Artikel mit Tag navigationsgerät
Montag, 2. April 2007
Ich hatte ja schon Freitag berichtet, das ich inzwischen kapiert habe, dass es sich bei dem LOOX-Teil um einen satelitten-gesteuerten Wegweiser mit unnötigem Schischi. Mir hätte es ja schon beim Auspacken dämmern müssen, als da auf einmal Dinge auf mich zukamen, für die ich keine Worte kannte.
Nicht zu töten, um seine Brut zu versorgen, ist das Ziel der Jagd des modernen homo urban, sondern zu zerstören, um zu verstehen. So scheint mir. Wir weiden keine Tiere mehr aus, sondern Tüten. Nur so kommen wir an das, was unseren Hunger stillt – wovon wir zumindest glauben, dass es das tut, denn leicht verdaulich ist das Ganze ja nicht, aber nun genug der Analogien.
Das Ding, das mich am meisten befremdete und meinen Pylorus verkrampfen ließ, da es in mir Assoziation weckte, die in den Bereich der Proktologie fallen, war die Halterung für das Teil mit so einem Riesensaugnapf, um die Halterung irgendwo festzumachen. Passat und Benzfahrer, aber auch Minivans klatschen das ja gerne an die Windschutzscheibe, was alles über diese Menschen aussagt. Nein, ich will nicht schlecht sprechen über jene Wesen ohne Hirn und Sinn für Schönheit, ich will es gar nicht. Genauso wenig wie ich den Umgang mit Menschen pflege, die ihr Mobiltelefon in einer Plastikhülle, im schlimmsten Fall noch am Gürtel tragen. Es gibt Grenzen und die sind da überschritten.
Doof nur, dass Ding sonst zu befestigen, da es ja in diesen Pseudodesignkutschen von heute nur noch Rundung…äh… organische Formen gibt. Ich frage mich ohnehin, warum es diese Befestigung gibt, denn in der Bedienungsanleitung steht ausdrücklich, dass man während der Fahrt nicht nie und niemals nie auf das Display gucken soll, was auch nicht einfach ist, da es rund 90% der Draufsichtfläche ausmacht. Noch geiler finde ich ja in diesem Zusammenhang, das man bei der Funktion „Navigator“ das Display, auf das man während der ja nicht und niemals nie schauen soll, nicht ausschalten kann, den Ton aber schon.
Wieder auf der Suche nach der Antwort auf die Frage, wie das denn logisch zusammenpasst, finde ich Befriedigung in der Vermutung, dass die Programmierer und Fließbandarbeiter Anarchisten sind. Sieht man nicht immer mal Bilder von Unruhen in Seoul, oder so? Und bevor ich mich als Globalisierungs- und damit auch dort meist als Regimegegner zu erkennen gebe und Repressalien fürchten muss, mache ich doch lieber was Subtiles, bau eine Funktion ein oder aus, die entweder genutzt oder nicht vermisst wird.
Schulzeiterinnerungen tauchen auf. War es nicht die Quintessenz aus den „Physikern“: Es ist möglich – und was möglich ist, wird gemacht.
Ich finde so was ja toll. So wie früher die Steinmetze ja nicht nur Fresken, sondern auch Fratzen in die Fassaden schlugen, wie Programmierer gewisse Funktionen, z. B. den „Monster Kill“ (ich nenn’ den jetzt mal so) bei Apple einfach ins Betriebssystem gesteckt haben, so ist es doch auch möglich, dass in irgendeinem asiatischen Betrieb Menschen sitzen, die sich einen Spaß daraus machen, andere, vor allem Wessis (und damit ist hier die gesamte indoeuropäische Sprachgruppe gemeint) zu verarschen. In Europa machen das Verleger von Weisheiten schon lange, aber ich komme schon wieder vom Thema ab…
Nicht vom Weg. Ich muss ja sagen. Ich bin beeindruckt. Oder ist es doch eher Schock? Das Ding kennt die Geschwindigkeitsbegrenzung der Straße, auf der ich bin und warnt mich, wenn ich zu schnell fahre (+10 innerorts und +20 außerorts habe ich mal angegeben). Das ist schon sehr strange. (Nach diesem Test habe ich das Ding sofort wieder ausgemacht. Ich will nicht, dass sie mich holen. Sie wissen schon, wen ich meine, sie. Die überall sind. Alles wissen. Die uns ausspionieren. GAG! An so einen Verschwörungsmüll, freue mich aber, dass ich in meiner Bude kein GPS-Signal empfange  )
Ich gebe also mir bekannte Adressen ein und lass mich von „ihr“ führen. Fuhr ich jahrelang falsch? Zumindest nennt sie mir Wege, die mich zumindest mental sehr in die Irre führen. Erst als ich „optimale“ Strecke eingebe, geht’s. Man kann dazu auch noch „kürzeste“ (viel Spaß mit der Funktion im Feierabendverkehr) oder „schnellste“ wählen. Sind dank dieser Einstellungsmöglichkeit alle Tankstellen auf dem Display als Logo eingetragen?
