Presseverhinderer machen Urlaub

Man kennt das. Im Sommer machen alle irgendwie Urlaub. Und das muss ja schließlich auch mal sein. Presseverhinderer machen das auch. Die sind dann einfach weg. Und keiner weiß es.
Anfragen von Journalisten? Die können ja warten...
Die für meine Branche wichtigste Fachmesse Automechanika steht vor der Tür. Logisch, dass für uns Journalisten da im Sommer kein Urlaub drin ist. Wir arbeiten ja am Messe-Heft. Die Ansprechpartner in den Firmen, bei denen man anfragt, sehen das ganz anders. Die machen jetzt Urlaub.

Es sei ihnen von Herzen gegönnt. Nur: die liefern dann nach vier Wochen das Bild, das ich letzte Woche angefragt habe. Und beschweren sich dann, dass es nirgends zu sehen ist.

Mein Tipp an die Damen und Herren Presseverhinderer. Wenn Ihr Urlaub macht, sucht Euch doch vorher jemanden, der Euch in dringenden Fällen oder bei kleinen Fragen - zum Beispiel nach Bildern - vertreten kann. Vielleicht lest Ihr dann ja auch mal was über Euch.

Auch Presseverhinderer betreiben Pressearbeit

Letzte Woche war ich auf einem Recherchetermin. Bei einem richtig großen Automobilzulieferer. Ich habe mir dort angeschaut, wie die ihre Teile produzieren und werde darüber schreiben, was da so für Know How in unspektakulär aussehenden Sachen steckt. Ich war einen ganzen Tag vor Ort, habe einiges über Gummi und über Vliesstoffe gelernt, mit dem Geschäftsführer in der Kantine gegessen und hätte eigentlich meine Story im Sack gehabt....

Aber: keine Fotos. Die Angst vor Industriespionage ist offenbar so groß, dass man es noch nicht einmal zulässt, dass ich dort unter den Augen der Verantwortlichen Bilder mache, die sie sich sogar vor der Veröffentlichung noch anschauen könnten. Ich hätte sogar auf deren Wünsche Rücksicht genommen, schließlich will ich ja auch niemandem schaden. Aber: keine Fotos.

Und obwohl vorher bekannt war, dass ich auch Fotos benötige, hatte man auch nichts vorbereitet. Schon jetzt weiß ich: das war das letzte Mal, dass ich dort war.

Presseverhinderer verstopfen den Postkorb

Gerade jetzt ist es wieder so weit. Mein Rechner ist blockiert. Ein wohlmeinender PR-Mensch schickt mir eine Pressemitteilung. In der E-Mail Numero eins kündigt er bereits E-Mail Numero zwei an. Und ich weiß: die ist es, die gerade meine nicht eben dünne Leitung verstopft. Mit sicherlich wieder einmal unbrauchbarem Bildmaterial. Und davon viel.

Muss ich erwähnen, dass zwei meiner Redaktionskollegen in strukturschwachen Regionen wohnen, wo DSL nur vom Hörensagen bekannt ist? Die kriegen diese Mails auch. Und können deshalb eine halbe Stunde nicht arbeiten. Und ärgern sich. Noch mehr als ich. Wir alle haben eines gemeinsam: wir hassen diesen PR-Menschen. Aber der lernt einfach nichts dazu. Als Presseverhinderer ist er auf jeden Fall sehr geeignet.

Presseverhinderer haben das Gefühl fürs Timing

Presseverhindern ist gar nicht so leicht. Aber man wundert sich, dass auch große PR-Agenturen (laut eigener Website) in diesem Fall sogar "der europäische Marktführer" zu den Presseverhinderern gehören möchten. Dabei hätte ich eigentlich gedacht, die wissen wie es geht... Aber, zur Sache:

Man lädt mich ein. Zu einem Pressegespräch. Das ist schon mal nett. Zum Verständnis: ich arbeite für eine monatlich erscheinende Fachzeitschrift und wohne exakt 563 Kilometer vom Ort der angekündigten Veranstaltung entfernt. Am 29. September um 14.03 h erhalte ich eine E-Mail mit der Einladung für den Folgetag um 11.30 h. Ich habe also gut 21 Stunden, um da hin zu fahren.

Meinen die das ernst? Glauben die wirklich, dass jemand, der nicht bei der Tagespresse arbeitet, ein solches Timing schaffen kann? Oder warum laden die mich ein? Der Termin wäre übrigens inhaltlich wirklich interessant gewesen, aber so habe ich noch nicht einmal abgesagt. Schade eigentlich.

