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Presseverhinderer auf der Preisverleihung

Neulich war ich als Journalistin auf einer Preisverleihung. Und wenn man dann im Anschluss als Zeitschrift darüber berichten möchte, ist es immer gut, wenn man ein schönes Foto der Preisträger mit ihrem Preis hat. Man glaubt gar nicht, wie schlecht so etwas organisiert sein kann...

Bei dieser Veranstaltung lief eigentlich fast alles schief. Alle Preisträger standen vor einer Leinwand. Und darauf wurden Informationen zu den Geehrten projiziert. Die hatten dann alle Schrift und Bilder im Gesicht und mussten zusätzlich noch blinzeln. Keine schönen Motive.

Außerdem: man empfing seine Urkunde aus der Hand eines Promis, der jedem Preisträger noch ein paar warme Worte mit auf den Weg gab. Zeit zum Fotografieren? Fehlanzeige.

Am Schluss wurde ein Fototermin versprochen. Der wurde aber gründlich durch das parallel gereichte Essen torpediert. Wer will sich schon fotografieren lassen, wenn er dabei Garnelen und Co versäumt?

Wer Veranstaltungen mit Medienpräsenz plant, sollte im Vorfeld eigentlich immer ein paar Gedanken daran verschwenden, wie denn das Fotografieren in den Ablauf mit eingebaut werden kann. Denn gute Fotos sind ja auch im Interesse der Veranstalter.

Solche Abläufe sollte man vorab üben. Bis das richtig sitzt. Noch mehr natürlich, wenn auch noch das Fernsehen im Boot ist. Denn Berichte werden wesentlich kürzer ausfallen, wenn das Bildmaterial schlecht ist.

Die Angst vor der Konzeption

Konzeptionsarbeit ist etwas, das wir selten tun. Warum eigentlich? Gerade habe ich einen Artikel gefunden, der entlarvt, warum wir uns auch ganz gern mal davor drücken. Dabei ist uns doch das konzeptionelle Vorgehen an sich so wichtig, oder?

Dr. Sonja Ulrike Klug hat ein Buch veröffentlicht, das uns dabei helfen kann, konzeptionell zu arbeiten. Glücklicherweise gibt es für ganz Eilige eine Kurzfassung in Aufsatzform, die die fünf größten Probleme der Konzeptionsarbeit entlarvt. Darauf hat uns netterweise Daniela A. Caviglia aufmerksam gemacht.

Und für noch Eiligere nenne ich hier schon mal die fünf Probleme:

1. Meine Zeit reicht nicht aus
2. Es ist viel zu viel
3. Ich blicke nicht durch
4. Ich bin nicht kreativ
5. Ich kann nicht schreiben

Wem all das bekannt vorkommt, der sollte vielleicht doch einmal die Zeit aufwenden und den Artikel und das Buch studieren.

Journalisten attestieren PR eine hohe Glaubwürdigkeit

Oft könnte man meinen, es herrsche Krieg zwischen Journalisten und PR-Menschen. Da wird auf beiden Seiten geschimpft über mangelnde Sachkenntnis und wenig Entgegenkommen. Vor kurzem hat der djd Journalisten zur Qualität von PR-Material befragt.

Das Ergebnis erstaunt relativ wenig: gute Bilder sind begehrt. Denn ständig sind Journalisten auf der Jagd nach Bildmaterial, das ihr Medium interessanter macht. Doch die Realität liefert oft nur langweilige Produktfotos und keine Pressefotos, die diesen Namen verdienen.

Ganz unten auf der Beliebtheitsskala der befragten Journalisten steht übrigens der Redaktionsbesuch. Er kommt noch nach dem Werbematerial. Also: Redaktionen nur dann besuchen, wenn es wirklich etwas wichtiges zu besprechen gibt.

Trotz allem macht uns PR-Professional auf ein interessantes Detail aufmerksam:

41 Prozent der Medienbeiträge enthalten immerhin 20 bis 39 Prozent PR-Material. Mehr als jeder dritte Beitrag basiert sogar zu mehr als 40 Prozent auf Pressemitteilungen. Überraschend ist auch, dass die Journalisten dem PR-Material eine relativ hohe Glaubwürdigkeit attestieren. So bewertet die Mehrheit der Befragten (38 Prozent) PR-Materialien auf einer Skala von 1 (gar nicht glaubwürdig) bis 6 (sehr glaubwürdig) mit 4.


