Artikel mit Tag presseverhinderer
Mittwoch, 20. Januar 2010
Leuteleute... Leider wissen scheinbar die wenigsten Menschen, was Versalien sind. Das sind schlicht Großbuchstaben. Die sind ja an sich nicht verboten. Aber wenn irgendwelche PR-Fuzzis (und ich bin ja selbst eine davon) mir mit diesen Großbuchstaben auf den Geist gehen wollen, bitteschön. Beliebt macht man sich bei Journalisten anders.
Gerade redigiere ich eine Online-Nachricht. Das ist nichts Spektakuläres. Jemand hat ein neues Produkt entwickelt, wir berichten in der Fachwelt darüber. So weit, so gut. Wenn aber dieser Jemand meint, es wäre toll, wenn man seinen Firmennamen immer in VERSALIEN schreibt, dann täuscht er sich.
Wenn in den Medien alle Firmen-, Marken- oder Produktnamen so geschrieben würden, wie die Firmen das gern hätten, wären die Leser sicher ein wenig verwirrt. Die wüssten nämlich gar nicht mehr, wann man was groß oder in Versalien oder irgendwie komisch gemischt schreibt.
Gerade habe ich in einem Text sage und schreiben zehnmal den Firmennamen von Versalien in Gemischte (so heißt das, wenn vorn ein Großbuchstabe steht und es dann klein weitergeht) umgewandelt. Danach habe ich dann ungefähr fünf Mal den Firmennamen entfernt, weil das sozusagen Namen-SPAM war. Das macht wirklich keinen Spaß! Und ich mache das heute schon zum zweiten Mal!
Dass ich mit dem Text ansonsten nicht sehr gnädig umgehe, versteht sich von selbst. Dabei hoffen doch die Presseverhinderer, dass ich ihn möglichst unredigiert übernehme.
Ob ich beim nächsten Mal die selbe Geduld aufbringe? Oder den Text lieber ganz unter den Tisch fallen lasse?
Dienstag, 1. Dezember 2009
Letzte Woche war ich auf einem Recherchetermin. Bei einem richtig großen Automobilzulieferer. Ich habe mir dort angeschaut, wie die ihre Teile produzieren und werde darüber schreiben, was da so für Know How in unspektakulär aussehenden Sachen steckt. Ich war einen ganzen Tag vor Ort, habe einiges über Gummi und über Vliesstoffe gelernt, mit dem Geschäftsführer in der Kantine gegessen und hätte eigentlich meine Story im Sack gehabt....
Aber: keine Fotos. Die Angst vor Industriespionage ist offenbar so groß, dass man es noch nicht einmal zulässt, dass ich dort unter den Augen der Verantwortlichen Bilder mache, die sie sich sogar vor der Veröffentlichung noch anschauen könnten. Ich hätte sogar auf deren Wünsche Rücksicht genommen, schließlich will ich ja auch niemandem schaden. Aber: keine Fotos.
Und obwohl vorher bekannt war, dass ich auch Fotos benötige, hatte man auch nichts vorbereitet. Schon jetzt weiß ich: das war das letzte Mal, dass ich dort war.
Donnerstag, 29. Oktober 2009
Gerade jetzt ist es wieder so weit. Mein Rechner ist blockiert. Ein wohlmeinender PR-Mensch schickt mir eine Pressemitteilung. In der E-Mail Numero eins kündigt er bereits E-Mail Numero zwei an. Und ich weiß: die ist es, die gerade meine nicht eben dünne Leitung verstopft. Mit sicherlich wieder einmal unbrauchbarem Bildmaterial. Und davon viel.
Muss ich erwähnen, dass zwei meiner Redaktionskollegen in strukturschwachen Regionen wohnen, wo DSL nur vom Hörensagen bekannt ist? Die kriegen diese Mails auch. Und können deshalb eine halbe Stunde nicht arbeiten. Und ärgern sich. Noch mehr als ich. Wir alle haben eines gemeinsam: wir hassen diesen PR-Menschen. Aber der lernt einfach nichts dazu. Als Presseverhinderer ist er auf jeden Fall sehr geeignet.
Donnerstag, 8. Oktober 2009
Presseverhindern ist gar nicht so leicht. Aber man wundert sich, dass auch große PR-Agenturen (laut eigener Website) in diesem Fall sogar "der europäische Marktführer" zu den Presseverhinderern gehören möchten. Dabei hätte ich eigentlich gedacht, die wissen wie es geht... Aber, zur Sache:
Man lädt mich ein. Zu einem Pressegespräch. Das ist schon mal nett. Zum Verständnis: ich arbeite für eine monatlich erscheinende Fachzeitschrift und wohne exakt 563 Kilometer vom Ort der angekündigten Veranstaltung entfernt. Am 29. September um 14.03 h erhalte ich eine E-Mail mit der Einladung für den Folgetag um 11.30 h. Ich habe also gut 21 Stunden, um da hin zu fahren.
