Presseverhinderer verstopfen den Postkorb

Gerade jetzt ist es wieder so weit. Mein Rechner ist blockiert. Ein wohlmeinender PR-Mensch schickt mir eine Pressemitteilung. In der E-Mail Numero eins kündigt er bereits E-Mail Numero zwei an. Und ich weiß: die ist es, die gerade meine nicht eben dünne Leitung verstopft. Mit sicherlich wieder einmal unbrauchbarem Bildmaterial. Und davon viel.

Muss ich erwähnen, dass zwei meiner Redaktionskollegen in strukturschwachen Regionen wohnen, wo DSL nur vom Hörensagen bekannt ist? Die kriegen diese Mails auch. Und können deshalb eine halbe Stunde nicht arbeiten. Und ärgern sich. Noch mehr als ich. Wir alle haben eines gemeinsam: wir hassen diesen PR-Menschen. Aber der lernt einfach nichts dazu. Als Presseverhinderer ist er auf jeden Fall sehr geeignet.

Grüß Gott an die Presseverhinderer!

Es gibt Menschen unter den Presseverhinderern, die sind so gut zu mir! Soooo gut! Gerade arbeite ich an einem Artikel über Schulungskonzepte. Dafür habe ich Anfragen an sehr viele sehr wichtige Menschen geschickt. Und eine Menge Antworten bekommen.

Dass ein so unbedeutendes Unternehmen wie Bosch mir einerseits eine nur für mich erstellte Auswahl von Bildern im Internet bereitstellt, hatte mich zunächst gefreut. Aber dann...

Mini-Vorschaubilder im Briefmarkenformat sind leider nicht zu entziffern. Und selbst die etwas größeren Bilder muss ich für eine Vorschau erst herunterladen, um sie anschauen zu können. Wenn ich sie dann haben will, bekomme ich sie als ganz handliches tiff. Mit so ca. 36 MB. Pro Bild. Es gibt zwar Legenden dazu, aber die sind fast identisch.

Auch im Zeitalter von DSL kostet das immer noch Zeit. Ich muss runterladen, öffnen, selektieren, speichern und am Ende das löschen, was ich nicht gebrauchen kann. Man zwingt mich also dazu, meine ohnehin schon volle Festplatte weiter mit Daten zuzumüllen.

Ob ich die Bilder verwende? Weiß ich noch nicht. Mal schauen, was die Konkurrenz so bietet.

7 Fototipps für den vollendeten Presseverhinderer

Beim Texten sind wir ja schon ganz gut als Presseverhinderer. Bestimmt haben Sie aber auch schon gemerkt, dass diese lästigen Journalisten dauernd Fotos haben wollen. Wir haben hier sieben todsichere Tipps für den professionellen Umgang des Presseverhinderers mit Bildmaterial.

1. Vermeiden
Vermeiden Sie es, wie auch immer geartetes Bildmaterial einzusetzen. Die Chance, dass es jemandem gefällt, ist einfach zu groß. Undenkbar, wenn Ihre Fotos in einer wichtigen Fachzeitschrift zu sehen wären. Erklären Sie das mal Ihrem Chef!

2. Verwenden Sie Anzeigenmotive
Falls es sich gar nicht verhindern lässt, nehmen Sie eben das letzte Anzeigenmotiv. Das wurde ja für Printmedien entwickelt und sieht doch so schön aus. Die von der Zeitung werden es bestimmt lieben.

3. Denken Sie an die richtige Auflösung
Machen Sie die Journalisten glücklich. Senden Sie ihnen Motive, die sie ohne weiteres auf einem Großplakat unterbringen könnten. Vielleicht hängt dann Ihr Bild bald am örtlichen Kaufhaus! Sorgen Sie dafür, dass der Mailserver so richtig qualmt. Wenn das den Presseleuten nicht passt, verwenden Sie die für das Internet verwendeten Dateien und diskutieren Sie auf keinen Fall mit dem Journalisten über die richtige Auflösung. Diese Besserwisser wollen ja sowieso nur Ihre Daten häckseln.

