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Der Presseverhinderer, das unbekannte Wesen

Wer ein richtiger Presseverhinderer werden will, sollte immer ganz genau hinschauen, was die Profis so machen. Und die echten Profis unter den Presseverhinderern sind die, die jeden Text vor der Veröffentlichung nochmal sehen möchten. Jede Meldung, jeden Fachartikel. Alles eben.

Das mag keiner. Man sollte auch davon ausgehen können, dass ein Profi unter den Journalisten es schafft, einen Sachverhalt richtig wiederzugeben.

Manchmal allerdings gibt es Journalisten, die bei komplizierten Vorgängen darum bitten, noch einmal über den fertigen Text zu schauen. Damit wirklich alles stimmt. Und da kommen die Presseverhinderer ganz groß raus.

Die gucken nämlich nicht bloß drüber, nein. Die verhindern richtig. Sie korrigieren alles (obwohl das ja noch gar nicht durch die Schlussredaktion gegangen ist). Sie finden Kommafehler, wo gar keine sind. Sie korrigieren ss und ß, was das Zeug hält, und das falsch. Sie verschlimmbessern die Grammatik. Sie lassen sich völlig neue Sätze einfallen. Und schicken das dann stolz zurück.

Manche von diesen Presseverhinderer-Profis sollen sich schon gewundert haben, dass diese Artikel dann nie erschienen sind. Oder doch so ganz anders. Und dass nie wieder eine Anfrage kam. Komisch.

Unter Presseverhinderern

Es gab einmal eine Zeit, da war ich Pressesprecherin. In einem bodenständigen deutschen Unternehmen. Dort ging es sehr bodenständig zu, und vor allem sehr technisch. So kam es, dass manchmal Journalisten einen Artikel schrieben und ihn vor der Veröffentlichung nochmal an mich schickten. Man wollte sichergehen, dass inhaltlich alles stimmt.

Schließlich will ja niemand etwas Falsches schreiben. Noch nicht einmal über diese bodenständige deutsche Firma. Und weil ich das ja als Pressesprecherin auch nicht wollte, gab ich das Ganze an die entsprechende Fachabteilung. Schließlich hatten die Leute dort das entsprechende Know-How, um wirklich die kleinste technische Kleinigkeit prüfen zu können.

Und dann passierte es: der Super-Gau. Der sehr technisch versierte Maschinenbauer-Kollege fing an, den Text des Journalisten zu verbessern, ach was sag ich: verschlimmbessern. Er warf die Worte in die Waagschale, als hätte er den Text selbst geschrieben. In schönstem Maschinenbauerdeutsch. Und was allem noch die Krone aufsetzte, er schickte den so bearbeiteten Text an den Journalisten.

Es dauerte keine zehn Minuten, da klingelte mein Telefon. Ich wusste von nichts, denn ich rechnete damit, dass der Kollege mir den Text gibt und ich ihn dann weiterreiche. Ich nahm ab und hörte eine aufgebrachte Stimme:

„Sagen Sie mal, spinnt der denn?“, fragte es erbost. Ahnungslos antwortete ich, dass ich nicht wüsste, wovon er denn spräche. Der Journalist schilderte mir den Sachverhalt und sagte verärgert, dass er den Text nun wohl in der ursprünglichen Form veröffentlichen würde. Er war stinksauer. Auf meinen Kollegen. Auf mich. Auf die ganze Firma.

Ich hatte große Mühe, den Mann wieder zu beruhigen. Ich musste mit dem Kollegen reden. Ich musste den verschlimmbesserten Text wieder zu einem normalen Text machen. Ich musste am Image der Firma rumpolieren. Ich musste das Ego des Journalisten wieder aufrichten. Es war schrecklich.

Von da an wusste ich genau: in so einer Firma ist man ständig unter Presseverhinderern. Sie lauern überall und man muss sie immer in Schach halten. Nur wer ständig mit ihnen rechnet, wird überleben.

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