Dienstag, 20. Juni 2006
Vielen Dank an Kampagnenstart für diesen wunderbaren Text, den wir aus gegebenem Anlass in Gänze vorwegschicken möchten....
Es war einer dieser Winter-Sonntage, im Fernsehen lief nur Mist, der von anderem Mist unterbrochen wurde und die Sonne schien lang und hell. So hell, dass es mir schwer fiel, die dunklen Verfärbungen in den oberen Zimmerecken länger zu ignorieren. Fünf Jahre war es her, dass die Wände das letzte Mal frische Farbe gesehen hatten. Ich entschied mich, das Malen zur Abwechslung einem echten Profi zu überlassen, anstatt wie beim letzten Mal meine Kleidung weiß zu färben.
Gesagt getan, am darauf folgenden Montag suchte ich mir im Büro die Telefonnummern einiger Maler heraus, nahm mein Mobilteil und wählte die erste Nummer.
“Malermeisterbetrieb Steppmüller?”
“Guten Tag, hier Apostolou. Ich beabsichtige meine Wohnung anstreichen zu lassen. Ich möchte Sie zu einem Pitch einladen. Wann können Sie kommen?”
“Pisch? Sie meinen Kostenvoranschlag!?”
“Nein … Pitch mit t´ ohnes´ in der Mitte. Da streichen Sie vorab kostenlos einen Teil der Wohnung, um Ihre Kompetenz in Sachen Altweiß unter Beweis zu stellen.”
“Also … Sie wollen, dass ich Ihnen ein Zimmer streiche? Umsonst?? Damit Sie beurteilen können, ob ich anstreichen kann? Hören Sie mal, ich bin eingetragener Meister, ich streiche seit 20 Jahren …”
“Ja, deswegen habe ich mich auch entschieden, Sie zum Pitch einladen. Sie haben einen super Ruf in der Branche. Wissen Sie, mir - und vor allem meiner Partnerin - liegt die Qualität am Herzen. Außerdem möchten wir wissen, wie es so um Ihre Kreativität bestellt ist.”
“Wie Kreativität? Soll ich die Wohnung nun weiß streichen oder was?”
“Na ja, Sie wissen schon, Ihr Strich und so. Der persönliche Stil …”
“Das wird mit der Rolle gemacht. Inne Farbe rein, übers Abtropfgitter und auffe Tapete. Abrollen, Zack, Fertig! Das mach ich nun so seit 20 Jahren. Wie mein Vater davor und davor mein Großvater.”
“Das weiß ich auch zu schätzen. Ich beobachte die Entwicklung Ihres Unternehmens schon lange und kenne viele Ihrer exzellenten Arbeiten.”
“Dann wissen Sie doch, wie wir arbeiten.”
“Ja und nein. Wissen Sie, jedes Zimmer ist anders, hat individuelle Bedürfnisse. Sie müssen wissen, dass ich mir seit 41 Jahren Wände anschaue. Glauben Sie mir, Ich weiß inzwischen genau, wann mir eine Wand gefällt und wann nicht. Das muss schon alles passen.”
“Was muss passen? Die Farbe? Die bestimmen Sie doch?”
“Ja, ja, ja … aber wir müssen uns ja auch etwas beschnuppern, prüfen, wie die Zusammenarbeit so läuft. Das muss ich schon in meiner eigenen Wohnung sehen.”
“Wie jetzt Zusammenarbeit? Ich komme mit dem Gesellen und male die Wohnung, Sie schreiben einen Scheck. Fertig is.”
“Da lassen Sie aber eine Menge aus. Ich erwarte einen Zwischencheck um die Richtung festzulegen. Dann müssen meine Bekannten und Freunde den fertigen Anstrich sehen. Kann sein, dass Sie dann noch mal ran müssen.”
“Verstehe ich das richtig? Sie sagen ich soll altweiß malen, und wenn ich fertig bin, sagt Ihr Freund, rot wäre besser, so dass ich gratis noch mal alles in rot streichen darf …?”
“Jetzt verstehen wir uns. Außerdem ist meine Partnerin sehr eigen. Wenn Sie für uns arbeiten, müssten Sie sich verpflichten für ein Jahr keine Wohnung in Eppendorf und vor allem keine in altweiß zu streichen. Wir hätten da schon gern etwas Exklusivität.”
Klick … tut-tut-tut-tut
“Hallo …?”
