Artikel mit Tag oeffentlichkeitsarbeit
Donnerstag, 18. Oktober 2007
Presseverhinderer ist ein Vollzeit-Job. Und erfordert eine gute Ausbildung. Ein ganz wichtiger Baustein auf dem Weg zur Perfektion ist das Schreiben. Das Schreiben von richtig guten Sätzen. Alles unter 20 Wörtern ist nix. Ein Bandwurm muss es sein.
Denn wenn es nicht lang ist, ist es auch nicht wichtig. Und wenn es nicht wichtig ist, hätte man es sich auch sparen können. Deshalb hier die
Drei Tipps für richtig tolle Sätze:
1. Punkte und Kommas sparsam setzen
Wer es lang mag, braucht keine Punkte. Kommas auch nur für den Notfall. Die restlichen Satzzeichen kommen in den Giftschrank. Am besten machen Sie das so: Sie schreiben ganz normal. Und dann ersetzen Sie die Punkte durch Leerzeichen, die Konjunktionen lassen Sie weg. Das gibt prima Bandwürmer! Viel Spaß bei der anschließenden Wurmkur.
2. Lange Wörter machen wichtig
Benutzen Sie nie ein kurzes Wort, wenn es auch lang sein kann. Kurzes Wort = kurzer Verstand. Wahrhaft wichtige Menschen kennen nur so richtig wichtige Worte wie Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitän.
3. Fremdwort schlägt Deutsch
Wenn es geht, benutzen Sie immer ein Fremdwort. Auch wenn Sie es erst nachschlagen müssen. Es ist immer gut. Ein Synonymwörterbuch ist dafür eine tolle Hilfe. Wählen Sie immer das komplizierteste Wort aus der Liste. Egal ob es passt. Der Leser wird schon verstehen, was Sie sagen wollen.
Sie werden sehen: wenn Sie diese Tipps befolgen, wird niemand Ihre Texte beachten. Und das wollen Sie ja schließlich.
Mittwoch, 26. September 2007
So Leute, Ihr könnt alle mitmachen. Ihr könnt darüber entscheiden, wie das PR-Foto des Jahres aussieht. Und wer sich allein die Vorschläge ansieht, wird schnell merken, dass die Wirkung von Bildern bei PR-Leuten oft hoffnungslos unterschätzt wird.
Da gibt es wirklich ein paar aufmerksamkeitsstarke Fotos, an denen man so leicht nicht vorbeischaut. Also, zugeschaut und mitgemacht bei den obs-Awards 2007. Es gibt auch was zu gewinnen.
Hier geht's lang.
Mittwoch, 19. September 2007
Leuteleute, wer hätte das gedacht? Vor kurzem wurde Saarbrücken zur teuersten Stadt Deutschlands gekürt. Was? Genau: teuerste Stadt Deutschlands. Das liest der Oskar aus Saarbrücken bestimmt nicht so gern. Ist aber so. Zumindest bei der neuesten Ausgabe von Monopoly.
Die haben einen wirklich schlauen PR-Coup gelandet. Nach den verschiedensten Editionen zu den seltsamsten Themen haben sie nun etwas aufgelegt, das - ob es uns nun gefällt oder nicht - Monopoly ins Gespräch gebracht hat: eine Deutschland-Edition.
Da ja spätestens seit dem WM-Jahr 2006 der Nationalstolz der deutschen Bürger erwacht ist, lag nichts näher, als Städte anstatt Straßen auf dem Spielbrett zum Verkauf anzubieten. Und vorher nicht selbst zu grübeln, was denn nun anstatt der Parkstraße auf dem Plan platziert werden sollte.
Nein. Man ließ die Deutschen selbst abstimmen, nicht ohne die lokale Presse mit vor den Karren zu spannen. Wenn man den Bekanntheitsgrad von Monopoly noch steigern konnte, damit ist es bestimmt gelungen. Vor allem in Saarbrücken.
