Aida

Die folgende Geschichte ist erfunden, Ähnlichkeit mit wahren Ereignissen wäre rein zufällig!

München ist toll! Schönste Stadt der Welt usw. Alle sind schön in München. Alle haben die Haare schön. Menschen, Medien, Macher. Oder war es: Märkte, Medien, Macher? Marken, Menschen, Medien? Egal. Hauptsache schön. Ein einziges Klischee. Die ganze Stadt ein Film-Set. Sie wussten es vielleicht nicht, aber in München hat jeder eine 80-Quadratmeter-Küche mit wandbreiter Glasfront und Blick auf den ewig sonnigen, höchstens jahreszeitlich mal malerisch verschneiten Garten.

Die kälteste Woche des Jahres


Außerdem hat München die Bayerische Staatsoper, das - so raunt man - einzige, wirklich namhafte Opernhaus der Welt, das sich ein Programm mit täglich wechselnden Vorstellungen leistet. An dieser Oper gibt es die Münchner Opernfestspiele, 30 außergewöhnliche Vorführungen im Juli. Petrenko, Kaufmann, vielleicht Netrebko, aber immer top-notch! Der Kartenvorverkauf für die Festspiele läuft - wie jedes Jahr - in dieser Januar-Woche. Ebenfalls wie jedes Jahr ist es in dieser Woche saukalt. Egal, wie warm der Dezember war, egal, ob man Silvester im T-Shirt verbracht hat: In der Vorverkaufswoche zu den Festspielen ist es kalt. Die kälteste Woche des Jahres. Immer.

Einer der schönsten Leuchter der Welt
Aida ist gut, IDA ist besser



Die längste Schlange der Welt


Weil die Karten zu den Festspielen so begehrt sind, bildet sich zum Vorverkauf eine Kartenschlange. Nun kennt man das ja. Jeder hat schon mal iPad-, Batman- oder Star-Wars-Fanboys im Fernsehen gesehen, die ein, zwei Tage vor Verkaufsbeginn vor irgendeiner Kasse kampieren. Aber das ist Kinderkram! Die Vorverkaufsschlange für die Festspiele bildet sich eine Woche vorher! Man muss sich vorstellen: Die Hautevolee auf der Straße. Auf der Straße! Honoratioren, Gehirnchirurgen, Studentinnen. Tag und Nacht. Natürlich nicht im "Operngwand", sondern mit vier Pullovern, zwei Mänteln und noch einem Parka oben drüber. Eine Woche lang! Für die Kunst! Take this, Apple!

Auch Frau Dr. Berta Burgl (76) (Name erfunden) steht in der Schlange. Natürlich nicht durchgehend, es gibt Pausen, es gibt feste Appellzeiten, jeder hat eine Nummer. Die überirdische Kraftanstrengung, die notwendig ist, um in den Genuss des himmlischen Musikvergnügens im Juli zu kommen, wurde an irdische Maßstäbe angepasst und in kleine, für Sterbliche erfüllbare Dimensionen heruntergebrochen. In ihrer Jugend war Berta Burgl die schönste Frau der Stadt, aber momentan ... Wie sie da so läuft, mit zwei Mützen über dem Kopf und ihrem Parka sieht sie nicht aus wie Frau Dr. Opernbesuch, sondern eher wie die Katzenfrau. Als Berta Burgl also mit ihrem Rollwägelchen, in dem Ersatz-Kleidung und noch etwas Nahrung steckt, nachts um drei auf der Maximilianstraße unterwegs ist, fällt sie der Polizei auf.

Auf die freundliche Frage, was sie denn nachts in der Kälte macht, antwortet Frau Dr. Burgl, sie wäre auf dem Weg in die Oper, Aida. Die Beamten wechseln Blicke. In die Oper. Nachts um drei. Die Katzenfrau. Okay. Alles klar. Steigen Sie doch bitte mal ein. Frau Burgl protestiert, ihre Nummer, ihre Nummer, sie muss zur Oper! Aber es nützt nichts. Ihr Widerstand dient den Beamten nur als Beweis für einen sich immer mehr verfestigenden Fanatismus-Verdacht. Sie sind nur unschlüssig, ob die städtische oder staatliche Psychiatrische Klinik dafür zuständig ist? In ihrer Güte nehmen sie den Umweg über Bertas Wohnung.

Radames? Wie bitte? Ausländische Namen?


Bei Frau Burgl neben dem Telefon liegt die Visitenkarte des Pensionärs Heinrich E. (78), ebenfalls Opernfan, Bekannter aus der Festspielschlange. Er sei Nummer 67, sagt Frau Burgl. Um alles zu klären, ruft die Polizei Herrn E. kurzerhand an. Ob er eine Frau Burgl kenne? Ja, sie wäre Nummer 42, er wäre mit ihr an der Oper verabredet. Weil Villa Dingsbums den Ramadan singt! Damit ist der Fall klar. Oper? Nachts? Ägypten? Polizeimeister Moser entsichert die Waffe. Da ist ein großes Ding am Laufen. Codename: Oper! Das MEK wird alarmiert. Die Kanzlerin wird geweckt. Hubschrauber über dem Marstallplatz. Nick Tschiller mit Panzerfaust. Auch Putin bietet Unterstützung an, gegen zwei Karten mit Jonas Kaufmann, wenn möglich. - Kurz bevor sich jemand weh tut, klärt sich die Sache auf. Professor Mooshuber (82), Opernfan, Nummer 34, telefoniert mit der Staatskanzlei. Professor Mosshuber ist im Akademischen Gesangsverein, er kennt alle und alle kennen ihn, seine Gehirnoperationen sind Legende!

Und was hat das mit Marketing zu tun?


(Ganz ehrlich, das frage ich mich auch oft, wenn es um Marketing geht *Zwinkersmiley*) Was Sie hier gelesen haben, ist eines der Beispiele, wo ein Produkt so gut ist, dass das Problem eher ist, den Erfolg zu verwalten als die Zielgruppe zu erweitern. Interest, Desire und Action ohne großes Attention-Gewese! Sozusagen IDA statt Aida! Und das an der Oper, Spitzenwitz, nicht wahr? Doch am besten vergessen Sie die Geschichte gleich wieder, sie ist ohnehin erfunden. Und halten Sie sich weiträumig von der Oper fern!

PS: Putin hat keine Karten gekriegt. Er war zu spät, seine Nummer war zu hoch! Die Frau des Polizeichefs trug eine wunderschöne grüne Robe. Berta Burgl durfte ihre Nummer 42 behalten.
  • Twitter
  • Bookmark Aida at del.icio.us
  • Facebook

Trackbacks

Trackback-URL für diesen Eintrag

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA




Verwaltung des Blogs

Login