verlangt man nach Transparenz, wenn man sich selbstständiger TV-Journalist nennt und Beiträge braucht, die man dramatisch inszenieren und in den entprechenden Formaten verhökern kann.

Es gibt/gab im Fernsehen eine Sendung mit dem "schwarzen Magier", in der viele Zaubertricks erklärt wurden. Was hat es gebracht? Nun weiß ich zwar, wie der ein oder andere Trick funktioniert, aber ich habe die Lust daran verloren. Ich weiß etwas, was ich nicht genießen kann. Wer geradezu taliban (ich stelle hiermit den Antrag auf Titelschutz, dieses Wort als Adjektiv zu benutzen), also wer geradezu taliban Transparenz fordert, fordert das Ende des Genusses, der Reizes. Dafür sieht man alles ganz genau, weiß alles bis ins kleinste Detail. Wer aber gerne Sex hat, will den Akt der Kopulation nicht unbedingt in aller Porentiefenschärfe sehen.

Seien Sie also bloß nie transparent.
Erklären Sie, wenn Sie müssen. Aber besser: Sorgen Sie dafür, dass Sie nie erklären müssen und falls doch, nie in Erklärungsnot kommen. Schließlich gibt es Schöneres, in dem Sie sich aalen und in Schwällen ergießen können, als Reden und Suaden.
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