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Renaissance des Reihenhauses

Jeder kennt es, das gute alte Reihenhaus. Als Kind habe ich selbst drin gewohnt. Damals war das nichts besonderes. Und wenn wir ehrlich sind, dann hat das Reihenhaus so gar nichts Stylishes, Modernes. Nein. Es ist der Inbegriff der Muffigkeit, Enge und der Treppenstufen.

Denn es will ein Haus sein, obwohl es eingezwängt steht zwischen seinen Nachbarn und vor allem die Wände mit ihnen teilt. So wird jede Party in der Nachbarschaft zur eigenen. Sehr gut erinnere ich mich noch an das Dröhnen der Treppenstufen unserer Nachbarn.

Jetzt aber erfährt das Reihenhaus den Ritterschlag. Die Veredelung. Es kommt zurück in unsere Mitte. Sogar in die Mitte unserer Hauptstadt Berlin. Und nennt sich jetzt vornehm "Townhouse". Das sind genau wie früher Häuser, deren Wände aneinander stoßen.

Diese Bauform soll wieder Familien in die Stadt locken. Menschen also, die ihre Kinder in den handtuchgroßen Gärten spielen lassen möchten. Damit das nicht so muffig klingt, hat man die Reihenhäuser zu Townhouses erklärt und wir können froh sein, dass es keine Townhäuser geworden sind.

Und Towhnhouses sind stylish. Sie sind individuell. Sie sind viel toller als ein Reihenhaus. Und sie machen Schule. Denn schon will das nächste Projekt auf diese Weise Punkte machen. Schon gibt es die nächste Reihenhaussiedlung in Berlin

Das tolle am Townhouse ist: es funktioniert. Kaum jemand denkt an das enge Reihenhaus angesichts der Verdenglischung. Warten wir mal ab, wie wir in zwanzig Jahren über das Townhouse denken...

Denglisch und kein Ende

Wiederholt haben wir uns ja hier schon ausgelassen über Perlen der deutschen Sprache. Gerade ist mir wieder so ein prima Denglisch-Text über den Weg gelaufen. Es fällt ja auf, dass gerade bei Firmen, die im Internet unterwegs sind, eine extreme Inflation des Denglischen zu beobachten ist. Aber sehen Sie selbst:

Das Düsseldorfer Internet Start-up A better tomorrow launcht heute die neue Aktionsreihe „TeeDash“
Aufbauend auf dem großen Erfolg der „Cheap Friday“ Reihe, bei der es jeden Freitag ein Artikel aus dem Sortiment der Streetwear Community stark reduziert gibt, erweitern die Düsseldorfer ihr „Live Shopping“ Angebot. Beim Teedash gibt es besondere Designshirts nicht nur an einem Tag zu einem sehr guten Preis (12 Euro) sondern auch limitiert nur an diesem Tag. Das vorgestellte Design kann nach 24 Stunden definitv nicht mehr erworben werden. Los geht’s heute mit einem ausgefallenen Design des Ausnahmedesigners Dekorone auf www.a-better-tomorrow.com.


Klar, irgendwie kann man das verstehen. Aber ist es wirklich unbedingt nötig, so viel Denglisch zu produzieren? Und: will das die Zielgruppe wirklich? Die verstehen doch auch Deutsch, oder?

Ich versteh nur Bahnhof

Da stolpere ich doch gerade über eine Perle deutscher Sprachkultur. Das muss man sich wirklich mal auf der Zunge zergehen lassen:

Moconso launched interaktiven Wizard für mobile Applikationen


Da ist echt EIN deutsche Wort drin: für. Und das ist nur die Überschrift (ich hätte jetzt auch Headline sagen können). Es geht ja noch weiter:

Download Wizard für mobile Applikationen geht live - Intelligente Software-Hilfe begleitet kompletten Installationsprozess - Der österreichische Online-Wettanbieter bet-at-home.com profitiert als erster Kunde...

Moconso, Spezialist für Mobile Connected Solutions, hat einen dynamischen Wizard für mobile Anwendungen entwickelt, der dem Nutzer beim Download von mobilen Anwendungen hilft. Dabei handelt es sich um eine interaktive und sehr einfach gestaltete Online-Hilfe, die den User durch den kompletten Download- bzw. Installationsprozess begleitet und sogar die nötigen Einstellungen wie etwa Internet-Settings am Telefon vornimmt.


Ich möchte jetzt hier ja wirklich nicht als Moralapostel (gibt's das auch in weiblich?) für die deutsche Sprache auftreten, aber wäre es nicht auch möglich gewesen, das ganze in einigermaßen normalen Alltagsworten auszudrücken? Ich hab mal gelernt, dass Pressetexte in erster Linie verständlich sein sollen.

Nicht, dass Sie jetzt denken, dass ich nicht verstehe, was da drin steht. Ich versteh das schon. Irgendwie. Aber wer von uns will denn "Mobile Connected Solutions"? Das hört sich doch eklig an.

Wenn der "User" sich nun bei Moconso mit Hilfe des "Wizard" durch die Downloads klickt, erwartet ihn dann das gleiche Chinesisch? Schließlich soll ihm das Dings ja helfen, dachte ich. Wenn der dann neben der Hilfe noch das Fremd- und Englischwörterbuch braucht, dann hilft ihm das ja auch nicht, oder?

Denglisch for Runaways

Eine Stilblüte deutscher Kommunikation wollte ich unseren Lesern nicht vorenthalten.

    wir setzten heute zum Shapen unseres Traffic den Net Enforcer von Allot netenforcer ein. Dieses Produkt hat eine Telnet Schnittstelle mit dem an den Kommandos übertragbar sind mit dem man den wieder als Traffic Shaper und Traffic volume counter einsetzen kann


Ich vermute, es geht hier irgendwie um IT-Technologie. Sicher bin ich nicht. Ich bin aber sicher, dass Leute aus der Branche den auch verstehen würden. Ob die das weiterbringt?

Gespannt bin ich auf die Übersetzungen, die hier sicherlich zahlreich eintreffen werden.

Schriftleitung? Das hatten wir doch schon mal...

Die Pflege der Deutschen Sprache liegt vielen Menschen am Herzen. Mir auch. Schließlich macht sie es möglich, dass wir uns hier differenziert äußern können und unsere Landsleute uns verstehen. Überflüssiges Denglisch bringt auch keinen weiter. Aber eben war ich doch etwas überrascht:

Nachem Ende der vergangenen Woche mal wieder das Unwort des Jahres gekürt wurde, habe ich mir jetzt die Homepage der Deutschen Sprachwelt genauer angeschaut. Und stolpere über eine e-mail, ähhhhh, e-Post-Adresse, die Schriftleitung@deutsche-sprache.de lautet.

Wie bitte? Schriftleitung? Erinnern sich nicht zu viele von uns noch an das Schriftleitergesetz? Das wollen die von der Deutschen Sprachwelt sicher auch nicht zurück haben. Schriftleiter war das Wort, das die Nazis als Ersatz für das allgemein verstandene Wort Redakteur verwendeten. Seither hat Schriftleiter irgendwie einen schalen Beigeschmack.

Ich mag Deutsch. Echt. Aber manchmal geht mir die Liebe zur Muttersprache einfach zu weit. Was sagt denn jemand, der Schriftleitung sagt, zum schönen deutschen Wort Büro? Das kommt ja schließlich auch von unseren französischen Nachbarn.

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