Zu meinem Erstaunen verliefen die Gespräche mit den anderen Malermeistern, die ich mir aus dem Telefonbuch gesucht hatte, ähnlich. Keine Flexibilität, weder Kompromissbereitschaft, noch eine Spur von Höflichkeit. Einer der Malermeister hatte sogar die Chuzpe diverse kaum schmeichelhafte Vermutungen über meine Abstammung und meine Mutter zum Besten zu geben. Obwohl das nun wirklich nichts zur Sache beitrug. Ein anderer fragte mich, ob ich von `Verstehen Sie Spaß´ sei?
Ich fragte mich derweil eher, ob dieser Hans-Werner Sinn nicht eventuell doch recht mit seinem Buch hatte. Geht es uns Deutschen zu gut? Hat Handwerk goldenen Boden?? Warum bin ich dann in der Werbung???
Da war ich nun bereit, den Anstrich für meine Wohnung auszuschreiben - zwar ohne Garantien und mit jeder Menge Verpflichtungen - aber für immerhin knapp mehr als einen Euro die Stunde plus Material.
Egal, was soll’s? Dann nehme ich eben die billigen Polen, die mein Vermieter immer für alle seine Wohnung benutzt.
Ach verdammt. Da fällt mir ein: die muss ich ja laut Mietvertrag eh nehmen. Das sind die Lead-Maler meines Vermieters. Das ist keine Satire ....
Dienstag, 14. Februar 2006
So sagt unser Wortführer ja immer wieder gern. Auf ähnlicher Spur (Unterschied zwischen Wissen und Machen) fährt der OnlineShopBerater und beschreibt den Erfolg eines extrem simplifizierten E-Mail-Newsletters:
Kürzlich erlebt: eine simple 5-zeilige Textemail schlägt den (schon hochoptimierten) HTML-Newsletter des Onlineshops um das 5-fache.
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Kommentare
Sa, 05.07.2008 22:51
Toll, dass Sie beide den Tipp gut finden. Es kommt bei einer Rede oder Präsentation tatsächlic [...]
Sa, 05.07.2008 08:09
Vielen Dank für den Zuwurf und ein schönes Wochenende!
Fr, 04.07.2008 22:02
scharfsinnig beobachtet! die "schönsten" Eigentore als Präsenter schießt man sich halt immer n [...]
Fr, 04.07.2008 21:08
Beim zappen durch Premiere hab ich dann doch noch ein Spiel anzusehen. Nach so viel Fussball E [...]
Fr, 04.07.2008 17:24
Super! Das sind wohl die kleinen aber feinen Unterschiede, die in der Gesamtheit eine Präsenta [...]
Fr, 04.07.2008 11:28
Was vor lauter Schreck mach ich denn dann dieses Wochenende? Zum Glück gibts dann noch die For [...]
Fr, 04.07.2008 11:07
Danke! Stimmt ja die Bundesliga läuft erst wieder im August. Irgendwie hatte man sich an jeden [...]
Do, 03.07.2008 17:39
Ein wirklich wahres Sprichwort =D Sehr interessanter blog hier, macht Spass zu lesen...
Mi, 02.07.2008 13:21
Getreu dem Motto: Neues muß nicht immer gut sein!
Mi, 02.07.2008 13:17
... ist es nicht überall so? Egal auf welcher Seite des Schreibtisches man sich befindet, eine [...]
Mi, 02.07.2008 11:24
Ach ja: In unserem Fall kann der Journalist entscheiden, ob diese Grenze zwischen ihm und den [...]
Mi, 02.07.2008 11:22
Im Bereich des Filmjournalismus zum Beispiel gibt es eine Grenze (über die ich dieser Tage sow [...]
Mi, 02.07.2008 10:41
Unter den Marketing- Weblogs findet ein kleiner Fackellauf statt und auch ich habe ein Stöcken [...]
Mo, 30.06.2008 17:23
Hmm, erinnert mich an Googles Kampagne mit dem Plakat und der Formel, als sie Programmierer suchten.
Fr, 27.06.2008 14:11
Na, ich bin ja mal gespannt wer hier das Beste Routing hat
Fr, 27.06.2008 14:07
Und schon ist es weg und auf dem Weg nach Leverkusen.
Di, 24.06.2008 16:38
In der Marketing- und Kommunikationsbranche gibt es besonders viele Fachblogs, zumindest is [...]
Mo, 23.06.2008 17:19
Ich kann nur sagen, dass wir mit den Artikelverzeichnissen bislang noch immer Erfolge einfahre [...]
Mi, 18.06.2008 10:01
Ja, da freuen sich die Leser! Noch als Ergänzung. Es war weniger die Uni Fribourg selbst, die [...]
Mi, 18.06.2008 08:59
Kein Alkohol ist auch keine Lösung.