"Die Baaaand!"

Es gab eine Zeit, da wusste jeder, worauf die Überschrift anspielt. Aber da mir Cheffe ja stets und ständig vorwirft, dass mich keiner versteht, will ich mal nicht so sein, und es zeitgemäß erklären:

Sie bezieht sich auf die Geschichte von zwei ungleichen Brüdern, die, nachdem der Jüngere seine Haftstrafe abgesessen hat, gemeinsam versuchen, wieder Fuß in der Gesellschaft zu fassen. Diese Aufgabe stellt sich schwieriger dar, da sie nicht die nötige Unterstützung erfahren. So starten sie ihre eigene Resozialisierungsmaßnahme, wobei sie sich intensiv mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinandersetzen, Konflikte nicht scheuen, und trotz vieler Widrigkeiten letztlich zurückfinden zu ihrer großen Liebe, der Musik: "Blues Brothers".

Auch wenn der Film nicht 1:1 auf die Neuzeit übertragbar ist, ist es doch immer noch so, dass neben dem Sport es die Musik ist, die vielen Menschen die Möglichkeiten gibt, den Bereich ihrer Primärsozialisation zu verlassen. Dafür muss man nicht unbedingt in einer Haftanstalt gesessen haben, ja: genau genommen, nicht einmal in einer Lehranstalt, die Musik macht es möglich.

Doch bei aller Liebe zur Musik und bei aller Sehnsucht vieler Menschen, ihr Glück in der Musik suchen, haben nur die wenigsten die Traute haben, ihr Glück auf Bühnen zu (ver-)suchen. Sei es eine kleine in irgendeinem Schuppen, wo man vielleicht auch beides spielt, z. B., wie im Film, "Country" und "Western" oder aber moderner "Hip" und "Hop" oder "Drum'nBass", oder eine glamourösere im Fernsehen (Castingshow), die Orte, wo diese Sehnsucht noch immer am häufigsten zum Ausdruck gebracht werden, sind Orte mit wenigen Zuschauern: Dusche, Auto, Joggingstrecke.

Klar, der moderne Mensch ist allein und (daher) online. Aber da das Bedürfnis nach Gemeinschaft dem Menschen innewohnt, kann er dank "Sozialer Medien" auf real-soziale Menschen verzichten. "Social Media" ermöglichen ihm, "Freunde" zu haben, die er noch nie dreidimensional wahrgenommen hat, "Kontakt" mit ihnen aufzunehmen, obwohl er außer "Herz4" keinerlei persönliche Informationen besitzt, und zu "chatten" in einer Sprache, die keine Worte braucht ("lol") - und das, ohne sich dabei anziehen oder gar waschen zu müssen. (Wäre ja mal interessant zu erfahren, ob sich die intensive Nutzung von Facebook und Skype etc. negativ auf die Abverkaufszahlen von Hygieneartikeln ausgewirkt hat. Egal ...) Ne tolle Sachen, diese Medien ..

Und jetzt lässt sich all das kombinieren - mit einer weiteren Anwendung, die das Verweilen in den eigenen vier Wänden unterhaltsam legitimiert und einem dabei doch das Gefühl gibt, was "Kreatives" zu tun, mehr noch: aktiv, noch mehr: interaktiv zu sein: Jam with Chrome.

Jam with Chrome

Wie aus dem Bild ersichtlich handelt es sich um keine Marmelade mit glanzpolierter Spiegelfläche, sondern um ein neudeutsch Tool, mit dem sich mit anderen Musik machen lässt, wobei, und das ist das sowohl Schöne als auch Typische an diesen Tools: Man muss weder das Instrument spielen können noch die physische Anwesenheit der anderen ertragen. Gerade Letzteres ist entscheidend, denn nur dadurch unterscheidet sich das Ganze vom Kindergarten, wo ja auch gerne andere, die oftmals seltsam angezogen sind, abgespacet wirken, irgendwas unverständlich vor sich hinbrabbeln, während sie sowohl motorisch als auch gruppendynamisch unkoordiniert mit was auch immer Töne erzeugen. Sie "jammen". Aber halt alle in einem räumlich bestimmbaren Raum. Im Kindergarten. Nicht so im Internet. Hier klingt das nur so (an). In Ermangelung von Alternativen sitzen die Leute nicht allein und dusselig gelangweilt und frustriert zu Hause, nein: Sie haben Freiraum.

Brüller.
Egal, Jam with Chrome ist ein Füller. (Und so ganz nebenbei eine clevere Idee des Browser-Anbieters :-)

Und wer weiß, vielleicht kriegt ja wer tatsächlich die Band bzw. ein Band hin. Wir sagen jetzt schon "Awesome, Alder! FU"
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