Ich bin mir sicher, es sind „Physiker“ – Anarchisten und Globalisierungsgegner, die sich in eine Fabrik haben einweisen lassen – wodurch die Horrorkopie in der Kaffeeküche („Die ganze Welt ist ein Irrenhaus – und das ist die Zentrale“) eine ganz neue Dimension erhält. Denn warum werden auf dem Display Tankstellen eingezeichnet, wenn ich doch a) nicht aufs Display schauen darf/soll und b) ich die Tankstelle ja allein dadurch erkenne, wenn ich durch die Windschutzscheibe gucke. Ist das etwas, was man in einer Präse vor Idioten Zusatznutzen nennt?
Ach, so nebenbei… Da sind auch Discos, Schnellrestaurants, Hotels etc. eingetragen. (Oder ist die Zielgruppe gar das Ü30-Publikum? Wie ich mal auf einem Parkplatz bei so einer Veranstaltung gesehen habe, kamen da doch sehr, sehr viele von ziemlich weit weg. Für sie ist das natürlich prima, wenn sie an dem Abend einen Körper zum Tieferlegen gefunden haben – schnell noch Chicken Wings und ab ins ibis?)
Aber von solche Gedanken mal abgesehen … Das LOOX funktioniert. Zum Teil, z. B. mit der Geschwindigkeitskontrolle, sogar fast schon erschreckend genau. Nur nach Hause bringt es mich nicht, was aber auch wirklich fies, weil ich in so einem Umfeld wohne, wo Architekten in den 70/80ern wiederum ihren Anarchismus ausleben konnten. Eine Straße, drei Reihen Behausungen, deren Nummerierung aus vielen, vielen Stringenzchen bestehen – ein Wunder überhaupt, dass wir hier Post und Pakete kriegen. Als ich hier einzog, brauchte ich drei Tage, um immer wieder zurückzufinden. Aber inzwischen klappt das ganz gut und auch das Teil schafft es bis auf rund 200 m genau (viel besser geht’s auch kaum, denn bis an die Straße gehe ich gut ne Minute).
Vielleicht werde ich es auch mal im Ausland nutzen. Dann werde ich natürlich hier wieder berichten. Ansonsten danke ich meinem Spender für dieses Teil und erinnere daran, dass ich gerne ein größeres und schnelleres Laptop hätte.
PS: Und ihr Hersteller: Mein Angebot steht. Gerne überprüfe ich eure Produktkommunikation auf Sinn und Sinnhaftigkeit. Meine Garantie:
Wahres für Bares.
Freitag, 30. März 2007
Raus! Das Einzige, was zählt, denn, wie berichtet, kein GPS in meiner Hütte.
Und wie wunderbar ist das denn, bei so einem Wetter im Grunde gezwungen zu sein, den Schreibtisch zu verlassen und mindestens 20 Minuten spazieren zu gehen.
Und so schlendere ich durch das beschauliche Heidelberg, erfreue mich der Sonnenstrahlen und versuche, Mörikes „Er ist’s“ zu rezitieren. Ich krieg’s nicht hin. „Blaues Band“, „Düfte“, „ahnungsvoll durchs Land“, ja, ja, so was, aber nicht so ganz (wer’s wissen will: Bitte sehr!). Ich bin einfach zu sehr abgelenkt.
