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Ungeschlagen: die Milch-Schnitte

"Der Goldene Windbeutel" - die Auszeichnung von foodwatch.de geht dieses Jahr nach einer Online-Abstimmung an Ferrero für ihr Produkt „Milch-Schnitte“.

Damit zeichnen die Ökotrophologen unter den Gutmenschen alljährlich die Produkte mit der, in ihrem Sprech: "dreistesten Werbelüge des Jahres" aus.

Nun haben wir uns schon der Vorstellung der Kandidaten 2011 ausführlich mit der "Argumentation" in der Nominierung auseinandergesetzt. Es stimmt, geehrter HanseatUnikat: ein gefundenes Fressen für die Besserwerber.

Es lohnt sich, das Ganze erneut genauer anzuschauen. Moniert wurde also die Aussage

„Schmeckt leicht. Belastet nicht. Ideal für zwischendurch.“

Diese werbliche Aussage wird in der Werbung für dieses Produkt schon lange gebraucht. Ist das also wirklich die dreisteste Werbelüge des Jahres? Und ist es überhaupt eine Lüge. Dies suggerieren die Preisausschreiber, in dem sie sagen:

"Tatsächlich jedoch besteht die Milch-Schnitte zu etwa 60 Prozent aus Fett und Zucker."

Die inhaltiche Faktizität bestreitet niemand. Was soll aber dieses "tatsächlich jedoch"? Das ist hochgradig manipulativ. Hier wird eine Kausalität hergestellt, wo keine ist. Das ist Rhetorik vom Feinsten, aber eben alles andere als koscher. Denn es gibt noch viele andere Produkte, die wesentlich höhere Anteile an Fett und Zucker haben, die aber dennoch als gesund gelten: Butter, Öl und so manches Salatdressing würde so manchem Grubenarbeiter Kraft für ein Flöz alleine geben.

Natürlich versucht der Produzent sein Produkt besonders positiv darzustellen. Das ist legitim. Und das man mit dem Produkt selbst nicht einverstanden ist, ist auch in Ordnung. Hier aber Begriffe wie "Lüge" zu benutzen, um ein missbeliebiges Produkt zu stigmatisieren, ist schlicht gelogen, denn die Aussage ist keine Lüge.

"Schmeckt leicht." - Geschmackssache.
"Belastet nicht." Wen? Den Körper? Den Geist? Den Geldbeutel? Den Organismus? Egal, es stimmt: Das Produkt selbst belastet nicht. Man sollte es vielleicht nicht zu sich nehmen, wenn man sich wenig bewegt und auch sonst das ist, was man früher einen "guten Esser" nannte, aber das obliegt ja dem Einzelnen selbst. Hierfür muss man schon selbst Verantwortung übernehmen können für sich wie für seine Kinder - zumal Gutmenschen ja sonst zumindest den Menschen gerne als "mündig" ansehen, was sie aber nicht davon abhält, uns bevormunden zu wollen.
"Ideal für zwischendurch." - Auch hier: stimmt. Halt alles eine Frage der Details, z. B. zwischen was? Zwischen zwei Mahlzeiten? Dann ist es richtig, wenn die Mahlzeiten zeitlich weit genug voneinander weg sind. Es wäre falsch, wenn das gemeint wäre, zwischen jedem Augenblinzeln. Aber das steht da ja NICHT: "Fresset es stets!"

Nein, nein, was foodwatch.de hier veranstaltet ist bestenfalls mit "illokutiver Kommunikation" zu benennen, wenn man den Begriff der "Propaganda" oder gar "Agitation" vermeiden will. Aber das ist ein bedauerlicherweise sehr gegenwärtiges Kommunikationsmuster, dass da, wo die Argumente fehlen, Emotionen geschürt werden, aus denen wiederum dann (subjektive) Wahrheiten entstehen sollen. So hat sich ja auch Frau Schwarzer nicht erblödet, die Eheschließung von Herrn Kachelmann in Zusammenhang mit dem Tatvorwurf zu bringen, obwohl es hierfür nun wahrlich keinerlei Zusammenhang gibt. Nun ist diese Form der Kommunikation nicht neu. Die gab es schon bei Cato, dem Älteren sowie Joseph, dem Hinkenden, das ist Rhetorik. Man sollte sich aber selbst nicht auf das Niveau dessen begeben, was man bekämpft.

Lügen, um jemanden der Lüge zu bezichtigen, ist nicht gut, Mensch!

Und überhaupt: Immer noch weiß ich nicht, was eine "Werbelüge" ist.

Ich nehme an, es ist bloß ein manipulativer Neologismus, den man wohl geprägt hat, um juristische Konsequenzen aus wiederum seinem manipulativen Tun zu vermeiden. Ich frage mich nun: Wäre dies clever? Oder ist es nicht schlicht feige?
Hm, gibt es eigentlich schon den "Goldenen Janus"?

Ich würde foodwatch.de vorschlagen.

Food Watch warnt, CapriSonne tut nichts

Da haben wir ihn also, den Fall, vor dem jeder PR-Mensch gewarnt wird: den Krisen-Fall. Denn heute schallt es aus dem Radio und auch Spiegel-Online weiß es. CapriSonne ist ungesund. Das wusste im Grunde genommen jeder schon immer.

Doch seit unserer Kindheit begleitet uns das Getränk auf jedem Wandertag und die Kleinen genießen es, wann immer sie unterwegs sind. Da sollen ja auch Früchte drin sein. Ob sie es sind oder nicht, darüber streitet man jetzt. Und das ganz öffentlich.

Keiner allerdings streitet darüber, dass in einer kleinen Tüte des Getränks ungefähr 6,5 Würfel Zucker sind. Und jede Menge Aromastoffe. Das ist wenig hip. Und Foodwatch warnt vor faulem Fruchtzauber.

Man könnte auf die Idee kommen, dass man im Hause CapriSonne auf diesen Fall vorbereitet war. Denn wer kennt die Inhaltsstoffe besser als der Hersteller selbst. Und so hätte man einen Plan zur Krisenkommunikation machen können, der genau jetzt zum Einsatz gekommen wäre. Aber was passiert? Nichts.

Auf der Website des Unternehmens findet man eine Pressemeldung vom 11.2.09, das ist die aktuellste. Dabei wäre es gerade jetzt vorteilhaft, Stellung zu beziehen. Denn einen ruinierten Ruf wieder zu polieren ist langwierig und teuer.

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