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Umfragen, die die Welt nicht braucht

Man muss sich immer wieder wundern, für was für Zeug Unternehmen noch Geld ausgeben. Die Programmzeitschrift "Hörzu" hat gerade mit Hilfe einer Umfrage herausgefunden, was wir doch schon lange vermutet hatten: Der Hund ist das beliebteste Haustier der Deutschen. Auf dem zweiten Platz folgt, wer hätte das gedacht, die Katze.

Was soll uns das sagen? Und was bringt das Hörzu? Mehr Anzeigen für Katzen- und Hundefutter? Die einzige Neuigkeit, die wir erfahren, ist, dass ein Viertel der Befragten den Delphin gern als Haustier hätten. Was? Ja richtig, den Delphin. Ob die den dann gern in der Badewanne halten würden oder im Aquarium, ist nicht überliefert. Und ob man bei Hörzu darauf spekuliert, dass dann auch Anzeigen für Fischfutter besser gehen, wir wissen es nicht.

Umfragen sind ja immer ein beliebtes Instrument, um auf sich aufmerksam zu machen, aber ob diese Masche wohl zieht?

Die Top Ten der Umfrage wurden komplettiert von Pferd (14 Prozent), Adler (14 Prozent), Pinguin (12 Prozent), Löwe (12 Prozent), Elefant (11 Prozent), Schimpanse (9 Prozent) und Pandabär (9 Prozent). Zur Auswahl standen 15 Tiere, Mehrfachnennungen waren möglich.


Das erstaunliche Ergebnis ist wohl darauf zurückzuführen, dass die wenig gängigen Tiere einfach ausgewählt werden mussten und dass Mehrfachnennungen möglich waren. Dass das Ganze dann wohl eher auf tönernen Füßen steht, was soll's? Man hat mal wieder von sich reden gemacht, und wenn es mit Delphinen und Pandabären ist. Die sind ja so süüüüüüüß.

Auch Presseverhinderer betreiben Pressearbeit

Letzte Woche war ich auf einem Recherchetermin. Bei einem richtig großen Automobilzulieferer. Ich habe mir dort angeschaut, wie die ihre Teile produzieren und werde darüber schreiben, was da so für Know How in unspektakulär aussehenden Sachen steckt. Ich war einen ganzen Tag vor Ort, habe einiges über Gummi und über Vliesstoffe gelernt, mit dem Geschäftsführer in der Kantine gegessen und hätte eigentlich meine Story im Sack gehabt....

Aber: keine Fotos. Die Angst vor Industriespionage ist offenbar so groß, dass man es noch nicht einmal zulässt, dass ich dort unter den Augen der Verantwortlichen Bilder mache, die sie sich sogar vor der Veröffentlichung noch anschauen könnten. Ich hätte sogar auf deren Wünsche Rücksicht genommen, schließlich will ich ja auch niemandem schaden. Aber: keine Fotos.

Und obwohl vorher bekannt war, dass ich auch Fotos benötige, hatte man auch nichts vorbereitet. Schon jetzt weiß ich: das war das letzte Mal, dass ich dort war.

Kaum zu glauben - auch Presseverhinderer betreiben aktiv Pressearbeit

Ach, schön, denkt man. Ein Unternehmen hat jemanden, der sich um die Pressearbeit kümmert. Der schickt sogar Informationen an Journalisten raus. Toll!

Also, ich hab da neulich was bekommen, da muss man sich fragen, in welcher Welt der Absender eigentlich lebt. Das Szenario:

Es gibt eine Unternehmensberatung. Die Leute dort sind sehr viel mit Studien beschäftigt. Zufällig mit Studien, die genau in dem Markt stattfinden, mit dem sich meine Fachzeitschrift beschäftigt. Also: neue Studie ist da, man schickt mir eine e-mail. Gut!