Als ich meine erstes Handy hatte, war ich weniger schlimm, und doch schaute ich schon damals mehr oder weniger minütlich drauf, ob es noch an ist, ob jemand angerufen oder mir noch jemand, nach meinem Netzbetreiber, eine Textnachricht geschickt hat. War mir doch egal, dass kaum einer meine Nummer hatte und die, die sie hatten, keinen Bock die damals wirklich horrenden Festnetz-Mobil-Preise zu zahlen. Jetzt aber toppe ich das noch. Es ist ein Wunder, dass ich an keinen Laternenmast geknallt oder von einem Fahrradfahrer an- oder gar überfahren wurde. Glotz, glotz, glotz. Immer nur auf das Display. Und plötzlich tat sich was. Das Satelitten-Icon zeigte mir an, dass mich mindestens drei Orbitstationen erfasst hatte und ich war gewillt mir an die linke Brust zu schlagen und „Bereitmachen zum Beamen“ ins Nichts zu sprechen.
Jetzt haben sie mich also, dachte ich mir so. Das feire ich doch mal mit einem koffeinhaltigen Heißgetränk bei meiner Lieblingskaffeetante. Nicht, dass ICH nicht wüsste, wo der Neuenheimer Markt ist, aber weiß es LOOX?
Inzwischen weiß ich ja, wo der Stift ist, also rausgezogen und rumgehackt, zuletzt auf „Route berechnen“. Ich wartete und wartete und da war’s geschehen. Eine Grafik tat sich auf, ein orangener Balken wies mir den Weg an das in wenigen hundert Metern befindliche Ziel. Dazu natürlich eine Frauenstimme, die eine ganz wunderbare Eigenschaft hat, was ich in realiter doch sehr vermisse. Wenn man etwas tut, was nicht dem entspricht, was sie möchte, gibt es kein Gezeter, keine Vorwürfe, keine Diskussionen, sondern sofort den nächsten konstruktiven, eben: zielführenden Vorschlag. Dieser Aspekt sollte unbedingt mal in die Geschlechterdiskussion mitaufgenommen werden. Und vielleicht gibt es deshalb auch keine männlichen Stimmen in Navis (oder doch)?
Wie dem auch sei, endlich weiß ich, was das Ding und wozu das Ding gut ist. All der andere Kram wie MP3-Player und Spiele ist nur Schischi, der nicht wirklich stört (außer eben zu Anfang, wenn man glaubt, es verstehen zu müssen), aber den es auch nicht wirklich braucht. Als Navigationsgerät, ein Scheißwort finde ich, also noch mal: Als Wegweiser (eigentlich Wegsager, aber das klingt auch doof), also als Wegweiser macht das Ding richtig Spaß. Vor allem mir, vor allem jetzt als Fußgänger, denn es ist natürlich für Autofahrer konzipiert. Seine programmierte Logik bietet natürlich keine Gänge gegen die Richtung im Falle einer Einbahnstraße oder durch Hinterhöfe an. Aber zum einen, wie oben bereits erwähnt, irritiert „sie“ das null, zum anderen weckt es den Jungen in mir, wenn ich so wie gestern durch ein ruhiges Wohnviertel laufe, wo für gewöhnlich akademisierte Hausfrauen ihre Biolebensmittel natürlich nicht in umweltschädlichen Plastiktüten, sondern im Cayenne o. Ä. nach Hause transportieren (in einem Fair-Trade-Bastkorb befindlich) und plötzlich erschallt so mir nichts, dir nichts, ein „Nach Möglichkeit hier bitte wenden.“ aus der Hose.
Das macht große Freude. Schade nur, dass keine Leute auf der Straße waren. Ich werde das mal in einer Fußgängerzone machen müssen, wobei es da wahrscheinlich so laut sein wird, dass keine meinen Hosensopran bemerkt. Na, da wird mir schon noch was einfallen.
Jetzt schalte ich das Ding erst mal wieder aus. Es funktioniert. Und es funktioniert gut. Wie gut teste ich übers Wochenende in meinem 4-Liter-Auto.
