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Presseverhinderer schreiben tolle E-Mails

Gestern war es mal wieder so weit. Ein echter Presseverhinderer hat mir eine E-Mail geschickt, die nach allen Regeln der Kunst verfasst war. Ein Wunder war schon, dass sie überhaupt durch den Spamfilter kam, so ganz ohne Betreff. Ich bekomme ja wirklich kaum Mails, was brauche ich da noch ein Betreff?

Und der überaus informative Text hat mich so richtig neugierig gemacht, den Anhang zu öffnen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

in der Anlage übersenden wir Ihnen die aktuelle Pressemitteilung unseres Kunden XXX mit Sitz in (Ort, falsch geschrieben), verbunden mit der freundlichen Bitte um redaktionelle Berücksichtigung und Zusendung eines Belegexemplars bzw. des entsprechenden Link.

Das Fotomaterial steht Ihnen frei zur Verfügung, wir weißen (sic!) jedoch ausdrücklich darauf hin bei der Verwendung des XXX-Fotos unbedingt die Quelle zu nennen.

Für weitere Informationen stehen wir jederzeit gerne zur Verfügung.


Mit freundlichen Grüßen


Nun, Rechtschreibfehler sollten auch in Anschreiben zu Pressetexten möglichst nicht vorkommen, aber über die könnte man ja noch hinwegsehen... Frage ist nur: wer braucht eigentlich das Anschreiben? Ob eine Pressemeldung persönlich adressiert sein muss oder nicht, liegt sicher im Auge des Betrachters. In dieser Kombination hat unser Presseverhinderer allerdings so richtig ins Schwarze getroffen.

Was mich am meisten mit Sorge erfüllt: der Mann ist von Haus aus Journalist. Er müsste doch wissen, was man da so lesen möchte...

Presseverhinderer auf der Preisverleihung

Neulich war ich als Journalistin auf einer Preisverleihung. Und wenn man dann im Anschluss als Zeitschrift darüber berichten möchte, ist es immer gut, wenn man ein schönes Foto der Preisträger mit ihrem Preis hat. Man glaubt gar nicht, wie schlecht so etwas organisiert sein kann...

Bei dieser Veranstaltung lief eigentlich fast alles schief. Alle Preisträger standen vor einer Leinwand. Und darauf wurden Informationen zu den Geehrten projiziert. Die hatten dann alle Schrift und Bilder im Gesicht und mussten zusätzlich noch blinzeln. Keine schönen Motive.

Außerdem: man empfing seine Urkunde aus der Hand eines Promis, der jedem Preisträger noch ein paar warme Worte mit auf den Weg gab. Zeit zum Fotografieren? Fehlanzeige.

Am Schluss wurde ein Fototermin versprochen. Der wurde aber gründlich durch das parallel gereichte Essen torpediert. Wer will sich schon fotografieren lassen, wenn er dabei Garnelen und Co versäumt?

Wer Veranstaltungen mit Medienpräsenz plant, sollte im Vorfeld eigentlich immer ein paar Gedanken daran verschwenden, wie denn das Fotografieren in den Ablauf mit eingebaut werden kann. Denn gute Fotos sind ja auch im Interesse der Veranstalter.

Solche Abläufe sollte man vorab üben. Bis das richtig sitzt. Noch mehr natürlich, wenn auch noch das Fernsehen im Boot ist. Denn Berichte werden wesentlich kürzer ausfallen, wenn das Bildmaterial schlecht ist.

Journalisten attestieren PR eine hohe Glaubwürdigkeit

Oft könnte man meinen, es herrsche Krieg zwischen Journalisten und PR-Menschen. Da wird auf beiden Seiten geschimpft über mangelnde Sachkenntnis und wenig Entgegenkommen. Vor kurzem hat der djd Journalisten zur Qualität von PR-Material befragt.

Das Ergebnis erstaunt relativ wenig: gute Bilder sind begehrt. Denn ständig sind Journalisten auf der Jagd nach Bildmaterial, das ihr Medium interessanter macht. Doch die Realität liefert oft nur langweilige Produktfotos und keine Pressefotos, die diesen Namen verdienen.

Ganz unten auf der Beliebtheitsskala der befragten Journalisten steht übrigens der Redaktionsbesuch. Er kommt noch nach dem Werbematerial. Also: Redaktionen nur dann besuchen, wenn es wirklich etwas wichtiges zu besprechen gibt.

Trotz allem macht uns PR-Professional auf ein interessantes Detail aufmerksam:

41 Prozent der Medienbeiträge enthalten immerhin 20 bis 39 Prozent PR-Material. Mehr als jeder dritte Beitrag basiert sogar zu mehr als 40 Prozent auf Pressemitteilungen. Überraschend ist auch, dass die Journalisten dem PR-Material eine relativ hohe Glaubwürdigkeit attestieren. So bewertet die Mehrheit der Befragten (38 Prozent) PR-Materialien auf einer Skala von 1 (gar nicht glaubwürdig) bis 6 (sehr glaubwürdig) mit 4.