Ursprünglich waren 38 Städte aus Deutschlands Norden, Osten, Süden und Westen nominiert, die in einer Matrix aus Einwohnerzahl, Bekanntheitsgrad, kultureller Relevanz und geografischer Abdeckung ermittelt wurden. Mit großangelegten Unterschriftenaktionen und Petitionen konnten Saarbrücken, Aachen und Jena nachwirkend eine Nominierung erreichen, so dass schließlich 41 Kandidaten zur Wahl standen. Für jede Stadt konnte aus vier Wahrzeichen ausgewählt werden, von denen das meist gewählte stellvertretend auf dem Spielbrett abgebildet sein würde. Mehr als eine halbe Million Stimmen wurden über die Wahlperiode von elf Wochen abgegeben. Einen wesentlichen Beitrag zur Popularität der Wahl leistete unter anderem die lokale Presse. Unermüdlich forderte sie die hiesige Bevölkerung auf, für ihre Stadt zu stimmen. Besonderes Engagement zeigten dabei vor allem die kleineren Städte, was der Monopoly Deutschland Wahl das gewisse Etwas verlieh. So landeten schlussendlich nicht allein die großen Metropolen ganz vorn in den Top 22: Aachen, Halle, Chemnitz liefen beispielsweise vermeintlichen Favoriten wie München, Frankfurt oder Köln den Rang ab. Einzig die Berliner verfügten über einen gesunden Ehrgeiz, der ihnen schließlich die Top-Position hinter Saarbrücken sicherte.
So hat man also Saarbrücken ganz aus dem äußersten Westen der Republik ins Zentrum des Interesses gerückt. Und das ganz ohne die Partei aus der ganz linken Ecke und ihren Oskar. Ob es sich jetzt als Hochburg der Kapitalisten etabliert?
So oder so: Monopoly hat gezeigt, wie PR zum Mitmachen aussieht. Und viele haben mitgemacht. Wahrscheinlich noch nicht einmal ohne Spaß.
Hinweis: Fürs richtige Leben (anders als beim Monopoly) braucht es mitunter echtes Kapital. Wer keines hat, der braucht Kredit. Über Kredite informieren kann man sich ggf. hier: Kredit.
Donnerstag, 13. September 2007
Was? Den kennen Sie noch nicht? Den König der Presseverhinderer? Dabei ist der noch nicht einmal einzigartig.
Stellen wir uns einmal vor, wir seien Journalist. Gut, vielleicht fällt das manchem schwer, vor allem dem, der schon unsere zahlreichen Tipps befolgt hat.
Aber trotzdem. Wir sind jetzt also Journalist. Und bekommen eine Einladung. Zu einer Pressekonferenz. Die ist sehr weit weg von uns, sodass der Besuch uns einen kompletten Arbeitstag kosten würde. Ja, das Unternehmen, das diese Pressekonferenz organisiert, interessiert uns schon. Aber dummerweise ist dieses Mega-Event so perfekt angekündigt, dass es so gar nicht neu aussieht.
Richtig. Diese Veranstaltung wurde von einem ausgebildeten Presseverhinderer geplant. Er hat die Sieben goldenen Regeln für eine verpatzte Pressekonferenz zur Serienreife gebracht. Was, die kennen Sie nicht? Hier sind sie:
1. Wenn du nichts Neues zu sagen hast, mach eine Pressekonferenz. Da hast du Gelegenheit dazu, mal wieder diese ganzen wichtigen Gesprächspartner zu treffen.
2. Mach die Pressekonferenz an einem Ort, der nur sehr schlecht zu erreichen, aber wunderschön ist. Man wird dich für die schöne Location loben. Achte darauf, dass möglichst wenig Parkplätze vorhanden sind. Niemand wird die Ruhe stören.
3. Wähle den Termin sorgfältig aus. Am besten montags um 8.00 h während der Sommerferien. Jeder wird dir dankbar sein für die entspannte Anreise.
4. Plane reichlich Zeit ein. Die Journalisten sind ja eh schon mal da und können dann so richtig viel über dein Unternehmen berichten. Die haben sonst eh nix zu tun.
5. Suche Redner und Moderatoren, die viel reden, aber wenig zu sagen haben. Das spornt die Journalisten zu wertvollen Transferleistungen an.
6. Wähle ein ganz allgemeines Thema ohne jeglichen Nachrichtenwert. Endlich gibt es mal eine schöne Hintergrundstory.
7. Komme hungrig zu deiner Pressekonferenz. Wer, wenn nicht du selbst soll denn die ganzen Schnittchen essen. Ist ja sonst keiner da.
