"Made in Germany"

SAP. Sonst noch was? Nichts. SAP ist das einzige DAX-30-Unternehmen, das irgendwie mit der Welt von Morgen zu tun hat. Jaja, Mercedes ist auch modern. Zwar nicht bei den Motoren, aber sonst ... tolle Autos. Jeder will sie haben. Super Technologie des 20. Jahrhunderts. Des 19. Jahrhunderts, wenn man genau ist. Fossiler Verbrennungsmotor. Aber Technologie der Zukunft? Erinnern Sie sich, was Sie in letzer Zeit zum Thema "Auto" und "Zukunft" gelesen haben? Genau, da ging es nicht um Mercedes, sondern um Tesla, Google und Apple.

Made in Germany

Doch warum? BMW bastelt seit 30 Jahren an Wasserstoff-Autos herum. Ich glaube, man tut BMW nicht unrecht, wenn man sagt, sie machen das halt, damit sie noch andere Themen haben als den Fahrzeugkonfigurator auf ihrer Seite. Der ist allerdings wirklich super. Botschaft auf der Meta-Ebene: Wir können zwar den Schadstoffausstoß nicht reduzieren, dafür aber die Notwendigkeit von Kundengesprächen. Was heißt "nicht können"? Nicht wollen ist das Problem. Ich erinnere mich an eine zehn Jahre alte Grillabend-Debatte mit einem BMW-Mann, der mir erklärt hat, warum Elektroantriebe Blödsinn sind. Die Akkus und so. Inzwischen hat ein crazy Amerikaner, der vom Autobauen keine Ahnung hat, BMW den Rang abgelaufen. Irgendwas gelernt über Akkus hat er dabei auch. Das Ganze war am Anfang eine verrückte Idee, inzwischen ist es ein Business-Case.

Clock builders rather than time tellers


Jeder kann die Uhr lesen, aber eine Uhr bauen? - Disruptionen und Transformationen, ja, verstehe, das ist ja auch echt alles total kompliziert. Trotzdem scheint es Einigen besser als Anderen zu gelingen, dabei den Überblick zu behalten. Zumindest so weit, dass sie in der Lage sind, zu diesen Disruptionen irgendwas beizutragen. Doch das ist es halt: Wir leben im Land der Leute, die stolz darauf sind, dass sie ungefähr wissen, wie spät es ist, und es gibt niemanden mehr, der eine Uhr bauen kann.

Im Marketing dasselbe. Dieses Nachbeten von Know-how, das angeblich geeignet ist, in der heutigen Kanal-Vielfalt noch erfolgreiche Kommunikation zu betreiben - mal im Ernst, das ist doch einfach epigonal. Klar, ich hab auch gesehen, dass Rama Werbespots mit Kochrezepten macht. Und das also ist die Content-Marketing-Revolution? Really? Ist das wirklich alles? Na großartig. Bevor wir weiterreden, will ich Zahlen sehen. Was wurde für wieviel Geld wo gemacht - und was wurde dadurch mehr verkauft?

"Made in Germany" - das war mal was


"Made in Germany" - das Label, mit dem nach WWII deutsche Produkte stigmatisiert werden sollten*, ist eine Erfolgsgeschichte gewesen. Heute ist es eine Lachnummer. Woran es liegt, weiß ich nicht. Vielleicht sind ja die politisch Handelnden in unserem Land einfach auch zu alt. Dass sie mit dem Internet überfordert sind, weiß man ja. Ich meine: Oettinger! Mal ehrlich! Und Gabriel. Und Dobrindt. Mehr sag ich nicht.

Und dann die Projekte: de-Mail? Hahaha. Industrie 4.0, die IoT-Initiative der deutschen Wirtschaft. Lachnummer. Zukunftsorientierung nach dem Motto: Und wenn du mal nicht weiter weißt, gründe einen Arbeitskreis! Heute, aktuell, die Neuregelung der Störerhaftung. Wow! Egal, wie und warum da was im Detail gefrickelt wird, das Ergebnis dürfte sein, dass Deutschland auch weiter WLAN-Entwicklungsland bleibt. Die Versuche, sich bei Smartpay nicht abhängen zu lassen. Lächerlich. Die Telekom als Zukunftsberater der Regierung! Leute! Das sind die, die vor zehn Jahren noch acht Wochen gebraucht haben, um einen Telefonanschluss einzurichten, ehe man sie gezwungen hat, das zu ändern. T-Offline! Bildlich gesprochen haben wir es mit Unternehmen zu tun, die sich etabliert haben und groß und unbeweglich geworden sind und die jetzt zu kaum noch etwas Anderem in der Lage sind, als Anderen das Futter wegzufressen. Verdrängungsstrategien, wohin man schaut. So kann man auch überleben. Aber Breitband-Internet in der Fläche? Pustekuchen.

I had a dream usw.


Was ich mir statt dessen wünsche, ist eine Welt, in der "Made in Germany" nicht Autos meint, sondern Innovationen. Echte Innovationen, nicht so Broschürengelaber. Die coolen Sachen! Künstliche Intelligenz, Spracherkennung, Akkus, Bezahlsysteme, Konnektivität, Datensicherheit, neue Geschäftsmodelle - Innovationen halt! Das Potenzial wäre da, aber damit sich da was tut, müsste erst mal ein Gespür dafür vorhanden sein, dass wir nicht mehr in den 90ern leben.


* Update: Nein, das war schon vor dem WWII, das war schon im 19. Jh. Danke für den Hinweis in den Kommentaren.
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Kommentare

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Frank:

andererseits: Ich habe auf der Strasse noch keinen Tesla gesehen, wüsste mal abgesehen vom Internet auch keinen Ort, an dem ich einen kaufen könnte. Aber wenn ich dann doch einen hätte und dich besuchen wollte, müsste ich mir spätestens in der Höhe von Würzburg, Aschaffenburg eine passende Steckdose suchen. Und de Vorstellung ist ähnlich grausig wie die vom mehrwöchigen Warten auf einen Telekom-Anschluss.
22:39

Torsten Matthes:

Die sieht man nicht, weil sie so schnell und so leise sind ;-)
08:09

Andreas:

Bitte mal schnell den Wikipediaartikel über "Made in Germany" lesen und dann den Satz mit der "Stigmatisierung nach dem WWII" korrigieren! Das Label stammt aus dem 19. Jahrhundert.
Für soviel geschichtliche Korrektheit sollte Zeit sein ;-)
09:52

Torsten Matthes:

Ja, mache ich mal schnell bei Gelegenheit ;-)
Danke für die Mitwirkung an der Verbesserung der Qualität unseres Contents.
13:32

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