So schlecht ist es also gar nicht bestellt um das PR-Material. Dass inhaltslose Superlative und PR-lish wenig erfreuen, sollte sich inzwischen rumgesprochen haben...

Presseverhinderer - wir leben noch!

Es ist wahr. Eine zunehmende Professionalisierung der Verantwortlichen in den Unternehmen ist festzustellen. Immer öfter gibt es wirklich kompetente Ansprechpartner und auch gutes Material. Doch kürzlich erlebte ich folgendes:

Für eine Marktübersicht recherchiere ich in einer bestimmten Branche. Ein bekanntes Beratungsunternehmen hat just zu diesem Thema eine Studie erstellt. Damit das Ganze also Hand und Fuß bekommt, frage ich an, ob ich dazu Material bekommen kann. Ich will ja gar nicht die ganze Studie, die normalerweise für viel Geld verkauft wird. Nur ein bisschen Futter für meine Recherche. Die Antwort auf meine Anfrage:

Guten Tag Frau Weber,

ich würde Ihnen wirklich gerne helfen. Aber ich ersaufe in Arbeit. Erst ab April ist wieder ein Silberstreifen am Horizont zu sehen. Ich bitte Sie um Ihre Verständnis. Ein anderes Mal gerne wieder.

Mit freundlichen Grüßen


Auf meine Antwort, dass mein Abgabetermin aber Anfang April ist, erhielt ich leider keine Antwort. So kann man auch Medienpräsenz verhindern.

Netzwerk Recherche ruft Journalisten zu mehr Distanz gegenüber Pressesprechern auf

Via newsroom.de erreicht uns die Nachricht, dass der Verein Netzwerk Recherche die Nähe zwischen Journalisten und Pressesprechern beklagt. Der Verein macht sich für den investigativen Journalismus stark. Das sollte eigentlich jeder Pressesprecher gut finden.

Netzwerk Recherche klagt darüber, dass die Pressesprecher oft gut über den Alltag der Journalisten informiert sind und zum Beispiel die Tatsache, dass sie an meist enge Zeitraster gebunden sind, hemmungslos ausnutzen. Das ist zwar aus der Sicht der Journalisten verständlich, aber in meinen Augen schon befremdlich. Denn wenn Pressesprecher und PR-Kollegen gut auf ihren Job vorbereitet sind und versuchen, ihrer Nachricht Gehör zu verschaffen, so ist das an sich nicht verwerflich. Solche und weitere Thesen kann man hier nachlesen.

Wenn sich die Journalisten dadurch leicht beeinflussen lassen, sollte man dies nicht den Pressesprechern vorwerfen. Viel eher müsste man die Verlage schelten, die die Arbeit der Redakteure mehr und mehr erschweren. Denn sie dünnen das Personal so sehr aus, dass viele sich nicht anders zu helfen wissen, als eben die Pressetexte mehr oder weniger unredigiert und ungeprüft zu übernehmen. Ich finde das auch im Sinne seröser PR nicht wünschenswert.

In meinen Augen ist der Journalist ein Sparringspartner. Wenn er mit seiner Recherche Missstände aufdeckt, so hat er seine Arbeit gut gemacht. Das ärgert dann zwar den Pressesprecher, sollte aber das Verhältnis nicht trüben. Wenn allerdings PR-Menschen meinen, die Welt könne nur rosarot und himmelblau aussehen, dann verlieren sie massiv an Glaubwürdigkeit.

Und Unternehmen und Produkte, die immer nur auf der Sonnenseite stehen, wirken doch auch irgendwie wenig überzeugend... Ich denke nicht, dass die Nähe zwischen Journalisten und Pressesprechern an sich ein Problem darstellt. Problematisch ist nur, wie sie damit umgehen. Jeder sollte einfach bestrebt sein, seinen Job gut und glaubwürdig zu machen. Dann hat sich niemand etwas vorzuwerfen.

PR für Einsteiger

Der Chef hatte neulich schon darauf hingewiesen: mich gibt's jetzt auch bei akademie.de. Nachdem wir hier schon eine Menge über unsere Presseverhinderer gelernt haben, können wir ja auch ruhig darauf hinweisen, wie es anders geht.

Unter dem Titel "Public Relations für Einsteiger" habe ich inzwischen drei praxisbezogene Artikel veröffentlicht. Die sind besonders für Menschen geeignet, die sich zuvor noch nicht mit PR beschäftigt haben, aber in Zukunft damit loslegen wollen.

Vielleicht nutzt ja der eine oder andere das Wochenende für ein bisschen Weiterbildung...
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