Meinen die das ernst? Glauben die wirklich, dass jemand, der nicht bei der Tagespresse arbeitet, ein solches Timing schaffen kann? Oder warum laden die mich ein? Der Termin wäre übrigens inhaltlich wirklich interessant gewesen, aber so habe ich noch nicht einmal abgesagt. Schade eigentlich.
Donnerstag, 2. Juli 2009
Ach, schön, denkt man. Ein Unternehmen hat jemanden, der sich um die Pressearbeit kümmert. Der schickt sogar Informationen an Journalisten raus. Toll!
Also, ich hab da neulich was bekommen, da muss man sich fragen, in welcher Welt der Absender eigentlich lebt. Das Szenario:
Es gibt eine Unternehmensberatung. Die Leute dort sind sehr viel mit Studien beschäftigt. Zufällig mit Studien, die genau in dem Markt stattfinden, mit dem sich meine Fachzeitschrift beschäftigt. Also: neue Studie ist da, man schickt mir eine e-mail. Gut!
Ich freue mich und möchte gern darüber berichten, denn es geht um die aktuelle Marktsituation. Und da ja alles von Krise redet, wäre es ja mal interessant zu wissen, wie es um den Markt so bestellt ist. Ich öffne also hoch motiviert den Anhang der Mail. Was steht drin? Das Inhaltsverzeichnis der Studie. Was interessiert Journalisten das Inhaltsverzeichnis?
Ich könnte die Studie auch zum günstigen Preis von 300 (Basisfassung für ein Land) bis fast 10.000 (Komplettbericht für ganz Europa) bestellen. Aber das möchte ich nicht. Ich schreibe also dem Absender:
Guten Morgen Herr ***,
um wirklich über Ihre Studie berichten zu können, wäre es doch schön, wenn wir unseren Lesern auch ein paar Ergebniss als Appetithäppchen
präsentieren könnten... Denn nur ein Inhaltsverzeichnis wäre doch etwas wenig. Könnten Sie in ein paar Sätzen umreißen, was die Ergebnisse sind? Dann sollte sich daraus auch sehr schnell online etwas machen lassen.
Es grüßt
Frauke Weber
Redaktion amz
Gemerkt? Es fielen die Worte "schnell" und "online". Nur sechs Tage später erhielt ich folgende Antwort:
Guten Tag Frau Weber,
zunächst einmal bitte ich um Entschuldigung für den falsch geschriebenen Namen. Ich werde im Laufe der Woche einige " Appetithäppchen" für Sie zusammenstellen und mich dann noch mal bei Ihnen melden.
Mit freundlichen Grüßen
***
Bis heute habe ich noch nichts gehört und die Woche ist morgen rum. Ich bin ja mal gespannt auf die Häppchen und ob die wirklich was hergeben. Bislang zumindest fällt dieses Unternehmen für mich in die Kategorie Presseverhinderer.
Montag, 22. Juni 2009
Neulich war ich als Journalistin auf einer Preisverleihung. Und wenn man dann im Anschluss als Zeitschrift darüber berichten möchte, ist es immer gut, wenn man ein schönes Foto der Preisträger mit ihrem Preis hat. Man glaubt gar nicht, wie schlecht so etwas organisiert sein kann...
Bei dieser Veranstaltung lief eigentlich fast alles schief. Alle Preisträger standen vor einer Leinwand. Und darauf wurden Informationen zu den Geehrten projiziert. Die hatten dann alle Schrift und Bilder im Gesicht und mussten zusätzlich noch blinzeln. Keine schönen Motive.
Außerdem: man empfing seine Urkunde aus der Hand eines Promis, der jedem Preisträger noch ein paar warme Worte mit auf den Weg gab. Zeit zum Fotografieren? Fehlanzeige.
Am Schluss wurde ein Fototermin versprochen. Der wurde aber gründlich durch das parallel gereichte Essen torpediert. Wer will sich schon fotografieren lassen, wenn er dabei Garnelen und Co versäumt?
Wer Veranstaltungen mit Medienpräsenz plant, sollte im Vorfeld eigentlich immer ein paar Gedanken daran verschwenden, wie denn das Fotografieren in den Ablauf mit eingebaut werden kann. Denn gute Fotos sind ja auch im Interesse der Veranstalter.
