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Presseverhinderer, Part XI

Diejenigen, die erfolgreich Öffentlichkeitsarbeit betreiben, kennen das. Zur Genüge. Heute geht es um die Textfreigabe.

Häufig könnte man meinen, Texte seien Gefangene der Unternehmen. Bis die mal rauskommen, kann es Jahre dauern. Oder zumindest Wochen. Leidtragende sind normalerweise die Verfasser. Denn die haben sich viel Mühe gegeben, zu einem aktuellen Anlass auch etwas zu schreiben.

Und dann kommt da diese Textfreigabe. Für alle, die das nicht kennen, es funktioniert so: Der Verfasser, nennen wir ihn mal Herr Pressesprecher, verfasst einen Text. Gehen wir davon aus, dass er eine simple Produktmeldung unters Volk bringen will und ein ganz aktueller Aufhänger aus dem Tagesgeschehen sich anbietet.

Vielleicht schreibt Herr Pressesprecher über Handschuhe. Und weil heute die Kanzlerin in Grönland ist, würde so ein Handschuhtext ganz gut passen, um etwas Aufmerksamkeit zu bekommen (vielleicht...). Vor ein paar Tagen hat Herr Pressesprecher das erfahren. Und gleich seinen Text geschrieben.

Jetzt wartet er. Denn sein Text muss vom Produktverantwortlichen freigegeben werden. Das ist Frau Handschuh. Die ist zum Glück nicht im Urlaub. Aber furchtbar beschäftigt. Und sie meint, in Grönland sei es mitten im Sommer gar nicht so kalt. Sie ersetzt also Grönland durch Antarktis.

Herr Pressesprecher spricht mit ihr. Er macht ihr klar, dass der Text dann aus aktuellem Anlass nicht mehr funktioniert, denn die Kanzlerin ist ja nun mal in Grönland. Also, alles zurück. Auf zur nächsten Instanz. Die Zeit drängt ein wenig, denn Frau Merkel ist nur heute in Grönland.

Jetzt geht der Text an Herrn Wichtig. Er ist derjenige im Unternehmen, der richtig was zu melden hat. Und deshalb ist er auch selten da. Und wenn er da ist, ist er in Meetings. Bis er die Ruhe hat, einen Text zu lesen, vergehen Tage.

Sie ahnen es. Herr Wichtig liest den Text. Er ist auch inhaltlich einverstanden und findet nur einen Kommafehler. Sein o.k. kommt allerdings erst übermorgen. Dann, wenn sich kein Mensch mehr für Grönland interessiert.

Herr Pressesprecher hat nun zwei Möglichkeiten: entweder er verschickt seinen Text trotzdem, oder er lässt es. Dann war alles für die Katz. So oder so wird ihn Herr Wichtig später fragen, warum eigentlich dieses aktuelle Thema niemals zu einer Veröffentlichung führte.

Presseverhinderer is watching you!

Die größten Presseverhinderer sind leider häufig Leute, mit denen man sich nur ungern anlegt. Wenn man es tut, dann hat das meist negative Konsequenzen. Die Rede ist hier von den Chefs. Und zwar genau von denen, die den Pressesprechern in den Unternehmen etwas zu sagen haben. Oft sind das leider Leute, die sich durch große Beratungsresistenz auszeichnen.

Als ich einst Pressesprecherin war, erlebte ich einen schönen Fall von gezielter Presseverhinderung. Mein damaliger Chef, Maschinenbauingenieur und Geschäftsführer einer GmbH & Co. KG, wollte unbedingt ein Thema in die Fachpresse bringen, das dafür nur äußerst bedingt geeignet war. Eine Besuchergruppe aus China wollte sich über das Unternehmen informieren.

Das spielte sich zu einer Zeit ab, als der momentan grassierende Nachrichtenboom zum Thema China noch nicht einmal im Ansatz begonnen hatte. Die von uns regelmäßig mit Unternehmensmeldungen versorgte Fachpresse für Auto-Werkstätten in Deutschland interessierte sich damals leider herzlich wenig für Delegationen aus China...

Also tat ich es: ich sagte meinem Chef, dass es eventuell doch keine so gute Idee sei, mit dieser doch sehr wenig interessanten Meldung Redaktionen zu langweilen, die doch schon genug Informationen bekämen. Dazu kam übrigens ein echt grottenschlechtes Gruppenfoto mit den Chinesen. Ein Amateurfoto mit niedriger Auflösung, auf dem sowieso nichts zu erkennen war. Es machte leider auch niemanden neugierig.

Ehrlich gesagt: mir war es peinlich, eine solche Sache unters Volk bringen zu müssen. Ich versuchte den Chef zu überzeugen, dass die Geschichte eh niemand bringen würde und dass wir damit eher mehr kaputt machen würden als gute Beziehungen aufzubauen. Er wollte es trotzdem. Das Dumme war: er war der Chef.

Also schrieb ich eine Pressemitteilung. Ich versuchte echt noch, der Sache irgendwas Positives abzugewinnen, aber es gelang mir nicht. Ich verschickte den Text mit Bild und harrte der Dinge, die da kamen.

Raten Sie mal, wie oft die Geschichte den Weg in die Zeitschriften fand. Null mal. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass mich dies mit großer Genugtuung erfüllte. Noch nicht einmal die täglich erscheinenden elektronischen Newsletter, die froh über jede noch so kleine Nachricht waren, erbarmten sich der erbärmlichen Story.

Mein Chef ist link

...besessen, aber so ist er halt, und das gibt es zu feiern:

Frank Herold, Chef und Initiator des Besserwerber-Blogs,
feiert heute zum wiederholten Male seinen 29. Geburtstag.

Da gratuliere ich ganz herlich und bitte dich, es ebenfalls zu tun,
am besten, statt mit einem Ruck-, denn den hat er schon, mit einem Trackback.

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