Donnerstag, 29. März 2007
Plug & play. Für mich immer noch ein Topverkaufsargument. Wenn es denn stimmt. In dem Fall tut es das. Zumindest geht es an und gibt einem Anweisungen. Allerdings mal wieder nur auf Englisch, was jetzt mal kein Problem für mich ist, aber auch das ist so ein Punkt, wo Hersteller solcher Geräte was von Fahrscheinautomaten in Touristenstädten lernen können: Am Anfang steht die Sprachauswahl. Die gibt es bei dem Gerät auch, aber die muss man eben suchen, wie so vieles, was mich völlig fasziniert: Unglaublich, was man alles in so einem kleinen Ding nicht nur an Technik, sondern auch Informationen verstecken kann. Und nicht nur dass man es kann, überrascht mich, sondern zum Teil auch wie gut.
Nun ja, vielleicht bin ich nach meinen Erfahrungen von gestern ein wenig geläutert bzw. vorsichtig und überkritisch, denn im Grunde stehen mir nur vier Bereiche zur Auswahl, wovon zwei für sich sprechen: Navigator und Musik. Bei Einstellungen und vor allem Utilities (ja, so heißt das da auch auf „deutsch“) bin ich mir nicht so sicher.
Da ich ja lernen will, hacke ich auf das Display und es tut sich ein neues Fenster aus, was erklärt, warum da nicht „Anwendungen“ steht. „Kruscht“ wäre ehrlicher gewesen: Weltzeituhr, Rechner, „Bricks“ und „Smart Pixie“ bietet man mir an, also einfach technische Gimmicks sowie Tetris und PacMan unter anderem Namen. Hauptsache, was drauf geladen, aber wenn das Ding eine Navigationslösung ist, und als solche noch ein Testsieger, dann frage ich mich, wozu ich das brauche bzw. brauchen könnte? Aber egal, immerhin verstehe ich es und könnte es nutzen, wenn ich denn wollte. So gesehen entspricht dieser Part dem Jacuzzi im Hotel: Ich bezahle dafür, brauche es aber nicht, könnte es aber, wenn ich wollte.
Bevor ich mich aber an die beiden anderen Aspekte ranmache, die mir bereits auf dem Karton angepriesen wurden, lege ich doch die CD-ROM ein, die sich „Manual CD“ nennt. Ihr Untertitel „EasyGuides Pocket LOOK N100 Series“ beunruhigt mich allein des „EasyGuides“ wegen. Es erinnert mich an die einfache Bedienungshandbücher von ehedem, die mindestens 600 Seiten stark waren, und in mir Gelüste weckten, den Lektor zu foltern.
Heutzutage also kein Buch, was ja ökonomisch nachvollziehbar ist, sondern eine CD-ROM. Dass die entsprechende Hardware vorhanden ist, hm, ok, kann man wohl bei der Zielgruppe voraussetzen.
Sie startet automatisch, aber kaum dass Freude aufkommt, KRIEG ISCH PLACK! Die Dateien heißen a26361-k600-z120-muli, A26361-K600-Z161-Warranty-muli_neu, K197-Z120-sv1, K197-Z120-pl1, K197-Z120-pt1, K197-Z120-en1, K197-Z120-es1 K197-Z120-it1, K197-Z120-fr1, K197-Z120-da1 und K197-Z120-de1. GEHT DAS NICHT DEUTLICHER? WARUM KANN MAN DIE DATEIEN NICHT VERSTÄNDLICH BENAMEN? Zum Beispiel: Info Recycling, Guarantee_Garantie, und dann in den jeweiligen Sprachen Bedienungsanleitung, was sich nämlich hinter K197-Z120-de1 verbirgt? (Schade, dass das kein Verantwortlicher liest, aber falls doch: Ich bin nicht billig, aber dafür ein zufriedener Kunde unbezahlbar. Liebe Menschen von Fujitsu-Siemens, das hat nichts mit eurem, wie der Engländer so sagt, Ding an sich zu tun, ist ein ganz allgemeines Problem, was gerade von euch, den internationalen Herstellern stark unterschätzt wird. Und ihr könnt euch mich leisten – genervte Kunden nicht  )