4. Keine Menschen
Zeigen Sie auf Ihren Pressefotos keine Menschen. Immer nur Produkte, möglichst ohne Bezug zur Realität oder zur Anwendung. Nur so kommt die Ware so richtig zur Geltung. Menschen lenken nur ab und ziehen lästige Blicke auf sich.

5. Zeigen Sie Ihr Logo
Das Allerwichtigste an Ihrem Pressefoto ist natürlich Ihr Logo. Auch wenn es normalerweise nicht auf dem Bild zu sehen wäre: sorgen Sie dafür, dass es hineinmontiert wird. Es muss nicht natürlich wirken. Nur dann wird Ihr Logo wirklich bemerkt.

6. Sichern Sie Ihr Foto-Archiv
Wenn Sie ein Pressefoto-Archiv im Internet haben, sichern Sie es gegen lästige Journalisten. Sorgen Sie dafür, dass nur handverlesene und vom Verfassungsschutz überprüfte Pressevertreter Zugang zu Ihrem wertvollen Material bekommen. Wo kommen wir denn hin, wenn einer nachts um halb drei Ihr Bildmaterial verwenden kann?

7. Wecken Sie nicht die Neugierde
Wenn Sie schon notgedrungen mit Bildmaterial arbeiten, machen Sie bloß nicht neugierig. Hingucker sorgen am Ende noch dafür, dass jemand Ihren Text liest. Und das müssen Sie unbedingt verhindern.

Pressefreiheit

Baby Schimmerlos, äh, Michael Graeter, der Klatsch-Reporter von ehedem und Vorbild von erstgenammten aus der Top-Serie Kir Royal, sitzt im Knast. Warumwiesoweshalb weiß ich nicht und interessiert mich nicht, aber auf dem Internetauftritt seines ehemaligen Arbeitgebers und dem Management-Summary von Cheffe las ich doch etwas, was sowohl den Begriff der Public Relations als auch den der Pressefreiheit ganz neu, und wie ich finde: wunderbar konnotiert:

Gleichzeitig kämpft in München Rechtsanwalt Lutz Libbertz: „Ich vertrete Herrn Graeter. Ich werde für ihn ein Gnaden-Gesuch bei Ministerpräsident Günther Beckstein einreichen. Das Schreiben ist auf dem Weg. Graeter war mit Franz Josef Strauß per Du und hat sich mit seinen Berichten über die Staatsregierung für Bayern sehr verdient gemacht.“

BILD dir deine Meinung :-)

Bild online ist neu und kopiert uns

Unter der Überschrift

Diese Kampagnen sind pure Erotik

präsentiert bild.de

die heißesten Promi-Kampagnen.

Sprachlicher Unfug, aber sie sind ja nicht die Ersten, wenn es darum geht, mit Sex sells zum Jahresende noch n paar Klicks zu machen. :-)

Sind wir jetzt Umwelt?

Ganz stolz verkündet BILD online, dass die Printausgabe der Postille den European Newspaper Award gewonnen habe und zwar ÜBERRASCHUNG in Kategorie 17: Umweltkatastrophen:



„Überzeugt hat die Jury aus Wissenschaftlern, Journalisten und Designern das klare Konzept, die inhaltliche, leserfreundliche Darstellung und die prägnante, eindringliche Gestaltung der Seiten.“

So begründete Norbert Küpper, Zeitungsdesigner und Gründer des Wettbewerbs, die Entscheidung die Jury.

Irgendwie lustig. Ich dachte, jede Zeitung sollte jederzeit ein klares Konzept haben und die Inhalte leserfreundlich darstellen. Oder war letztlich doch nur fette Typo und dümmliche Bildmontage ausschlaggebend?

Geballte Kompetenz

Frank Herold Chef
Telemarketing
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Heiko Walkenhorst Wortführer
VerbAgentur
Werbeagentur Heidelberg
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Dr. Frauke Weber PR-Päpstin
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Gerold Braun
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