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Presseverhinderer sitzen auch in großen Agenturen

Gestern bekam ich von einer großen PR-Agentur, die sich selbst das
weltweit größte unabhängige PR-Netzwerk
nennt, eine Pressemitteilung. Der Inhalt war tatsächlich für meine Leser interessant. Leider kam der Text als pdf-Datei. Ich kann ja mit zehn Fingern schreiben, aber abschreiben finde ich irgendwie doof. Und abschreiben will ich ja eigentlich auch gar nicht.

Aber die eine oder andere Textpassage muss ich ja nicht neu erfinden. Und bei Pressemitteilungen ist ja - anders als bei Doktorarbeiten - Copy und Paste erlaubt. Wenn die Pressemitteilung als pdf daherkommt, ist das allerdings etwas mühsamer als bei anderen Formaten, denn an jedem Zeilenende ist ein Zeilenumbruch eingebaut, den ich dann manuell entfernen muss. Was tut man nicht alles für seine Leser...

Darüber hatte der Mitarbeiter dieses
weltweit größten unabhängigen PR-Netzwerkes
leider nicht nachgedacht. Ich vergaß zu erwähnen, dass diese Agentur auch den Titel "PR-Agentur des Jahres 2011" trägt (obwohl ja 2011 noch gar nicht zu Ende ist...).

Neben der ärgerlichen, aber nicht tragischen pdf-Datei war der Information leider auch kein Bild beigefügt. Das ist blöd, weil in meiner Zeitschrift weder online noch in der Print-Version ein Artikel ohne Bild veröffentlicht wird. Es ging übrigens um eine Studie, da wäre das eine oder andere Chart sicher interessant gewesen...

Um also passendes Bildmaterial zu bekommen, rief ich den Mann in der Agentur an. Positiv: er war sofort dran. Aber: war das stotternde Wesen eventuell ein Praktikant? Er konnte mir zum Glück ein Foto übermitteln, aber weiter gehende Informationen waren aus ihm nicht heraus zu pressen.

"Ähhh, das macht der Kollege, der ist heute nicht da.", hieß es. Nein, die Studie könne man mir nicht geben. Wie es mit einem Interviewpartner sei? Ja, vielleicht. Man meldet sich.

Ich bin gespannt!

P.S.: Der Kunde dieser Agentur ist ein großes Mineralölunternehmen, das sicher einige Euros für diese Agentur investiert. Ob die gut angelegt sind, liegt im Auge des Betrachters.

Presseverhinderer verstopfen den Postkorb

Gerade jetzt ist es wieder so weit. Mein Rechner ist blockiert. Ein wohlmeinender PR-Mensch schickt mir eine Pressemitteilung. In der E-Mail Numero eins kündigt er bereits E-Mail Numero zwei an. Und ich weiß: die ist es, die gerade meine nicht eben dünne Leitung verstopft. Mit sicherlich wieder einmal unbrauchbarem Bildmaterial. Und davon viel.

Muss ich erwähnen, dass zwei meiner Redaktionskollegen in strukturschwachen Regionen wohnen, wo DSL nur vom Hörensagen bekannt ist? Die kriegen diese Mails auch. Und können deshalb eine halbe Stunde nicht arbeiten. Und ärgern sich. Noch mehr als ich. Wir alle haben eines gemeinsam: wir hassen diesen PR-Menschen. Aber der lernt einfach nichts dazu. Als Presseverhinderer ist er auf jeden Fall sehr geeignet.

Presseverhinderer haben das Gefühl fürs Timing

Presseverhindern ist gar nicht so leicht. Aber man wundert sich, dass auch große PR-Agenturen (laut eigener Website) in diesem Fall sogar "der europäische Marktführer" zu den Presseverhinderern gehören möchten. Dabei hätte ich eigentlich gedacht, die wissen wie es geht... Aber, zur Sache:

Man lädt mich ein. Zu einem Pressegespräch. Das ist schon mal nett. Zum Verständnis: ich arbeite für eine monatlich erscheinende Fachzeitschrift und wohne exakt 563 Kilometer vom Ort der angekündigten Veranstaltung entfernt. Am 29. September um 14.03 h erhalte ich eine E-Mail mit der Einladung für den Folgetag um 11.30 h. Ich habe also gut 21 Stunden, um da hin zu fahren.

Meinen die das ernst? Glauben die wirklich, dass jemand, der nicht bei der Tagespresse arbeitet, ein solches Timing schaffen kann? Oder warum laden die mich ein? Der Termin wäre übrigens inhaltlich wirklich interessant gewesen, aber so habe ich noch nicht einmal abgesagt. Schade eigentlich.

Sinneswandel? Blogger wechseln die Seite

Da ist Bewegung drin. Vermehrt erwecken Blogger das Interesse von verschiedenen Unternehmen und Medien. Bloggen wird wichtig. Auch Der Journalist, Zeitschrift des Deutschen Journalistenverbandes, berichtet in seiner aktuellen Ausgabe darüber, dass die Blogger an Bedeutung gewinnen.

So profiliert sich der eine oder die andere so sehr mit seinem Blog, dass man ihn oder sie in ganz andere Sphären hineinwirbt. Prominentestes Beispiel hierfür ist sicherlich Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach, der sich mit haltungsturnen.de einen Namen in der Blogosphäre gemacht hat. Er ist jetzt auf der anderen Seite des Schreibtischs angekommen und wurde "Chief Blogging Officer" bei der renommierten PR-Agentur Edelman Deutschland.

Und in dieser Eigenschaft hat Herr Lünenbürger-Reidenbach nun auch eine Umfrage unter Bloggern gestartet. Damit will man bei Edelman herausfinden, wie Blogger denken, und zwar über Unternehmen. Die Zielsetzung ist klar: PR-Leute wollen auch mit den Bloggern in Dialog treten. Denn sie haben erkannt, dass Bloggen mittlerweile auch eine Möglichkeit ist, sich einen Namen zu machen. Und Namen kaputt zu machen.

Kaum ein PR-Mensch kann deshalb heute noch an den Blogs vorbei. Denn wer sich heute den Zorn eines Bloggers zuzieht, kann vielleicht morgen schon schlechte Presse haben. Und umgekehrt.




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