So – zurück aus der Wortspielhölle widme ich mich jetzt dem Inhaltlichen, schließlich will ich das Gerät ja nutzen. Musik ist keine drauf und der Navi geht zwar, aber andererseits auch nicht – kein GPS-Signal wird mir vermeldet. Was nicht verwunderlich ist, wie ich plötzlich erfahre, denn zum einen daure die Erstinstallation des Navigators rund 20 Minuten, zum anderen bin ich in meiner Behausung GPS-technisch nicht erfasst – oder so, zumindest entnehme ich dies den Schaubildern. Auch eine Erkenntnis, die ich ohne dies Gerät nie hätte. Und ich erkenne nicht nur im biblischen Sinne gern …
Bleibt mir also nur die Musik und da wiederum das blanke Entsetzen. Da wird einem alles erklärt, nur nicht, wie man die Musik auf das Teil kriegt. Also heißt es wieder Try & Error statt Plug & Play. In dem Kabelsammelsurium finde ich ein USB-Kabel, das ich in mein Laptop stecke, das mir dann sagt, dass er ein „Storage Device“ endeckt habe. Auf dem LOOX nix. OK, ich weiß nun, dass ich durch einfaches Verschieben der Dateien den Navi zum Abspielgerät machen kann, aber wissen das wirklich alle? Auch das wird einfach vorausgesetzt. Ist das Arroganz? Oder Hilflosigkeit? Aber wenn das schon so krude bei so was Profanen wie Datentransfer von einem Speichergerät auf ein anderes ist, was erwartet mich denn morgen, wenn ich mit den Satelliten kommuniziere?
Bleibe ich (technisch) orientierungslos???
Mittwoch, 28. März 2007
Es ist mir peinlich. Über 30 Minuten habe ich gebraucht, um mich zumindest vom Gefühl her einigermaßen zurechtzufinden. Und dabei war ich, wie ich nach 45 Minuten feststellte, nicht mal am Anfang. Aber vielleicht liegt es einfach daran, dass ich kein Techi bin – oder altmodisch strukturiert – und doch sehr dem alten Sartre-Wort nachhänge: „Ich bin, also denke ich.“ (Und wer mir jetzt mit Descartes kommt, den verweise ich gerne und mit Nachdruck auf die Losung des Tages  )
Wie gestern versprochen, ich öffne das Paket. Dabei fielen mir an der Seite – es ist wahrlich unglaublich, was alles auf so einer Umverpackung steht, klebt und abgebildet ist – ein Ver- sowie ein Hinweis auf.
Ich wurde aufgefordert, mein eigenes Cover für diese Gerät zu gestalten – in der Packung fände ich einen entsprechenden Gutschein. Zum anderen wurde mir kommuniziert, was ich da bekomme: den TESTSIEGER. Aha, schön und wovon, denn ich wusste ja immer noch nicht, was es ist und auch der Deeplink , den ich noch vor dem Auspacken anklickte, führte mich zwar zum Produkt, aber nicht wirklich weiter, weshalb ich auch den Rechner ausmachte. (Ich rate ja immer davon ab, das Internet als virtuellen Prospektständer zu nutzen, aber wer hört denn heute noch auf Worte?) Das PC-Magazin testete acht – 8UNG! Jetzt kommt’s …: Navigationslösungen, davon waren 6 gut und 2 befriedigend und eben mein Pocket LOOX der erste (wohl, wenn ich das richtig verstehe. Die genannte Quelle habe ich nicht gecheckt, was hätte es mir gebraucht, ich hatte es ja schon. Ich verstehe ja auch nicht, warum Menschen mit Heuschnupfen zum Allergologen gehen. Damit er ihnen sagt, dass sie Heuschnupfen haben? Oder dass sie allergisch sind gegen Birke, Gräser oder sonst was? Was bringt das Wissen? Kann man Pollen meiden? Ich verstehe das nicht, was mich zurückbringt zu meiner Navigationslösung …)
Dann endlich der große Augenblick: Schön sah es aus. Wirklich hübsch. Handlich, putzig und ich fragte mich, warum benötigt ein so niedliches Ding von 9 x 6 x 1,5 cm einen 23 x 17 x 14 cm großen Karton. Die Antwort nahm wenige Minuten später rund 2 Quadratmeter ein: unzählige Kabel und Käbelchen, eine DVD, zwei CD-ROMs, diverse zellofanierte Dinge aus schwarzem Plastik, die mich an Einmalwerkzeuge beim Internisten bzw. an Kopfhörer aus Urlaubsflieger erinnerten, wobei es Kopfhörer auch noch mal gab, den angepriesenen Gutschein, dazu ein eingeschweißtes Buch und andere Printerzeugnisse. Ich war völligst überfordert.