Montag, 27. August 2007
Düsseldorf ist die Stadt der Mode. Das wissen nicht nur Insider. Dass unser Cheffe dort residiert, sollte hierfür Zeichen genug sein. Nun aber gibt es noch ganz andere, die hierfür den Beweis liefern. Und das auf äußerst fulminante Art und Weise:
Eine Modenschau mit Hund! Jawohl.
Petwalk in Kaiserswerth, der kleine, feine Laden für Futter und Napf und Schnick und Schnack, rund um Hund und Katz veranstaltet die erste Düsseldorfer Modenschau mit Hunden!
Doch damit nicht genug:
Gela Reißenweber, die Inhaberin des Ladens aktivierte andere, bekannte Düsseldorfer Geschäftsleute und stellte eine Open-Air-Show zusammen, die sich sehen lassen kann: „CC petit mais raffiné“ präsentiert neben Casual Wear auch traumhafte Unterwäsche. „Die Modevilla“ mit der Designerin Mahi Degenring zeigt exklusive Business- und Cocktail-Mode.
„Honeymoon“ besticht mit hinreißenden Abendkleidern – und natürlich einem Brautkleid als Höhepunkt der Show. „Parfümerie Kann“ sorgt für das perfekte Make-up in den neuen Farben und „HaarWerk“ kümmert sich um die modisch-aktuellen Frisuren.
Was passierte in meinem Kopf, als ich das las? Ich fragte mich, wie wohl die Hunde in der Unterwäsche aussehen könnten. Schäferhund mit String-Tanga, Mops-Dame mit Spitzen-BH, das sind Sachen, die wir schon immer mal sehen wollten... Oder Pudel-Mädels im Hochzeitskleid. Aber der Höhepunkt sind sicherlich die Hunde-Make-ups.
Zum Glück wird man ja später noch darüber aufgeklärt, dass die Hunde zwar mit von der Partie sind, aber außerdem noch Models zum Einsatz kommen. Das beruhigt ungemein.
Trotz allem: getreu der goldenen PR-Regel, dass Tiere und Kinder immer gut sind für reichlich Berichterstattung, hat man hier eine witzige Verbindung geschaffen. Dass trotzdem nicht jeder auf Hund in Mäntelchen und Designer-Halsbänder steht, macht ja nix. Die können dann ja die Spitzenwäsche anschauen.
Weiteres pikantes Detail übrigens ist die Tatsache, dass hier eine Kölner PR-Agentur für ein Düsseldorfer Geschäft arbeitet. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Übrigens: Das Event steigt am kommenden Wochenende, am Sonntag den 2. September ab 14.30 Uhr in der neuen Fußgängerzone am Klemensplatz, Düsseldorf/Kaiserswerth. Vielleicht geht ja jemand hin.
Donnerstag, 23. August 2007
Wer ein richtiger Presseverhinderer werden will, sollte immer ganz genau hinschauen, was die Profis so machen. Und die echten Profis unter den Presseverhinderern sind die, die jeden Text vor der Veröffentlichung nochmal sehen möchten. Jede Meldung, jeden Fachartikel. Alles eben.
Das mag keiner. Man sollte auch davon ausgehen können, dass ein Profi unter den Journalisten es schafft, einen Sachverhalt richtig wiederzugeben.
Manchmal allerdings gibt es Journalisten, die bei komplizierten Vorgängen darum bitten, noch einmal über den fertigen Text zu schauen. Damit wirklich alles stimmt. Und da kommen die Presseverhinderer ganz groß raus.
Die gucken nämlich nicht bloß drüber, nein. Die verhindern richtig. Sie korrigieren alles (obwohl das ja noch gar nicht durch die Schlussredaktion gegangen ist). Sie finden Kommafehler, wo gar keine sind. Sie korrigieren ss und ß, was das Zeug hält, und das falsch. Sie verschlimmbessern die Grammatik. Sie lassen sich völlig neue Sätze einfallen. Und schicken das dann stolz zurück.
Manche von diesen Presseverhinderer-Profis sollen sich schon gewundert haben, dass diese Artikel dann nie erschienen sind. Oder doch so ganz anders. Und dass nie wieder eine Anfrage kam. Komisch.
Donnerstag, 16. August 2007
Diejenigen, die erfolgreich Öffentlichkeitsarbeit betreiben, kennen das. Zur Genüge. Heute geht es um die Textfreigabe.