Ich freue mich und möchte gern darüber berichten, denn es geht um die aktuelle Marktsituation. Und da ja alles von Krise redet, wäre es ja mal interessant zu wissen, wie es um den Markt so bestellt ist. Ich öffne also hoch motiviert den Anhang der Mail. Was steht drin? Das Inhaltsverzeichnis der Studie. Was interessiert Journalisten das Inhaltsverzeichnis?

Ich könnte die Studie auch zum günstigen Preis von 300 (Basisfassung für ein Land) bis fast 10.000 (Komplettbericht für ganz Europa) bestellen. Aber das möchte ich nicht. Ich schreibe also dem Absender:

Guten Morgen Herr ***,

um wirklich über Ihre Studie berichten zu können, wäre es doch schön, wenn wir unseren Lesern auch ein paar Ergebniss als Appetithäppchen
präsentieren könnten... Denn nur ein Inhaltsverzeichnis wäre doch etwas wenig. Könnten Sie in ein paar Sätzen umreißen, was die Ergebnisse sind? Dann sollte sich daraus auch sehr schnell online etwas machen lassen.

Es grüßt

Frauke Weber
Redaktion amz


Gemerkt? Es fielen die Worte "schnell" und "online". Nur sechs Tage später erhielt ich folgende Antwort:

Guten Tag Frau Weber,

zunächst einmal bitte ich um Entschuldigung für den falsch geschriebenen Namen. Ich werde im Laufe der Woche einige " Appetithäppchen" für Sie zusammenstellen und mich dann noch mal bei Ihnen melden.


Mit freundlichen Grüßen

***


Bis heute habe ich noch nichts gehört und die Woche ist morgen rum. Ich bin ja mal gespannt auf die Häppchen und ob die wirklich was hergeben. Bislang zumindest fällt dieses Unternehmen für mich in die Kategorie Presseverhinderer.

Presseverhindern professionell - durch persönlichen Kontakt

Es gibt einige Menschen, die meinen, Öffentlichkeitsarbeit funktioniere auf Zuruf. Natürlich haben diese Personen die tollsten Stories auf Lager, um die sich jeder Journalist reißt. Und mit dieser Suuuuuuper-Story rufen die dann den Müller an. Den kennen die schon seit Jahren.

"Ey, Müller!", heißt es dann. "Schreib doch mal meine Story, die ist toll!" Müller stellt Fragen. Und merkt, die Story bringt nix. Noch nicht einmal mitten im Sommerloch. Was macht Müller? Er sagt jajaja. Und die Story kommt nicht. Er speichert die Telefonnummer von der Person in sein Telefon und geht nicht mehr ran, wenn er sie sieht. So arbeiten die telefonischen Presseverhinderer mit dem persönlichen Kontakt.

Aber, es geht auch schriftlich. Die Suuuuuper-Story wird also nach bester Schulaufsatz-Manier aufgeschrieben. Schön ausgeschmückt. Das Beste zum Schluss. Und dann an den Müller geschickt. Nachtelefoniert. Müller sagt jaja. Und schmeißt sie weg. Er arbeitet bei einer Tageszeitung, aber die Geschichte war nix für die Tagespresse. Und schlecht war sie auch, denn das Wichtigste am Schluss hat er gar nicht mehr gelesen.

Da hat der persönliche Kontakt leider nichts gebracht. Denn wer nichts zu sagen hat, der wird auch mit den besten Kontakten nur einen sehr begrenzten Erfolg haben. Wer allerdings nicht sparsam mit guten Informationen ist, wird sich langfristig einen schönen Stamm an Kontakten aufbauen. Und damit aus dem Heer der Presseverhinderer ausbrechen.

Kauf' mich! Was Berichterstattung so kostet

Neulich bekam ich einen Anruf. Einen aufgeregten Anruf. Dran war eine Dame, die ich gar nicht kannte. Das ist an sich nichts Besonderes, aber der Grund ihre Anrufes war für mich wenig erfreulich.