Das eine Faltblatt war sehr hilfreich. Da ich nicht nur als alter Billy-Besitzer das große Dechiffrierungsdiplom von IKEA-Bauanleitungen besitze, war es mir wirklich ein leichtes zu erkennen, wo ich was reinstecken muss, damit das Ding überhaupt mal angeht. Dann irritierte mich allerdings der stete Verweis in den Illustrationen auf einen Stift, den ich beim besten Willen nicht finden konnte. Ich weiß, was gemeint war. Dieser Fingerersatz, mit dem Manager wie Krähen auf ihren Blackberrys rumhacken. Nach 20 Minuten Suche gab ich es auf. Meine Mutter ist Messie, ich bin Kreativer, also nahm ich einfach einen abgebrochenen Bleistift, damit ließ sich der Bildschirm ebenfalls kalibrieren, zumindest wurde das „Auf-die-Mitte-eines-sich-auf-dem-Bildschirm-bewegenden-Kreuzes-tippen“ so genannt.
Dann ward es aufgeladen. Das ging wirklich schnell und ich war sehr beeindruckt, so dass ich mich daran machte, die diverse Kabel den diversen Öffnungen zuzuführen, was diesmal allerdings nicht klappte. Zwar steckte mal was da, mal da, aber es tat sich nichts. Ich fummelte überall an dem Gerät herum, wobei mir plötzlich der Stift entgegenfiel. Tolles Design. Jetzt, wo ich weiß, dass er integriert ist, ich muss schon sagen: Klasse. Allerdings ward dadurch auch wieder meine These geschürt, wonach Design maßgeblichen Anteil an der Zunahme von Neurotikern und Sozialautisten hat, denn während der Urmensch einst noch direkte Kontakt zu Werkzeuge und zu dem hatte, was er erle(di)gte, muss man heute immer weniger berühren oder sich damit händisch befassen. Aber das ist ein anderes Thema. Das hat mit Navigation nur insofern zu tun, als man sich fragen muss, wohin die Menschheit abdriftet, aber das will keiner wirklich wissen und überhaupt gibt es Wichtigeres …
Warum gab es das Bedienungshandbuch nur als .pdf? Ich sah das nicht ein und ließ meinen Rechner aus. Außerdem gab es ja ein Miniheft, auf dem Bedienungsanleitung und Sicherheitsanweisungen stand. Ganze 2 Seiten waren auf deutsch dafür vorgesehen. Ich wurde stutzig.
Ich las und weiß bis jetzt nicht, wie meine Jungs bei dem Lärm weiterschlafen konnten, denn nach der obligatorischen Versicherung, dass ich ein „qualitativ und zuverlässiges GNS-Produkt“ besitze, wobei ich dankbar für den Aufkleber bin, denn der Begriff „GNS-Produkt“ hätte mir jetzt mal nicht wirklich was gesagt, stand da Folgendes. Ich zitiere:
Es ist zu empfehlen, den Inhalt der Verpackung zu überprüfen:
- GNS TrafficBoxFM9 RDS TMC Receiver
- Wurfantenne mit 2,5mm Klinkenstecker
- Diese Anleitung
Sollte etwas fehlen, wenden Sie sich bitte direkt an Ihren Händler!
Ich fragte mich, was tut derjenige, bei dem „Diese Anleitung“ fehlt?
