Was ist eigentlich ... ein Hausfrauentest?

In unserer kleinen Reihe geht es heute um etwas sehr Seltenes im Marketing: einen deutschen Begriff.

Werbung steht ja im Ruf, falsch: in Rufen. Zum einen gilt sie als Indikator für gesellschaftliche Neuerungen, zum anderen gilt sie als gerade gegenüber diesen gesellschaftlichen Veränderungen als völlig ignorant.

Es liegt wohl an der Art der Marktforschung, ob sie kreativ ist oder reaktiv. Erstere, die "kreative Marktforschung" versucht die Lebenswelt der Zielgruppe möglichst vollumfassend abzubilden, um daraus Erkenntnisse abzuleiten, was in Sachen Produkt aber auch Psychologie benötigt werden wird, während sich die andere, die "reaktive Marktforschung", besonders Kreative nennen sie auch gerne "reaktionöre Marktforschung", auf eine Abbildung des status quo fokussiert, um daraus Erkenntnisse abzuleiten, was in Sachen Produkt benötigt wird.

Für beide Modelle gibt es Begriffe, die schon sprachlich verraten, wes Kind sie sind. Für die kreativere Variante wird ein Anglizismus bemüht: Planning, während die reaktivere auch mit einem deutschen Ausdruck auskommt: Hausfrauentest.

Hausfrauentest und Planning
In Zeiten, in denen man gerne von nachhaltigen Konzepten, sprich: langfristigen monetären Erfolgen spricht, aber kurzfristig positive Ergebnisse, sprich: Geld, braucht (wobei der Fokus überraschenderweise hier oft mehr auf Umsatz denn Gewinn liegt), ist es nicht überraschend, dass der reaktivere Begriff trotz seiner sprachlich atypischen Form (deutsch) im Gegensatz zu der ihm immanenten Berufsbezeichnung, wenngleich nicht der Beruf an sich, hohe, sogar steigende Popularität genießt.

Ein Hausfrauentest ist Ausdruck der Niederkomplexität der Marktteilnehmer.


Ja, Marktteilnehmer. Der Mensch an sich, vor allem der mediale bzw. der öffentliche Mensch mag ja hoch komplex sein oder auftreten (wollen), doch wenn er, in seiner Rolle als Konsument, in einem Geschäft, vor einem Regal und damit der Qual der Wahl steht, dann entscheidet er auch nicht, was ihm langfristig sein Geschirr, seine Wäsche sauber macht, ihn in Zukunft besser kleidet oder seine kommunikativen und/oder spielerischen Triebe demnächst besser befriedigt, ihn sich in seinem unmittelbaren Lebensumfeld (Haus, Wohnung, Büro) mal besser fühlen lässt, sondern JETZT!

Und in seiner Rolle als Produzent muss er, wie oben bereits angerissen, natürlich einen langfristigen Plan haben, aber halt auch kurzfristig Zahlen vorweisen, und wenn diese schwarz und nicht rot sind, sind Vorgesetzte (Geschäftsführer, Vorstände Aktionäre) glücklich und er auch, denn dann kriegt seinen Bonus.

Also wenn er dann die Wahl hat, einen sechsstelligen Betrag für etwas auszugeben, von dem er nicht weiß, wie es ausgeht, oder maximal sechs Bekannte aus seiner unmittelbaren Umgebung zwischen Tür und Angel (oder, falls er ein verheirateter Mann ist, gar nur eine Person, zwischen dem Abendessen und Fernsehabend) was sie zu diesem oder jenen denken/denkt, dann hat er nicht nur SOFORT sehr viel Geld gespart und damit sich seinen Bonus gesichert, sondern auch (spätestens, wenn die Befragte sieht, dass das, was sie sagte, auch realisiert wurde) endlich wieder Sex im eigenen Bett.

Dieses Vorgehen könnte man nachvollziehbarerweise durchaus aufgrund des langfristigen Aspekts kurzfristigen Handelns unter Berücksichtigung der vollumfänglichen Lebenswirklichkeit der Zielgruppe wiederum auch als „Planning“ bezeichnen. :-)
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