Montag, 29. Oktober 2007
16:59
Frauen sind dumm
Hin und wieder blicke ich auf das Onlineangebot der St. Pauli-Nachrichten der Werbebrangsch und dort auch gern auf das, was man dort "Kreation des Tages " nennt. Ich finde diese Rubrik immer sehr schön, denn Selektion und Diktion künden nicht selten von jenem esprit-freien Neo-Biedermeier, wie er arrivierten Germanistinnen zu eigen ist. Und auch diesmal wartet man dort wieder mit einem Kommentar auf, der mich grausen lässt und den Kohlhaas in mir hervorruft. Dürfte man das (was in den letzten beiden Sätzen steht) bei umgekehrten Geschlechterrollen sagen?

Aber die Kampagne suggeriert ja nur. Interessanterweise scheint es erwähnenswert zu sein, dass eine Kampagne suggeriert, dass das beworbene Produkt es wert ist, seiner Bestimmung nach genutzt zu werden. Ich freue mich schon auf morgen, wenn es heißt:
"Sich mit dieser Creme zu pflegen, scheint es wert zu sein, suggeriert die Kampagne." oder:
"Mit diesem Auto zu fahren, scheint es wert zu sein, suggeriert die Kampagne." oder:
"Dieses Blatt zu lesen, scheint es wert zu sein, suggeriert die Kampagne." Im Gegensatz zu
Das zu lesen, ist es anscheindend wert, suggeriert die Redaktion.

Normalerweise sind Anzeigen oder Trailer für TV-Sendung selten besonders kreativ oder gar witzig. Sondern meistens erfüllen sie den Zweck, für den sie geschaffen wurden. Sie informieren über neue Sendungen oder Staffeln und machen die Zielgruppe darauf aufmerksam. Dazu prangt groß der Sendetermin auf der Seite, dazu gibt es dann noch groß das Senderlogo und - wenn noch Platz ist - den Kopf des Moderators. Auch das Kabel 1-Motiv wartet mit einem großen Sendehinweis auf. Aber noch größer sind die verzweifelten Augen des kleinen Jungen. Gefangen in seinem Kinderwagen oder Stühlchen bleibt ihm nur ein Keks-SOS. Das also ist das Resultat, wenn Männer alleine zu Hause sind. Sich das anzuschauen, scheint es wert zu sein, suggeriert die Kampagne.
Aber die Kampagne suggeriert ja nur. Interessanterweise scheint es erwähnenswert zu sein, dass eine Kampagne suggeriert, dass das beworbene Produkt es wert ist, seiner Bestimmung nach genutzt zu werden. Ich freue mich schon auf morgen, wenn es heißt:
"Sich mit dieser Creme zu pflegen, scheint es wert zu sein, suggeriert die Kampagne." oder:
"Mit diesem Auto zu fahren, scheint es wert zu sein, suggeriert die Kampagne." oder:
"Dieses Blatt zu lesen, scheint es wert zu sein, suggeriert die Kampagne." Im Gegensatz zu
Das zu lesen, ist es anscheindend wert, suggeriert die Redaktion.
Geschrieben von Heiko Walkenhorst in Kulturmarketing
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