Es erinnerte mich stark an das PS in einem Brief einer ostfriesischen Mutter an Ihren Sohn, wo sie ihn versichert: „Gerne hätte ich dir noch etwas Geld beigelegt, aber da war der Brief schon zu.“
Ich konnte nicht mehr. Morgen mache ich es an …
Dienstag, 27. März 2007
Es gibt Menschen in meinem Umfeld, da sagen sich Außenstehende, wer die als Freunde hat, der braucht keine Feinde mehr. Deppen. Gerade diese Menschen finde ich ja klasse, weil völlig bizarr. Einem davon verdanke ich nun eine technische Errungenschaft, von der ich bisher nicht wusste, dass es sie gibt, geschweige denn, dass ich sie brauche. Aber, da mir jene Menschen, die über meine Bekannten urteilen, auch nachsagen, dass ich nicht ganz dicht bin, bin ich folglich auch für alles offen.
Dass der Mensch an sich wirklich alle manuellen Tätigkeiten, die unangenehmen bis zu den angenehmen, nach Möglichkeit „motorisiert“, ist bekannt: Zumindest ist ein Reihenhaus ohne Laubgebläse, Knetteigmaschine und Vibrator heutzutage ja kaum mehr vorstellbar. Nichts davon aber war es, was mir mein freundlicher Kurier brachte.
Obwohl es durchaus eine Sendung aus Flensburg hätte sein können, denn der Karton war ganz neutral, war nichts von Frau Uhse drin, sondern, wie mir der Aufdruck verriet „Pocket LOOX“ - und ich ward so schlau wie noch zuvor. OK, der Hersteller ist mir ein Begriff, den ähnlich wie ich jahrelang, es ergab sich einfach so, Ford fuhr, ohne eine Bindung zur Marke zu haben, ist ein Großteil meiner aktuellen Hardware von Fujitsu Siemens (Falls das einer von Ihnen liest, ich bräuchte einen schnelleres und größeres Laptop …. J).
Jetzt da sich dieses Teil, was nach allem, was ich aus der bildlichen Kommunikation der Umverpackung entnehme, als irgendwas zwischen PDA (denn da ist so ein komischer Stift zu sehen) und einem Navigationsgerät zu entpuppen scheint, denn neben jenem Stift ist ein klein und handliches aussehendes Ding mit so ner Wegweisergrafik zu sehen, stellt sich mir die nächste Frage:
Was will ich mit nem Navi? OK, dass Menschen das Manuelle meiden, hatte ich ja bereits erwähnt, und leider bleibt auch das Kommunikative mehr und mehr auf der Strecke. Das fängt an beim Warentrennbrett an der Supermarktkasse und geht eben bis zu diesen Orientierungs“hilfen“. Bislang kam ich immer auch so ans Ziel. Wenn ich was nicht fand, fragte ich jemanden, der mir weiterhalf. Zugegeben, früher war das einfacher. Die Leute, die man auf der Straße ansprach, waren weniger schreckhaft, dafür auch des gehobenen Deutschen mächtig (ah, und bevor hier wer glaubt, das ginge gegen Ahmet und Aise bzw. Danuta und Dragomir, falsch! Auch Manni und Jenny können nur noch „Äh, vorne, an der Ampel, rechts, glaub ich, oder, ja.“)
Egal, der Osterhase wird sich schon was dabei gedacht haben. Jetzt habe ich es und jetzt interessiere ich mich auch dafür. Also lese ich erst mal (alte Berufskrankheit), was mir da in vier Punkten angepriesen wird: entspannt durch Europa navigieren, auspacken und es läuft ohne Registrierung, ich kann meine Lieblingssongs hören und mich an herausragendem Design erfreuen.
Toll!
Hä?
Klar, steht das da nicht in der Sprache Kant und Hegels, aber auch in der Sprache eines Hobbes schadet es nicht, sich einer gewissen, unserem Kulturkreis entsprechenden Logik zu bedienen. Entweder ich fange mit dem wichtigsten an (wie es meist Journalisten tun) oder ich steigere mich in meiner Argumentation (wie es die Händler auf dem Fischmarkt tun).
Oh, da ist noch ein Aufkleber: noch mal vier Punkte, diesmal aber nicht auf Englisch: NAVIGON MobileNavigatorI6 (enthält Kartenmaterial für 37 Länder auf DVD), 512 MB Mini-SD-Karte für Deutschland vorinstalliert, voll integrierter GPS Receiver: SiRFstarIII, Kopfhörer.