Solche Abläufe sollte man vorab üben. Bis das richtig sitzt. Noch mehr natürlich, wenn auch noch das Fernsehen im Boot ist. Denn Berichte werden wesentlich kürzer ausfallen, wenn das Bildmaterial schlecht ist.
Donnerstag, 26. Februar 2009
Es ist wahr. Eine zunehmende Professionalisierung der Verantwortlichen in den Unternehmen ist festzustellen. Immer öfter gibt es wirklich kompetente Ansprechpartner und auch gutes Material. Doch kürzlich erlebte ich folgendes:
Für eine Marktübersicht recherchiere ich in einer bestimmten Branche. Ein bekanntes Beratungsunternehmen hat just zu diesem Thema eine Studie erstellt. Damit das Ganze also Hand und Fuß bekommt, frage ich an, ob ich dazu Material bekommen kann. Ich will ja gar nicht die ganze Studie, die normalerweise für viel Geld verkauft wird. Nur ein bisschen Futter für meine Recherche. Die Antwort auf meine Anfrage:
Guten Tag Frau Weber,
ich würde Ihnen wirklich gerne helfen. Aber ich ersaufe in Arbeit. Erst ab April ist wieder ein Silberstreifen am Horizont zu sehen. Ich bitte Sie um Ihre Verständnis. Ein anderes Mal gerne wieder.
Mit freundlichen Grüßen
Auf meine Antwort, dass mein Abgabetermin aber Anfang April ist, erhielt ich leider keine Antwort. So kann man auch Medienpräsenz verhindern.
Mittwoch, 5. November 2008
Ihr wollt es? Ihr kriegt es! Endlich habe ich das e-book über die Presseverhinderer fertig. Und natürlich steht es kostenlos zum Download zur Verfügung. Aber Vorsicht: das gibt es nur bis zum ersten Advent, dem 30. November. Wer es bis dahin nicht heruntergeladen hat, kann ja eine e-mail schicken.
Was drinsteht? Lustiges und wenig Erheiterndes über das Leben von Journalisten und Presseverhinderern. Wer aufmerksam liest, wird vielleicht sogar ein paar nützliche Hinweise für seine Arbeit finden. Also auf!
Hier geht es zum e-book.
Montag, 20. Oktober 2008
Wer so richtig dafür sorgen möchte, dass man ganz bestimmt gar nicht versteht, worum es geht, der arbeitet mit Abkürzungen. Ganz intensiv. Das mögen Journalisten auch. Ein aktuelles Beispiel findet sich heute ganz frisch bei OpenPR
TÜViT zertifiziert KOLDI nach Prüfkriterien des VOI
(openPR) - Bonn. Mit der Zertifizierung der Branchenlösung KOLDI, die aus dem Dokumenten-Management-System HyperDoc von IQDoQ und der FIBU-Lösung DIAMANT besteht, wurde jetzt ein weiteres System nach den bewährten Kriterien des VOI – Verband Organisations- und Informationssysteme e.V. geprüft. Das Zertifikat der TÜV Informationstechnik GmbH (TÜViT) – Unternehmensgruppe TÜV NORD bescheinigt, dass alle Anforderungen der „Prüfkriterien für Dokumenten Management Lösungen“ (PK-DML) erfüllt sind. Damit entspricht die KOLDI-Lösung nachweislich den Anforderungen gemäß GoBS (Grundsätze ordnungsmäßiger DV-gestützter Buchführungssysteme) und gewährleistet, dass die Dokumente revisionssicher archiviert werden.
Die PK-DML liegen jetzt in der dritten überarbeiteten Auflage vor und sind im Online Shop des VOI (www.voi.de) zum Preis von 50 Euro zuzüglich Versandkosten bestellbar.
Also, auch wenn hier die Abk. erklärt sind, bezweifle ich doch sehr, dass ihr gehäuftes Auftreten das Verständnis verbessert. Und ich meine, mich zu erinnern, einmal gelernt zu haben, dass ein solches Geschreibsel nicht unbedingt die Veröffentlichungschancen steigert. Aber vielleicht täusche ich mich ja.
Meiner Meinung nach sind das jedenfalls ganz talentierte Presseverhinderer.
Donnerstag, 16. Oktober 2008
Hier eine kleine Terminankündigung:
Wem Koblenz nicht zu weit weg ist, der ist herzlich eingeladen zum Vortrag
Vom Presseverhinderer zum Informanten
Im Rahmen des Marketing-Spezial-Tages, den der Marketing-Club Rhein-Mosel am 25.10.08 veranstaltet, werde ich auch die Presseverhinderer nicht zu kurz kommen lassen.
Anmeldungen sind noch bis zum 22.10. möglich.
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