Häufig könnte man meinen, Texte seien Gefangene der Unternehmen. Bis die mal rauskommen, kann es Jahre dauern. Oder zumindest Wochen. Leidtragende sind normalerweise die Verfasser. Denn die haben sich viel Mühe gegeben, zu einem aktuellen Anlass auch etwas zu schreiben.
Und dann kommt da diese Textfreigabe. Für alle, die das nicht kennen, es funktioniert so: Der Verfasser, nennen wir ihn mal Herr Pressesprecher, verfasst einen Text. Gehen wir davon aus, dass er eine simple Produktmeldung unters Volk bringen will und ein ganz aktueller Aufhänger aus dem Tagesgeschehen sich anbietet.
Vielleicht schreibt Herr Pressesprecher über Handschuhe. Und weil heute die Kanzlerin in Grönland ist, würde so ein Handschuhtext ganz gut passen, um etwas Aufmerksamkeit zu bekommen (vielleicht...). Vor ein paar Tagen hat Herr Pressesprecher das erfahren. Und gleich seinen Text geschrieben.
Jetzt wartet er. Denn sein Text muss vom Produktverantwortlichen freigegeben werden. Das ist Frau Handschuh. Die ist zum Glück nicht im Urlaub. Aber furchtbar beschäftigt. Und sie meint, in Grönland sei es mitten im Sommer gar nicht so kalt. Sie ersetzt also Grönland durch Antarktis.
Herr Pressesprecher spricht mit ihr. Er macht ihr klar, dass der Text dann aus aktuellem Anlass nicht mehr funktioniert, denn die Kanzlerin ist ja nun mal in Grönland. Also, alles zurück. Auf zur nächsten Instanz. Die Zeit drängt ein wenig, denn Frau Merkel ist nur heute in Grönland.
Jetzt geht der Text an Herrn Wichtig. Er ist derjenige im Unternehmen, der richtig was zu melden hat. Und deshalb ist er auch selten da. Und wenn er da ist, ist er in Meetings. Bis er die Ruhe hat, einen Text zu lesen, vergehen Tage.
Sie ahnen es. Herr Wichtig liest den Text. Er ist auch inhaltlich einverstanden und findet nur einen Kommafehler. Sein o.k. kommt allerdings erst übermorgen. Dann, wenn sich kein Mensch mehr für Grönland interessiert.
Herr Pressesprecher hat nun zwei Möglichkeiten: entweder er verschickt seinen Text trotzdem, oder er lässt es. Dann war alles für die Katz. So oder so wird ihn Herr Wichtig später fragen, warum eigentlich dieses aktuelle Thema niemals zu einer Veröffentlichung führte.
Donnerstag, 9. August 2007
Bestimmt haben Sie sich bei all dem Gerede über Presseverhinderer schon mal gefragt, wie Sie eigentlich auch zu diesen wahnsinnig wichtigen Menschen gehören können. Denn die Kunst des Verhinderns will zunächst gelernt und dann auch regelmäßig ausgeübt werden. Deshalb habe ich hier mal ein paar Tipps zusammengestellt, die Sie bei Ihrer Weiterbildung bestens unterstützen werden. Übrigens sind wir natürlich dankbar, wenn Sie uns Ihre ersten Erfolge mitteilen. Schöne Geschichten über tolle Presseverhinderer werden bestimmt veröffentlicht.
7 Tipps für eine qualifizierte Presseverhinderung
1. Studieren Sie. Egal was. Möglichst lang und möglichst mit Abschluss. Je komplizierter der Titel, den Sie erwerben, umso besser. Das macht sich gut in Ihrem Lebenslauf und auf Ihrer Visitenkarte. Was Sie wirklich wissen und können, ist völlig unerheblich. Der Titel ist entscheidend.
2. Machen Sie Praktika. Im Inland. Im Ausland. Egal wo. Egal bei welcher Firma. Und verewigen Sie diese in Ihrem Lebenslauf. Das macht Eindruck. Es ist egal, ob diese Praktika mit Presseverhinderung zu tun haben. Sie werden schon was draus machen.
3. Seien Sie immer und überall dabei. Damit man Sie kennt. Auf jeder Sitzung. Bei jeder Veranstaltung. Tragen Sie Ihr Gesicht spazieren. Aber sagen Sie bloß nicht, von welcher Firma Sie kommen. Es könnte Sie jemand anrufen oder sonstwie kontaktieren. Das müssen Sie unbedingt vermeiden.