Na, da kann man sagen, was man will, das ist definitiv logischer. Nur verstehen tu ich immer noch nichts, na ja: wenig.
- 512 MB (ich glaube, das hat mein Laptop auch – oder das Doppelte, dafür ist er aber 20 mal größer und schwerer, egal)
- 37 Länder? Knapp 30 sind der EU, das weiß ich, plus die Schweiz … was auch immer da noch dabei ist, angeblich ist es ja ganz entspannt für mich, da durch zu navigieren ...
- SiRFIII? Auch so ne Herstellerkrankheit, dass sie glauben, ich muss mich für ihre kruden Abkürzungen interessieren. Gebt dem Ding einen Namen, wenn es euch wichtig ist, den man sich merken kann und der mir einen Nutzen verspricht. (s. Volvo, die „SIPS®“ brandeten, das Side-Impact Protection System, was an sich nicht anderes ist als eine Bezeichnung für die Airbags links und rechts vom Fahrer bzw. Beifahrer)
- Kopfhörer? Ach ja, da war was vorhin wegen Lieblingsmusik. Oder ist es die Stimme aus dem Navi? Muss ich den Kopfhörer tragen? Ich laufe durch einen Wald und höre dann statt des Säuseln des Windes in den Geästen, das Zirpen und Summen, den Liedern der Vögel „Sie sind in einem Wald.“?
Ich bin gespannt, was mich erwartet. Morgen mache ich den Karton auf …
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Kommentare
Do, 24.07.2008 12:44
Wozu?? Du scheinst ja bestens Informiert zu sein, Komplimänt, hätte ich wirklich nicht erwartet.
Do, 24.07.2008 08:55
Ja ich gebe es zu. Ich war es. Worum geht es hier überhaupt???
Mi, 23.07.2008 16:54
... erinnert an Martin Luther King, vom Stil her find ich´s garnicht so schlecht: klar, offen, [...]
Mi, 23.07.2008 15:46
Ja, ja, die gute alte Propaganda-Optik, nur dass die Raketen fehlen, aber ansonsten 1:1
Mi, 23.07.2008 13:18
Hallo, sehr nett sowas. Die Dame mit Z. kenne ich glaube ich auch. Hat die nicht 4000+ Kont [...]
Mi, 23.07.2008 12:55
jhgjghjhg
Di, 22.07.2008 19:03
also, ich seh das so: Team-Arbeit = Zusammenschluss von mehreren Personen zur Lösung einer [...]
Di, 22.07.2008 18:09
Ich find das auch eine klasse Idee
Mo, 21.07.2008 13:40
Dir auch einen guten Tag. Ich kommen gerade von Det Müllers Blog und werde mich hier mal umsch [...]
So, 20.07.2008 23:13
Na ist aber doch schön zu lesen, dass Data Becker zumindest weiß, wie man das mit dem Marketin [...]
So, 20.07.2008 15:23
Manchmal kann man sich wirklich nur noch wundern kopfschüttel
Do, 17.07.2008 23:57
Schönes Zitat, ich stimme voll und ganz zu
Do, 17.07.2008 11:44
Sehr gut! Absolut richtig! Genau meine Meinung!
Mi, 16.07.2008 16:57
Das ist ja echt mal eine lustige sache =)
Mi, 16.07.2008 16:03
lol^^
Mi, 16.07.2008 11:37
Vermutlich war ihr selbst nicht ganz bewusst wie ihr eigenes schreiben letztendlich wirkt und [...]
Di, 15.07.2008 12:31
Man kann einfach, wenn man so etwas initial versucht, ein weniglich kreativer an die Sache ran [...]
Di, 15.07.2008 12:25
Also manche Menschen kommen ja auf Ideen, die einem beim ersten Kaffee im Büro ein dickes Sch [...]
Di, 15.07.2008 11:48
Natürlich meint sie es so. Vielleicht könnte sie es aber auch so sagen? Noch besser: Sie vorab [...]
Di, 15.07.2008 11:42
Oh, ich glaube sie meinte es eher so, dass sie über Euch Ihre Werbefläche vermitteln lassen wi [...]