Der Zweck adelt die Mittel

Werbemittel stehen in einem seltsamen Ruf. Entweder gelten sie als zu teuer – gerade bei Individualanforderungen, oder als zu beliebig: Kuli, Süßigkeiten, Blöcke.

Die Frage ist: Wer gibt ihnen diese Meinung? Im Grunde sind das die Werbetreibenden auf beiden Seiten des Besprechungszimmertisches. Die einen (die „Kreativen“) haben eine, wie könnte es anders sein, ganz tolle Idee, die dem Budgetverantwortlichen vermuten lässt, er sei bei der Versteckten Kamera. Die anderen (die Kunden) wollen alles mit ihrem Logo versehen, was sich in riesiger Stückzahl bei minimalen Kosten produzieren lässt.

Da sind die Vorwürfe vorprogrammiert. Aber weil es sich weder die Agentur mit dem Kunden noch der Kunde mit der Agentur wegen so was verscheißen will, ist halt die Werbemittelindustrie schuld – eben, weil sie nichts Kreatives zu einem vernünftigen Preis anbietet.

Sehr typische Herangehensweise, sich auf die Kosten zu fokussieren, statt auf den Nutzen. Das Werbemittel selbst ist dabei völlig egal. Es muss halt zu dem Unternehmen u/o dem Anlass passen. Da könnten die Kreativen ja den Kunden von ihrer Kernkompetenz überzeugen und den Kunden zu etwas bringen, was er gerne, aber selten sagt: „Ja!“

In kleinen Quadraten eingetütete Zuckerstückchen mit Logo sind unglaublich langweilig. Ein Logo für einen Hörgeräte-Akustiker macht es nicht besser. Das aber mit dem Hinweis zu versehen: „Der kleinste Hörtest der Welt.“ Gibt dem Ganzen schon wieder Charme und Witz und Mehrwert – und sorgte zumindest einmal, nämlich bei mir, dazu, dass der Kaffee ungesüßt blieb.

Werbemittel Schlafbrille
Bitte nicht stören! Ich bin kreativ. / via ebets.at
Eine Schlafbrille. An sich schon ganz nett. Auch nützlich. Aber ergibt allein keinen Sinn. "Nur so" fördert so ein Werbemittel nur das Schmarotzertum. Wenn man es aber kombiniert mit einem thematischen Bezug, dann besitzt das Ganze mehr Charme und Witz, wie z. B. bei dieser Aktion für die Kreativwirtschaft der Stadt Mannheim: „Bitte nicht stören. Ich bin kreativ!“ Das hat wieder Witz, weil es eben mit einem Klischee spielt.

Man kann auch Aufklebern oder bedruckten T-Shirts etwas abgewinnen, auch in einem herkömmlichen Design. Natürlich gibt es auch bereits ganz lustige Beispiele, die bereits eine Aussage zum Werbetreibenden treffen, wenn sie aber mehr sein sollen denn Druckfläche für ein Logo, so bleibt man besser bei Kulis und anderen Werbegeschenken.

Diese transportieren auch das Logo und sind sehr nützlich, was man allein daran erkennt, dass man nie etwas parat hat, wenn man es braucht, also immer Bedarf für so was hat, aber, wie gesagt, nur zur Anbringung des Logos ... Das ist einfach zu wenig.

Klar ist das Logo 100% Teil des CI, aber das CI ist mehr als das Logo. Wie der Name schon sagt, hat das was mit etwas Wesentlichen zu sein, der Identität. Diese Identität gilt es zu kommunizieren. Da ist es eigentlich egal, wie teuer das Werbgeschenk bzw. die einzelnen Werbemittel waren/sind, sondern was sie bringen (sollen)?

Genau diesen Dialog scheuen aber sowohl Agentur als auch Kunde. Wofür stehen wir? Was wollen wir mit diesem Werbegeschenk bzw. Werbemittel über uns sagen lassen? Diese Fragen gilt es in erster Linie zu klären. Und dann kommen erst die Kosten, dann die Strategie – und dann geht’s um die Umsetzung.

Na dann isses auch egal, wenn es etwas mehr kostet, weil es vielmehr bringt: an Nachhaltigkeit, Gesprächseinstiege, leichtere Nachfassaktionen und und und ...

So sollte es ja sein: Der Zweck adelt die Mittel.
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