Die letzten Machos: Unternehmen

Neulich erlaubte ich mir, bei einer Präsentation folgendes Szenario zu entwickeln:

„Vergessen wir einmal, wo wir hier sind. Wir sind nicht in einem Konferenzraum mit Kaffee und Keksen, wir sind in einer angesagten Lounge mit angenehmer Musik und leckeren Getränken.“

„Sie“, dabei wandte ich mich an die Damen in der Runde, „sind mit ihrer Freundin unterwegs und sind da halt so. Plötzlich nähert sich Ihnen ein klassischer Macho. Schon wie er breitbeinig und langsam durch den Raum schreitet, sorgt auch für Ihre Aufmerksamkeit.

Sie schauen hin, und der Macho geht seines Weges direkt auf Sie zu. Er ist durchaus attraktiv, er hat ein gepflegtes Äußeres und ein akzeptables Lächeln. Mit einem souveränen „Hallo“ spricht er sie an und fährt dann unvermindert fort, Ihnen seine Vorzüge anzupreisen. Auszugsweise klingt das dann so:

„Ich habe Geld, ein tolles Auto, großes Haus und großes Herz sowieso. Ich spreche mehrere Sprachen, rieche gut, bin toll im Bett, liebe Kinder und Tiere und spende regelmäßig was für einen guten Zweck.“

Am Schluss legt er Ihnen seine Karte auf den Tisch und fordert Sie auf, ihn anzurufen.

Ein letztes Lächeln. „Ich freue mich auf Ihren Anruf!“ Und tschüss ...

Ich fragte die Herren, ob das ihre Strategie wäre und die Damen, ob sie ihn, der mit keinem Wort die Unwahrheit gesagt hat, anrufen würden.

„Falls nicht,“ fuhr ich fort, während sie versuchten, das Beispiel irgendwie einzuordnen, schließlich sind wir hier ja nicht in einer Lounge und das ist doch gerade sehr persönlich, „können Sie mir dann sagen, warum Sie als Unternehmen genauso agieren wie jener Herr in dem Beispiel?“

Das war dann doch ... heftig. Aber wir gingen dann mal durch, was und wie bisher kommuniziert wurde. Und was kam raus?

Unter anderem:



Akquise-Mailing mit beigefügter Unternehmensbroschüre. (In ihr Überschriften wie: „Unsere Leistungen – Ihr Vorteil“)
= ungefragtes Anpreisen der eigenen Vorzüge

Messestand mit vollgetexteten Info-Boards
= Monolog

Eine App mit direktem Zugang zu einem Download-Bereich weiterer Unternehmensinformationen.
= Ich bin noch toller, als du denkst.

Dabei ist das ja schon nicht schlecht, was das Unternehmen so kann und anbietet. Wie bei dem Kerl. Aber irgendwie ..., gell?

Aha.

:-)
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