Kaum zu glauben - auch Presseverhinderer betreiben aktiv Pressearbeit

Ach, schön, denkt man. Ein Unternehmen hat jemanden, der sich um die Pressearbeit kümmert. Der schickt sogar Informationen an Journalisten raus. Toll!

Also, ich hab da neulich was bekommen, da muss man sich fragen, in welcher Welt der Absender eigentlich lebt. Das Szenario:

Es gibt eine Unternehmensberatung. Die Leute dort sind sehr viel mit Studien beschäftigt. Zufällig mit Studien, die genau in dem Markt stattfinden, mit dem sich meine Fachzeitschrift beschäftigt. Also: neue Studie ist da, man schickt mir eine e-mail. Gut!

Ich freue mich und möchte gern darüber berichten, denn es geht um die aktuelle Marktsituation. Und da ja alles von Krise redet, wäre es ja mal interessant zu wissen, wie es um den Markt so bestellt ist. Ich öffne also hoch motiviert den Anhang der Mail. Was steht drin? Das Inhaltsverzeichnis der Studie. Was interessiert Journalisten das Inhaltsverzeichnis?

Ich könnte die Studie auch zum günstigen Preis von 300 (Basisfassung für ein Land) bis fast 10.000 (Komplettbericht für ganz Europa) bestellen. Aber das möchte ich nicht. Ich schreibe also dem Absender:

Guten Morgen Herr ***,

um wirklich über Ihre Studie berichten zu können, wäre es doch schön, wenn wir unseren Lesern auch ein paar Ergebniss als Appetithäppchen
präsentieren könnten... Denn nur ein Inhaltsverzeichnis wäre doch etwas wenig. Könnten Sie in ein paar Sätzen umreißen, was die Ergebnisse sind? Dann sollte sich daraus auch sehr schnell online etwas machen lassen.

Es grüßt

Frauke Weber
Redaktion amz


Gemerkt? Es fielen die Worte "schnell" und "online". Nur sechs Tage später erhielt ich folgende Antwort:

Guten Tag Frau Weber,

zunächst einmal bitte ich um Entschuldigung für den falsch geschriebenen Namen. Ich werde im Laufe der Woche einige " Appetithäppchen" für Sie zusammenstellen und mich dann noch mal bei Ihnen melden.


Mit freundlichen Grüßen

***


Bis heute habe ich noch nichts gehört und die Woche ist morgen rum. Ich bin ja mal gespannt auf die Häppchen und ob die wirklich was hergeben. Bislang zumindest fällt dieses Unternehmen für mich in die Kategorie Presseverhinderer.

Presseverhinderer auf der Preisverleihung

Neulich war ich als Journalistin auf einer Preisverleihung. Und wenn man dann im Anschluss als Zeitschrift darüber berichten möchte, ist es immer gut, wenn man ein schönes Foto der Preisträger mit ihrem Preis hat. Man glaubt gar nicht, wie schlecht so etwas organisiert sein kann...

Bei dieser Veranstaltung lief eigentlich fast alles schief. Alle Preisträger standen vor einer Leinwand. Und darauf wurden Informationen zu den Geehrten projiziert. Die hatten dann alle Schrift und Bilder im Gesicht und mussten zusätzlich noch blinzeln. Keine schönen Motive.

Außerdem: man empfing seine Urkunde aus der Hand eines Promis, der jedem Preisträger noch ein paar warme Worte mit auf den Weg gab. Zeit zum Fotografieren? Fehlanzeige.

Am Schluss wurde ein Fototermin versprochen. Der wurde aber gründlich durch das parallel gereichte Essen torpediert. Wer will sich schon fotografieren lassen, wenn er dabei Garnelen und Co versäumt?

Wer Veranstaltungen mit Medienpräsenz plant, sollte im Vorfeld eigentlich immer ein paar Gedanken daran verschwenden, wie denn das Fotografieren in den Ablauf mit eingebaut werden kann. Denn gute Fotos sind ja auch im Interesse der Veranstalter.

Solche Abläufe sollte man vorab üben. Bis das richtig sitzt. Noch mehr natürlich, wenn auch noch das Fernsehen im Boot ist. Denn Berichte werden wesentlich kürzer ausfallen, wenn das Bildmaterial schlecht ist.

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