4. Reden Sie viel und unverständlich. Und schreiben Sie genauso. Üben Sie sich darin, Worthülsen zu gedrechselten Kunstwerken zu verarbeiten. Man wird Sie dafür lieben. Reden Sie viel und sagen Sie wenig. Das verhindert sehr viel. Vor allem, dass man Sie zitiert.
5. Vernebeln Sie Ihre Kontaktdaten. Vermeiden Sie auf jeden Fall, dass Journalisten herausfinden, wie man Sie erreicht. Sagen Sie innerhalb der Firma niemals, wofür Sie eigentlich zuständig sind und tun Sie immer sehr beschäftigt. So wird man Sie in Ruhe lassen.
6. Wenn Sie über den Luxus einer Sekretärin (oder eines Sekretärs) verfügen, sagen Sie ihr oder ihm, dass Sie auf keinen Fall gestört werden möchten. Von niemandem. Und dass Termine nur nach einem Vorlauf von mindestens drei Wochen vergeben werden. Die Stille wird himmlisch sein.
7. Seien Sie niemals da. Sie sind ja eh schon auf diesen ganzen Veranstaltungen. Da kann Sie ja sowieso keiner erreichen, denn Ihr Handy ist selbstverständlich ausgeschaltet. Eine Mailbox haben Sie nicht. Sonst müssten Sie ja zurückrufen. Und das machen Sie sowieso nie. Wenn niemand Sie jemals erreicht, kann auch keiner hässliche Fragen stellen.
Sie werden sehen: Ihre Firma kennt keiner. Auch nach Jahren nicht.
Donnerstag, 19. Juli 2007
Die größten Presseverhinderer sind leider häufig Leute, mit denen man sich nur ungern anlegt. Wenn man es tut, dann hat das meist negative Konsequenzen. Die Rede ist hier von den Chefs. Und zwar genau von denen, die den Pressesprechern in den Unternehmen etwas zu sagen haben. Oft sind das leider Leute, die sich durch große Beratungsresistenz auszeichnen.
Als ich einst Pressesprecherin war, erlebte ich einen schönen Fall von gezielter Presseverhinderung. Mein damaliger Chef, Maschinenbauingenieur und Geschäftsführer einer GmbH & Co. KG, wollte unbedingt ein Thema in die Fachpresse bringen, das dafür nur äußerst bedingt geeignet war. Eine Besuchergruppe aus China wollte sich über das Unternehmen informieren.
Das spielte sich zu einer Zeit ab, als der momentan grassierende Nachrichtenboom zum Thema China noch nicht einmal im Ansatz begonnen hatte. Die von uns regelmäßig mit Unternehmensmeldungen versorgte Fachpresse für Auto-Werkstätten in Deutschland interessierte sich damals leider herzlich wenig für Delegationen aus China...
Also tat ich es: ich sagte meinem Chef, dass es eventuell doch keine so gute Idee sei, mit dieser doch sehr wenig interessanten Meldung Redaktionen zu langweilen, die doch schon genug Informationen bekämen. Dazu kam übrigens ein echt grottenschlechtes Gruppenfoto mit den Chinesen. Ein Amateurfoto mit niedriger Auflösung, auf dem sowieso nichts zu erkennen war. Es machte leider auch niemanden neugierig.
Ehrlich gesagt: mir war es peinlich, eine solche Sache unters Volk bringen zu müssen. Ich versuchte den Chef zu überzeugen, dass die Geschichte eh niemand bringen würde und dass wir damit eher mehr kaputt machen würden als gute Beziehungen aufzubauen. Er wollte es trotzdem. Das Dumme war: er war der Chef.
Also schrieb ich eine Pressemitteilung. Ich versuchte echt noch, der Sache irgendwas Positives abzugewinnen, aber es gelang mir nicht. Ich verschickte den Text mit Bild und harrte der Dinge, die da kamen.
Raten Sie mal, wie oft die Geschichte den Weg in die Zeitschriften fand. Null mal. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass mich dies mit großer Genugtuung erfüllte. Noch nicht einmal die täglich erscheinenden elektronischen Newsletter, die froh über jede noch so kleine Nachricht waren, erbarmten sich der erbärmlichen Story.
