Franchising: Das eigene Ding

Franchising? Habe ich mich eigentlich nie näher mit beschäftigt. Warum auch? Selbständigkeit hieß für mich von jeher „das eigene Ding machen“. Einkaufen, verkaufen, Marketing und Werbung, jede Art von geschäftlicher Korrespondenz, Buchhaltung etc., habe ich doch alles drauf. Na ja, Buchhaltung vielleicht nicht ganz so … Aber wahrscheinlich hätten Sie mir in bestimmten Phasen meines Lebens ein Tippi Toppi Franchising Projekt, beispielsweise in Form einer McDonalds-Filiale in absoluter Bestlage, auf dem Silbertablett anreichen können und ich hätte mit so viel Ernsthaftigkeit wie Übermut zunächst einmal darüber nachgedacht doch lieber eigene Burger zu braten und dann vermutlich dankend abgelehnt. So nach dem Motto: Wennschon, dennschon.
So richtig erwachsen oder besonders klug klingt das aber nicht, oder? Genau.

Franchising

Zwar bin ich schon immer ein großer Verfechter des „Jede Medaille hat 2 Seiten“-Theorems, muss aber aufgrund der Auseinandersetzung mit einem aktuellen Projekt (https://www.punktfranchise.de/) eingestehen, dass ich in Sachen Franchising bislang nur die vermeintliche Kehrseite der Medaille im Auge hatte.

Natürlich macht Franchising Sinn. Sowohl für Franchisegeber, als auch für Franchisenehmer.

Für den Franchisegeber besteht der erste sichtbare Vorteil schon darin, dass der selbständige Partner gewöhnlich mit einer ganz anderen Motivation zu Werke gehen sollte als beispielsweise der Kollege Filialleiter. Zudem ist es für den Franchisegeber schon ziemlich schnucklig, wenn er sämtliche Betriebskosten (Miete, Personal, Investitionen am Standort etc.) an den Franchisenehmer weitergeben kann und völlig uneingeschränkt der Babo bleibt. Mit jedem neuen Franchise-Partner sollte der Marktanteil wachsen, was wiederum zu verbesserten Einkaufskonditionen führen sollte. Grandios!

Aus Sicht des Franchise-Nehmers: A gmahde Wiesn.
Wenn denn alles so läuft, wie es laufen soll, dann bekommt der Franchisenehmer vom Franchisegeber all das, wofür andere Jahre über Jahre ranklotzen müssen: Eine eingeführte, im besten Fall sehr bekannte Marke von einem im Markt bestens positionierten Unternehmen, versehen mit dem Allerbesten, dass ein Geschäftsmodell hergeben kann: einem Alleinstellungsmerkmal, einem USP.

Klingt super, oder? Bevor Sie jetzt aber loslaufen und Ihr Geschäft zum Franchise-Modell erklären oder aber ein Nagelstudio im Franchise-System eröffnen, prüfen Sie bitte das Konzept. Prüfen Sie Ihre Partner. Prüfen Sie sich.
So ein Franchise-System ist, wie der Name schon sagt, zunächst mal ein System. Da gibt es Mechanismen, Vorgaben und einen Masterplan. Da sollten Sie vorher wissen, ob Sie sich da gut aufgehoben fühlen.

Nehmen Sie nur mal so einen etwas aufgeblasenen, besserwisserischen Typen wie mich: Der sitzt dann da, in allerbester Lizenzgeberlaune und erklärt zum siebzehnten Mal an jenem Tag einem Franchisenehmer warum sich ein bestimmter Sachverhalt so verhält, wie er sich nun mal verhält oder warum die schon seit Tagen ausstehende Warensendung noch immer beim Hauptzollamt in Oberursel festhängt. Keine Frage, das kann man schon hinbekommen. Ich allerdings fürchte um die eingangs erwähnte beste Laune und müsste mich schon fragen: Will ich die Marke führen oder will ich Dienstleister meiner Franchisenehmer sein? Bin ich der Typ, der beides unter einen Hut bringt?

Oder andersrum: Da sitzt dann so ein Typ in allerbester Laune eines Franchisenehmers und fragt sich zum dreiundzwanzigsten Mal an jenem Tag, warum die Zentrale nach wie vor keine Bitcoin-Zahlungen akzeptiert und es trotz massiver Kritik auf Facebook bisher nicht gelungen ist, das rote Logo des Unternehmens blau einzufärben. Da kann man schon ein wenig rammdösig werden.

Ich hatte es ganz am Anfang angesprochen: Selbständigkeit heißt für mich seit jeher „das eigene Ding machen“. Nach dieser Auseinandersetzung mit dem Thema Franchising, glaue ich nun fast, dass der Franchise-Rahmen mit all den genannten Vorteilen (Marke, Positionierung, Expertise …) genau das ermöglicht. Sollten Sie also in nächster Zeit hier nichts mehr von mir lesen, dann franchise ich jetzt.

Vorher noch, auf die charmante Art, ein wenig Motivation mit Udo:

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