Was was ist, ob Werbung Kunst oder Kunst Werbung oder oder oder wird ja immer wieder gerne in Feuilletons behandelt. (Mir wäre es ja schon recht, würde man erkennen, ob Werbung Werbung und Kunst Kunst ist, aber egal.) Wäre Werbung Kunst gäbe es keine Kunden, sondern Mäzene, die zwar Geld, aber kein Mitspracherecht haben. So gesehen ist Werbung definitiv keine Kunst.
Und wer es anders sehen will? Nun, für den gibt es jetzt wieder was:
Radical Advertising nennt sich die Ausstellung mit dem (Eigenwerbung:) provokanten Titel, die im NRW-Forum in Düsseldorf zu sehen ist.

Dabei gibt es natürlich allerlei "Künstlerisches", wobei das meiste doch kaum über das normale Niveau von Abiturientenmodifikationen gehen dürfte. Das mag auf den ersten Blick ganz lustig sein, aber dann? Dann ist es doch wieder Werbung. Gerade so genannte
Adbusters tragen enorm zur Markenbekanntheit bei, da durch sie genau die Menschen erreicht werden, die Werbung an sich nicht erreicht.
Adbusters (advertisement = Werbung + busting = zerstören) nennen sich Gruppen, die Werbung im öffentlichen Raum (Außenwerbung) verfremden, überkleben oder auf andere Weise umgestalten, um so ihren Sinn umzudrehen oder lächerlich zu machen. Die Adbusters sind eine Form der Kommunikationsguerilla.
Es handelt sich dabei um Kritik an der Konsumgesellschaft, an den Bildwelten der Werbefotografie und einer von Adbusters kritisierten visuellen Umweltverschmutzung. Vor allem wird beklagt, dass es kaum noch Lebensbereiche gebe, in denen man sich Werbung entziehen könne.
Gerade Letzteres aus dem
wikipedia-Eintrag ist klassisch intellektuell-weltfremd sowie pseudo-pointiert fabuliert, da es diese Bereiche sehr wohl gibt: Wald, Meer, Vorortsiedlungen, in denen keiner wohnen, geschweige denn: leben will.
Aber man jammert halt, sucht sich seine Bestätigung und ist reflektionsfrei genug, dass man selbst auf die gleichen Mechanismen setzt, um exakt das gleiche zu bekommen: Aufmerksamkeit. Somit sind sie dasselbe wie der Bildblog: nichts weiter als eine Laus im Muttertier. (
Danke, Henryk M. Broder)
Nochmal zur Ausstellung:
Im Grunde kreist die Düsseldorfer Schau zwei Paradigmenwechsel ein. Im ersten Teil – von Benetton bis Helmut Lang - versammelt sie Werbestrategien, die den klassischen Marketingregeln widersprechen. Im Fachjargon heißt das "Reverse Psychology Marketing": Statt Produkte anzupreisen, fordern die Marken Intelligenz und Problembewusstsein der Rezipienten heraus, geben sie sich nicht als Verführer, sondern als Aufklärer.
Um einen formalen Paradigmenwechsel geht es im zweiten Teil. Zielten die Neuerungen der neunziger Jahre auf das "Was" der Botschaft, wird derzeit das "Wie" des Weges zu den Konsumenten revolutioniert. Und der führt weg von den Massenmedien.
Mit dieser Beschreibung (
Spiegel Online) ist die Grenze zur mentalen Masturbation überschritten. Da wird nicht selten Prä
pubertäres postrationalisiert. Naja, es scheint aber wohl einen Bedarf zu geben und wem das gefällt ... bitte sehr.
Die Ausstellung ist noch bis zum 26. August 2008 zu sehen.
Kommentare
Mi, 23.07.2008 16:54
... erinnert an Martin Luther King, vom Stil her find ich´s garnicht so schlecht: klar, offen, [...]
Mi, 23.07.2008 15:46
Ja, ja, die gute alte Propaganda-Optik, nur dass die Raketen fehlen, aber ansonsten 1:1
Mi, 23.07.2008 13:18
Hallo, sehr nett sowas. Die Dame mit Z. kenne ich glaube ich auch. Hat die nicht 4000+ Kont [...]
Mi, 23.07.2008 12:55
jhgjghjhg
Di, 22.07.2008 19:03
also, ich seh das so: Team-Arbeit = Zusammenschluss von mehreren Personen zur Lösung einer [...]
Di, 22.07.2008 18:09
Ich find das auch eine klasse Idee
Mo, 21.07.2008 13:40
Dir auch einen guten Tag. Ich kommen gerade von Det Müllers Blog und werde mich hier mal umsch [...]
So, 20.07.2008 23:13
Na ist aber doch schön zu lesen, dass Data Becker zumindest weiß, wie man das mit dem Marketin [...]
So, 20.07.2008 15:23
Manchmal kann man sich wirklich nur noch wundern kopfschüttel
Do, 17.07.2008 23:57
Schönes Zitat, ich stimme voll und ganz zu
Do, 17.07.2008 11:44
Sehr gut! Absolut richtig! Genau meine Meinung!
Mi, 16.07.2008 16:57
Das ist ja echt mal eine lustige sache =)
Mi, 16.07.2008 16:03
lol^^
Mi, 16.07.2008 11:37
Vermutlich war ihr selbst nicht ganz bewusst wie ihr eigenes schreiben letztendlich wirkt und [...]
Di, 15.07.2008 12:31
Man kann einfach, wenn man so etwas initial versucht, ein weniglich kreativer an die Sache ran [...]
Di, 15.07.2008 12:25
Also manche Menschen kommen ja auf Ideen, die einem beim ersten Kaffee im Büro ein dickes Sch [...]
Di, 15.07.2008 11:48
Natürlich meint sie es so. Vielleicht könnte sie es aber auch so sagen? Noch besser: Sie vorab [...]
Di, 15.07.2008 11:42
Oh, ich glaube sie meinte es eher so, dass sie über Euch Ihre Werbefläche vermitteln lassen wi [...]
Mo, 14.07.2008 19:40
Heftig! Gut zu wissen das die Autorin Ihr behandeltes Thema auch selbst lebt.... Das finde [...]
Mo, 14.07.2008 15:29
... das dürfte wohl dasselbe sein!