Montag, 16. Juli 2007
Langsam aber sicher ist es wieder so weit. Nachdem nun auch die Temperaturen die entsprechenden Werte erreicht haben, fällt Deutschland. Es fällt tief hinein, ins Sommerloch. Während die Staus auf den Autobahnen immer länger werden, sitzt so mancher Redakteur an seinem gut besonnten Schreibtisch und würde sich echt freuen.
Ein Redakteur freut sich? Worüber denn? Über Ihre Story. Genau. Denn jetzt ist ja Sommerloch. Und alle glauben, dass im Sommer eh nix passiert. Dabei können nur sehr wenige Bundesbürger es sich leisten, volle sechs Wochen Sommerloch, pardon Sommerferien, an Adria, Ostsee oder gar in noch ferneren Gefilden zu verbringen.
Die sind nämlich gar nicht alle weg. Und die, die hier sind, haben vor allem eins: Zeit für Lektüre. Denn es ist ja, Sie ahnen es bereits, Sommerloch. Gerade in Lokalredaktionen, aber eben auch bei Tageszeitungen allgemein grassiert eine geradezu panische Angst vor diesem mehr als schwarzen Loch. Monate vorher schon überlegt man dort, womit man diese Leere füllen könnte. Warum nicht mit Ihnen?
Übrigens: Politiker nutzen das Sommerloch schon seit Jahren mit Erfolg. Da werden Themen auf den Tisch gebracht, das glaubt man gar nicht. Leute werden wichtig, mit denen vorher keiner gerechnet hatte.
Das ist DIE Chance für Leute, auf die sonst keiner hört. Das Schlimmste, was passieren kann, wäre, dass die Nachricht schlicht verpufft. Wo? Im Sommerloch, wo denn sonst?
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Kommentare
Do, 24.07.2008 12:44
Wozu?? Du scheinst ja bestens Informiert zu sein, Komplimänt, hätte ich wirklich nicht erwartet.
Do, 24.07.2008 08:55
Ja ich gebe es zu. Ich war es. Worum geht es hier überhaupt???
Mi, 23.07.2008 16:54
... erinnert an Martin Luther King, vom Stil her find ich´s garnicht so schlecht: klar, offen, [...]
Mi, 23.07.2008 15:46
Ja, ja, die gute alte Propaganda-Optik, nur dass die Raketen fehlen, aber ansonsten 1:1
Mi, 23.07.2008 13:18
Hallo, sehr nett sowas. Die Dame mit Z. kenne ich glaube ich auch. Hat die nicht 4000+ Kont [...]
Mi, 23.07.2008 12:55
jhgjghjhg
Di, 22.07.2008 19:03
also, ich seh das so: Team-Arbeit = Zusammenschluss von mehreren Personen zur Lösung einer [...]
Di, 22.07.2008 18:09
Ich find das auch eine klasse Idee
Mo, 21.07.2008 13:40
Dir auch einen guten Tag. Ich kommen gerade von Det Müllers Blog und werde mich hier mal umsch [...]
So, 20.07.2008 23:13
Na ist aber doch schön zu lesen, dass Data Becker zumindest weiß, wie man das mit dem Marketin [...]
So, 20.07.2008 15:23
Manchmal kann man sich wirklich nur noch wundern kopfschüttel
Do, 17.07.2008 23:57
Schönes Zitat, ich stimme voll und ganz zu
Do, 17.07.2008 11:44
Sehr gut! Absolut richtig! Genau meine Meinung!
Mi, 16.07.2008 16:57
Das ist ja echt mal eine lustige sache =)
Mi, 16.07.2008 16:03
lol^^
Mi, 16.07.2008 11:37
Vermutlich war ihr selbst nicht ganz bewusst wie ihr eigenes schreiben letztendlich wirkt und [...]
Di, 15.07.2008 12:31
Man kann einfach, wenn man so etwas initial versucht, ein weniglich kreativer an die Sache ran [...]
Di, 15.07.2008 12:25
Also manche Menschen kommen ja auf Ideen, die einem beim ersten Kaffee im Büro ein dickes Sch [...]
Di, 15.07.2008 11:48
Natürlich meint sie es so. Vielleicht könnte sie es aber auch so sagen? Noch besser: Sie vorab [...]
Di, 15.07.2008 11:42
Oh, ich glaube sie meinte es eher so, dass sie über Euch Ihre Werbefläche vermitteln lassen wi [...]