Es ging um meinen Kunden. Er ist in der Baubranche tätig und ich erledige für ihn die klassische Pressearbeit. Eine Pressemitteilung geht im Monat raus, reine Produkt-PR, reine Fachpresse-Angelegenheit. Man muss sagen: wir sind beide sehr zufrieden mit dem Ergebnis, denn unsere Geschichten werden von den Redaktionen gern aufgegriffen.

Aber da kam dieser Anruf. Er kam von einer Anzeigenverkäuferin. Ihre Redaktion hatte gerade einen zweiseitigen Bericht über das Unternehmen gebracht. Freiwillig. Wir haben denen nur einen Text zum Jubliäum der Firma geliefert und die haben ne richtig dicke Story draus gemacht. Sie waren nicht die einzigen.

Und die Anzeigenvertreterin sagt zu mir: "Jetzt muss Ihr Kunde aber auch mal Anzeigen schalten. Wir haben so schön über ihn berichtet, da muss er sich doch erkenntlich zeigen. Er muss doch wissen, dass wir das nicht umsonst machen."

Wie bitte? Leben wir hier in Deutschland? Ist es nicht eigentlich verboten, in der Presse redaktionelle Berichterstattung zu verkaufen, ohne "Anzeige" darüber zu schreiben? Wir haben die Redaktion ja nicht zu einem Bericht gezwungen. Wir haben ihr nur einen Text und ein Bild geschickt. Den Rest haben die ganz allein gemacht, echt. Und wir haben uns gefreut.

Zum Glück entscheide ich nicht über das Anzeigenbudget meines Kunden. Das macht er selbst. Ich halte nichts davon, PR mit Werbung zu vermischen. Das hat sich auch in dieser Situation bewährt. Ich verweise die Anzeigen-Dame an den Kunden. Der weiß schon selbst, ob er eine Anzeige schalten möchte oder nicht.

Ich aber bin gespannt, ob wir auch in Zukunft Veröffentlichungen in dieser Zeitschrift haben werden...

Bring mich mal in die Wirtschaftspresse

Ich mag Anfragen. Wirklich. Ich freue mich immer wieder, wenn wildfremde Menschen sich für meine Dienstleistung interessieren. Dafür gibt es ja schließlich das Kontaktformular auf meiner Website. Es gibt auch eine Telefonnummer. Und es gibt auch Xing. Und über alle diese Kanäle entstehen Kontakte.

Nur manchmal, sogar öfter als ich selbst für möglich gehalten hätte, gibt es die Art von Anfragen, die ich so gar nicht mag. Da heißt es dann: "Wir wollen in die Wirtschaftspresse." Das ist sicher ein schönes Ziel. Das ist sicher auch manchmal sinnvoll.

Aber stellen Sie sich mal vor, Sie verkaufen Hebebühnen für Autowerkstätten. Und keiner kennt Sie. Noch nicht einmal in Ihrer eigenen Branche. Ihr Unternehmen ist relativ klein und erwirtschaftet einen für seine Größenordnung ordentlichen Umsatz, aber revolutioniert nicht den DAX.

Ich möchte damit nicht sagen, dass dieses Unternehmen und seine Produkte nichts in der Wirtschaftspresse zu suchen hätte. Aber besser wäre es doch, wenn erstmal die potenziellen Zielgruppen davon erfahren würden.

Was nützt eine Eintagsfliege in der FAZ, wenn regelmäßige Präsenz in den Weltblättern AutoServicePraxis oder amz- auto motor zubehör genau die Leute erreicht, die das Produkt kaufen sollen?

Naja, zum Glück ist Beratung auch ein Bestandteil meiner Dienstleistung. Leider gibt es Leute, die sind ganz schön beratungsresistent. Mit denen einigt man sich am besten darauf, dass das mit der Wirtschaftspresse zumindest angestrebt wird. Aber dass man zunächst etwas kleinere Brötchen backen wird.

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