So schlecht ist es also gar nicht bestellt um das PR-Material. Dass inhaltslose Superlative und PR-lish wenig erfreuen, sollte sich inzwischen rumgesprochen haben...

Netzwerk Recherche ruft Journalisten zu mehr Distanz gegenüber Pressesprechern auf

Via newsroom.de erreicht uns die Nachricht, dass der Verein Netzwerk Recherche die Nähe zwischen Journalisten und Pressesprechern beklagt. Der Verein macht sich für den investigativen Journalismus stark. Das sollte eigentlich jeder Pressesprecher gut finden.

Netzwerk Recherche klagt darüber, dass die Pressesprecher oft gut über den Alltag der Journalisten informiert sind und zum Beispiel die Tatsache, dass sie an meist enge Zeitraster gebunden sind, hemmungslos ausnutzen. Das ist zwar aus der Sicht der Journalisten verständlich, aber in meinen Augen schon befremdlich. Denn wenn Pressesprecher und PR-Kollegen gut auf ihren Job vorbereitet sind und versuchen, ihrer Nachricht Gehör zu verschaffen, so ist das an sich nicht verwerflich. Solche und weitere Thesen kann man hier nachlesen.

Wenn sich die Journalisten dadurch leicht beeinflussen lassen, sollte man dies nicht den Pressesprechern vorwerfen. Viel eher müsste man die Verlage schelten, die die Arbeit der Redakteure mehr und mehr erschweren. Denn sie dünnen das Personal so sehr aus, dass viele sich nicht anders zu helfen wissen, als eben die Pressetexte mehr oder weniger unredigiert und ungeprüft zu übernehmen. Ich finde das auch im Sinne seröser PR nicht wünschenswert.

In meinen Augen ist der Journalist ein Sparringspartner. Wenn er mit seiner Recherche Missstände aufdeckt, so hat er seine Arbeit gut gemacht. Das ärgert dann zwar den Pressesprecher, sollte aber das Verhältnis nicht trüben. Wenn allerdings PR-Menschen meinen, die Welt könne nur rosarot und himmelblau aussehen, dann verlieren sie massiv an Glaubwürdigkeit.

Und Unternehmen und Produkte, die immer nur auf der Sonnenseite stehen, wirken doch auch irgendwie wenig überzeugend... Ich denke nicht, dass die Nähe zwischen Journalisten und Pressesprechern an sich ein Problem darstellt. Problematisch ist nur, wie sie damit umgehen. Jeder sollte einfach bestrebt sein, seinen Job gut und glaubwürdig zu machen. Dann hat sich niemand etwas vorzuwerfen.

Ente für Journalisten

Manchmal lassen sich auch Journalisten leimen... Estnische Medien spotten derzeit viel über einige russische Kollegen. Denn die hatten ohne jegliche zusätzliche Recherche eine Geschichte aus einer Zeitschrift aus Estland übernommen. Die Russen empörten sich darüber, dass Journalisten bei Pressekonferenzen in Estland ab dem 1. Februar 2009 keine Schuhe mehr tragen dürften. Sie stellten sich wohl schon vor, welch angenehme Düfte dann in den oft knapp bemessenen Räumlichkeiten gerade im Winter entstehen könnten.

Auf newsroom.de lesen wir folgendes:

Mit dem angeblichen Schuh-Verbot kam "Eesti Ekspress" auf den Vorfall vom 14. Dezember zurück, bei dem ein irakischer Fernsehreporter US-Präsident George W. Bush bei einer Pressekonferenz mit seinen Schuhen bewarf und ihm Beleidigungen zurief. Die Bilder von der Schuh-Attacke, der Bush reaktionsschnell auswich, gingen um die Welt. Im "Eesti Ekspress" hieß es, als Konsequenz aus dem Angriff auf Bush müssten Journalisten in Zukunft barfuß zu Pressekonferenzen erscheinen und dürften allenfalls bei frostigen Temperaturen Wollsocken anziehen.


Die Zeitschrift Eesti Ekspress sagt dazu:

Es sieht so aus, als lebten wir in einer Ära mit vollständiger Humorlosigkeit


Normalerweise heißt es ja auch, man solle immer zwei sichere Quellen haben... Dann hätte die Ente wohl auffallen können.

Endlich! Das e-book Presseverhinderer

Ihr wollt es? Ihr kriegt es! Endlich habe ich das e-book über die Presseverhinderer fertig. Und natürlich steht es kostenlos zum Download zur Verfügung. Aber Vorsicht: das gibt es nur bis zum ersten Advent, dem 30. November. Wer es bis dahin nicht heruntergeladen hat, kann ja eine e-mail schicken.

Was drinsteht? Lustiges und wenig Erheiterndes über das Leben von Journalisten und Presseverhinderern. Wer aufmerksam liest, wird vielleicht sogar ein paar nützliche Hinweise für seine Arbeit finden. Also auf!

Hier geht es zum e-book.

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