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Netzwerk Recherche ruft Journalisten zu mehr Distanz gegenüber Pressesprechern auf

Via newsroom.de erreicht uns die Nachricht, dass der Verein Netzwerk Recherche die Nähe zwischen Journalisten und Pressesprechern beklagt. Der Verein macht sich für den investigativen Journalismus stark. Das sollte eigentlich jeder Pressesprecher gut finden.

Netzwerk Recherche klagt darüber, dass die Pressesprecher oft gut über den Alltag der Journalisten informiert sind und zum Beispiel die Tatsache, dass sie an meist enge Zeitraster gebunden sind, hemmungslos ausnutzen. Das ist zwar aus der Sicht der Journalisten verständlich, aber in meinen Augen schon befremdlich. Denn wenn Pressesprecher und PR-Kollegen gut auf ihren Job vorbereitet sind und versuchen, ihrer Nachricht Gehör zu verschaffen, so ist das an sich nicht verwerflich. Solche und weitere Thesen kann man hier nachlesen.

Wenn sich die Journalisten dadurch leicht beeinflussen lassen, sollte man dies nicht den Pressesprechern vorwerfen. Viel eher müsste man die Verlage schelten, die die Arbeit der Redakteure mehr und mehr erschweren. Denn sie dünnen das Personal so sehr aus, dass viele sich nicht anders zu helfen wissen, als eben die Pressetexte mehr oder weniger unredigiert und ungeprüft zu übernehmen. Ich finde das auch im Sinne seröser PR nicht wünschenswert.

In meinen Augen ist der Journalist ein Sparringspartner. Wenn er mit seiner Recherche Missstände aufdeckt, so hat er seine Arbeit gut gemacht. Das ärgert dann zwar den Pressesprecher, sollte aber das Verhältnis nicht trüben. Wenn allerdings PR-Menschen meinen, die Welt könne nur rosarot und himmelblau aussehen, dann verlieren sie massiv an Glaubwürdigkeit.

Und Unternehmen und Produkte, die immer nur auf der Sonnenseite stehen, wirken doch auch irgendwie wenig überzeugend... Ich denke nicht, dass die Nähe zwischen Journalisten und Pressesprechern an sich ein Problem darstellt. Problematisch ist nur, wie sie damit umgehen. Jeder sollte einfach bestrebt sein, seinen Job gut und glaubwürdig zu machen. Dann hat sich niemand etwas vorzuwerfen.

Presseverhinderer

Manchmal setze ich mich ja auf die andere Seite meines Schreibtisches. Obwohl da eigentlich das Fenster ist... Ich setze mich da also hin und bin in meinem anderen Leben. Und da bin ich Freie Journalistin. Und schreibe für eine Fachzeitschrift.

Von Zeit zu Zeit kommt es also vor, dass ich recherchiere. Und erlebe Abenteuerliches. Weil ich manchmal vielen Leuten gleichzeitig die selben Fragen stellen muss, ist es ganz praktisch, ihnen diese Fragen per e-mail zu schicken. Was passiert? Nichts. Oder fast nichts.

Es gibt Unternehmen, die haben Presseverantwortliche. Und die antworten ganz schnell. Meistens. Es gibt andere Unternehmen, die sind so groß, dass sie es nicht nötig haben, zu sagen, wer die Presseverantwortlichen sind. Und wer die Daten der entsprechenden Damen und Herren nicht zufällig von einem Kollegen erfährt, wird diesen Herrschaften niemals Fragen stellen dürfen.

Das schönste allerdings passierte mir, als ich auf der Homepage eines wirklich großen Automobilzulieferers den Namen des Ansprechpartners X fand, aber keine e-mail-Adresse. Natürlich auch keine Telefonnummer. Ich rufe die Telefonzentrale der Firma an.

"Guten Tag, mein Name ist Weber. Ich recherchiere im Auftrag einer Fachzeitschrift und würde gern Herrn X sprechen."

Unfreundliche Stimme: "Herr X telefoniert gerade."

"Könnten Sie mir seine Durchwahl geben, dann kann ich es später noch einmal versuchen?"

Unfreundliche Stimme: "Nein."

"Die e-mail-Adresse?"

Unfreundliche Stimme: "Nein."

"Ich soll also noch einmal bei Ihnen anrufen?"

Unfreundliche Stimme. "Genau."

Das Gespräch ist beendet. Irgendwie habe ich wenig Lust, nochmal anzurufen. E-mailen kann ich nicht, habe ja keine Adresse. Einen Brief schreiben? Wo der wohl landet?

Um es klarzustellen. Herr X wird auf der Homepage als Presseverantwortlicher genannt. Offenbar möchte er von der Presse nicht bei der Arbeit gestört werden. Ich respektiere das. Und berücksichtige in meinem Artikel sein Unternehmen nicht.
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Neues Berufsbild: Presseverschweiger

Was es nicht alles gibt... Da bin ich doch gerade beim Studieren der Neuesten Nachrichten auf einen neuen Beruf gestoßen: Presseverschweiger. Das finde ich wirklich originell.

Spiegel Online meldet, dass Skype-Gründer Zennström mal wieder an etwas Bahnbrechendem tüftelt. Dabei dreht es sich um ein streng geheimes Projekt, das irgendwie das Fernsehen und das Internet zusammenbringen soll.

"The Venice Project", so lautet absichtsvoll mysteriös der Arbeitstitel eines Services, den Niklas Zennström und Janus Friis derzeit auf die Beine stellen. "Es geht darum, das Beste des Fernsehens mit dem Besten des Internets zusammenzubringen", so beschreibt Zennström im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE das Unterfangen. Was genau das heißen soll, verrät er jedoch nicht. Es geht aber um die Verteilung von Programminhalten übers Netz.


Überhaupt wird unheimlich viel Nebel verbreitet und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier mal wieder jemand versucht hat, eine Schlagzeile aus heißer Luft zu bauen. Und offensichtlich Erfolg hatte. Die Nachfragen bei der Pressesprecherin des Projekts bringen offenbar niemanden weiter. Denn sie darf wohl nichts sagen. SPON-Autor Christoph Seidler jedenfalls tituliert sie zu Recht als Presseverschweigerin.

Da ist sie nicht die Einzige. Sie muss zwar wohl die tolle Meldung verbreiten, darf dann aber auf Anfragen nicht antworten. Wen das weiterbringt? Keine Ahnung.

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