Banking is necessary, banks are not

Früher, da ging man noch in die Bank. An den Schalter. "Guten Tag, Herr Meier. Was machen die lieben Kleinen? Hallo, Frau Müller. Wie ist das werte Befinden? Ist Ihr Gatte schon wieder auf Geschäftsreise? Ich bräuchte heute mal 200 Mark." Man kannte sich. Und das war ein echter Vorteil, wenn man mal wirklich was voneinander wollte.

Heute kenne ich niemanden mehr bei meiner Bank. Selbstverständlich bin ich auch dazu übergegangen, Bargeld am Automaten zu ziehen und Einkäufe mit der Kreditkarte oder gar dem Handy zu tätigen. Noch vor 5 oder 6 Jahren war mir insbesondere das Bezahlen mit Karte unheimlich, schon weil es immer etwas länger dauerte als eine Barzahlung. Heute geht das Zahlen mit Karte mitunter schneller als die Barzahlung.
2012 und 2013 wurde ich zum Skimming-Opfer und musste feststellen, dass sich jemand in Malaysia viele und immmer größer werdende Freuden machte, während jemand in Madrid direkt in die Vollen ging. In beiden Fällen bekam ich mein Geld schnell und unkompliziert zurück. Aber so ein bisschen Schererei war doch dabei und in einem Fall führte eben jenes Skimming zu einer Sperre meiner neuen Kreditkarte, einer Identitätsprüfung und der freundlichen Nachfrage wann ich denn das letzte Mal in Sri Lanka war um dort an einem Tag immer größer werdende Beträge abzuheben.
Mit Frau Müller oder Herr Meier wär das sicher lockerer abgelaufen.

Felix Droese Litografie
Lithographie von Felix Droese: Dafür gab ich meine Unschuld


Jetzt werden Sie an dieser Stelle vielleicht sagen: "Schön und gut, alles ganz nett aber was hat das mit Marketing zu tun und was will mir der Autor überhaupt sagen?" (Will er mir nur die vorstehende Litho von Felix Droese verkaufen? - Ernstgemeinte, seriöse Angebote sind willkommen).
Na ja, mit Marketing hat es bisher nicht wirklich was zu tun, wenngleich man aus dem Vorstehenden ablesen könnte, dass es auch im Sinne der Selbstvermarktung ganz nützlich sein kann, hin und wieder die Bankfiliale aufzusuchen.

Aber eigentlich möchte ich Ihnen von meiner jüngsten Zahlungspanne und der daraufhin entstandenen Idee erzählen. Vielleicht wissen Sie, ob die so schon mal jemand hatte?

Ich stehe also vergangenen Freitag beim Kaisers an der Kasse. 3 Flaschen Limo, 2 Flaschen Budweiser, etwas Aufschnitt und eine Schachtel Zigaretten. (ich kaufe auch andere Sachen - aber woanders). Und dann will ich zahlen, selbstverständlich mit Karte, weil das so bequem ist und weil ich natürlich nur ganz große Scheine Bargeld bei mir habe (gelogen).

Und dann stehe ich da wie ein Depp.
"Zahlung verweigert".
W.t.F.?

Allerschlimmste Szenarien spielen sich vor meinen Augen ab. Hat die Frau, die ich nicht habe, mein Konto abgeräumt um mit Ihrem Liebhaber durchzubrennen? Wurde ich wieder geskimmt? Habe ich, ohne es bislang zu wissen, Ärger mit Finanzamt, Staatsanwaltschaft oder Polizei? Habe ich auch die richtige Karte genutzt und nicht etwa die von der BKK?

Ein zweiter Versuch.
Und wieder: "Zahlung verweigert".

Gott sei Dank, habe ich noch eine andere Karte und die funktioniert.

Natürlich habe ich dann online in mein Konto geguckt und festgestellt, dass da alles in Ordnung ist. Dann habe ich zur Sicherheit bei der Bank angerufen. Die, zugegeben sehr freundliche, Dame von der Hotline erklärt mir mit ausgeprägtem osteuropäischem Akzent: Alles gut mit Ihrem Konto, Geld ist da, Zahlungen sind sicher ... nur System sei halt irgenwie down seit haalbär Stuundde. Gäht aber gleich wiedär.

Die Frage, die ich mir und irgendwie ja auch Ihnen stelle: Wozu eigentlich noch des Gschiss mit der Bank?

"Banking is necessary, banks are not". Das kommt nicht von mir, das hat Kollege Bill Gates, unlängst wieder zum reichsten Mann der Welt gekürt, schon vor geraumer Zeit gesagt. Und der erzählt viel, wenn der Tag nur lang genug ist.

Warum kann ich nicht meine eigene Bank sein? Wozu brauche ich beim Zahlungsverkehr eigentlich noch ein Geldinstitut?

Ggf. nur einmal im Leben ginge ich dann zur Bundesbank und beantragte eine BIC und eine IBAN, ganz so, wie ich beispielsweise Nummernschilder für ein neues Auto abhole. Das hätte zudem einen erheblichen Vorteil, denn die IBAN könnte deutlich kürzer ausfallen. Ich z.B. käme mit einer schlichten 1 aus. Die BIC hingegen wäre vermutlich etwas länger, könnte aber beispielsweise identisch mit der Personalausweis- oder Handelsregisternummer (bei Firmenkonten) sein. Auf meiner Karte stände nicht Master sondern Grandmaster. Ich könnte die Karte mit Drucker, Schere und ganz viel Leidenschaft selber basteln und dann einen Magnetstrefen draufpappen oder, schon des Renommees wegen, was designen und fabrizieren lassen. Am besten gleich noch mit RFID, gelackter, wenn nicht gar geleckter Oberfläche und allem Chichi. Wenn ich meine PIN mal vergessen habe sollte, lege ich einfach selbst eine neue fest. Jede Überweisung wäre de facto eine Sofotüberweisung, schon weil es, von denen der Bundesbank mal abgesehen, keine Buchungsschitte mehr gäbe.
Und wenn ich mal zu wenig oder zuviel Geld hätte, könnte Facebook und Twitter nach Kreditgebern bzw. nach Investionsmöglichkeiten abgrasen (gibt ja mittlerweile hinreichend Beispiele, dass Crowdfunding funktioniert). Kontoführungsgebühren gäbe es per se nicht mehr, ggf. müsste man bei einer Geldautomatennutzung, die dann - lösgelöst oder noch fest an Banken gebunden wäre, ein bisschen mehr zahlen.

Wie gesagt: Das ist einfach mal so ins Blaue gedacht, geschrieben. Sie dürfen die Idee im Kommentarfeld gerne weiterspinnen...

Wenngleich, da fällt mir ein: BARGELD LACHT und es gibt eh Wichtigeres.
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Kommentare

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Sven Lehmann:

Die Idee der privaten Bank könnte man um die Ideen des bedingungslosen Grundeinkommens, des achtsamen Umgangs mit sich selbst und einer sinnvollen Antwort auf die Frage, ob manches Bedürfnis denn unbedingt sein muss erweitern. ;-)
10:38

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