Artikel mit Tag presseverhinderer
Donnerstag, 2. Juli 2009
Ach, schön, denkt man. Ein Unternehmen hat jemanden, der sich um die Pressearbeit kümmert. Der schickt sogar Informationen an Journalisten raus. Toll!
Also, ich hab da neulich was bekommen, da muss man sich fragen, in welcher Welt der Absender eigentlich lebt. Das Szenario:
Es gibt eine Unternehmensberatung. Die Leute dort sind sehr viel mit Studien beschäftigt. Zufällig mit Studien, die genau in dem Markt stattfinden, mit dem sich meine Fachzeitschrift beschäftigt. Also: neue Studie ist da, man schickt mir eine e-mail. Gut!
Ich freue mich und möchte gern darüber berichten, denn es geht um die aktuelle Marktsituation. Und da ja alles von Krise redet, wäre es ja mal interessant zu wissen, wie es um den Markt so bestellt ist. Ich öffne also hoch motiviert den Anhang der Mail. Was steht drin? Das Inhaltsverzeichnis der Studie. Was interessiert Journalisten das Inhaltsverzeichnis?
Ich könnte die Studie auch zum günstigen Preis von 300 (Basisfassung für ein Land) bis fast 10.000 (Komplettbericht für ganz Europa) bestellen. Aber das möchte ich nicht. Ich schreibe also dem Absender:
Guten Morgen Herr ***,
um wirklich über Ihre Studie berichten zu können, wäre es doch schön, wenn wir unseren Lesern auch ein paar Ergebniss als Appetithäppchen
präsentieren könnten... Denn nur ein Inhaltsverzeichnis wäre doch etwas wenig. Könnten Sie in ein paar Sätzen umreißen, was die Ergebnisse sind? Dann sollte sich daraus auch sehr schnell online etwas machen lassen.
Es grüßt
Frauke Weber
Redaktion amz
Gemerkt? Es fielen die Worte "schnell" und "online". Nur sechs Tage später erhielt ich folgende Antwort:
Guten Tag Frau Weber,
zunächst einmal bitte ich um Entschuldigung für den falsch geschriebenen Namen. Ich werde im Laufe der Woche einige " Appetithäppchen" für Sie zusammenstellen und mich dann noch mal bei Ihnen melden.
Mit freundlichen Grüßen
***
Bis heute habe ich noch nichts gehört und die Woche ist morgen rum. Ich bin ja mal gespannt auf die Häppchen und ob die wirklich was hergeben. Bislang zumindest fällt dieses Unternehmen für mich in die Kategorie Presseverhinderer.
Montag, 22. Juni 2009
Neulich war ich als Journalistin auf einer Preisverleihung. Und wenn man dann im Anschluss als Zeitschrift darüber berichten möchte, ist es immer gut, wenn man ein schönes Foto der Preisträger mit ihrem Preis hat. Man glaubt gar nicht, wie schlecht so etwas organisiert sein kann...
Bei dieser Veranstaltung lief eigentlich fast alles schief. Alle Preisträger standen vor einer Leinwand. Und darauf wurden Informationen zu den Geehrten projiziert. Die hatten dann alle Schrift und Bilder im Gesicht und mussten zusätzlich noch blinzeln. Keine schönen Motive.
Außerdem: man empfing seine Urkunde aus der Hand eines Promis, der jedem Preisträger noch ein paar warme Worte mit auf den Weg gab. Zeit zum Fotografieren? Fehlanzeige.
Am Schluss wurde ein Fototermin versprochen. Der wurde aber gründlich durch das parallel gereichte Essen torpediert. Wer will sich schon fotografieren lassen, wenn er dabei Garnelen und Co versäumt?
Wer Veranstaltungen mit Medienpräsenz plant, sollte im Vorfeld eigentlich immer ein paar Gedanken daran verschwenden, wie denn das Fotografieren in den Ablauf mit eingebaut werden kann. Denn gute Fotos sind ja auch im Interesse der Veranstalter.
Solche Abläufe sollte man vorab üben. Bis das richtig sitzt. Noch mehr natürlich, wenn auch noch das Fernsehen im Boot ist. Denn Berichte werden wesentlich kürzer ausfallen, wenn das Bildmaterial schlecht ist.
Donnerstag, 26. Februar 2009
Es ist wahr. Eine zunehmende Professionalisierung der Verantwortlichen in den Unternehmen ist festzustellen. Immer öfter gibt es wirklich kompetente Ansprechpartner und auch gutes Material. Doch kürzlich erlebte ich folgendes:
Für eine Marktübersicht recherchiere ich in einer bestimmten Branche. Ein bekanntes Beratungsunternehmen hat just zu diesem Thema eine Studie erstellt. Damit das Ganze also Hand und Fuß bekommt, frage ich an, ob ich dazu Material bekommen kann. Ich will ja gar nicht die ganze Studie, die normalerweise für viel Geld verkauft wird. Nur ein bisschen Futter für meine Recherche. Die Antwort auf meine Anfrage:
Guten Tag Frau Weber,
ich würde Ihnen wirklich gerne helfen. Aber ich ersaufe in Arbeit. Erst ab April ist wieder ein Silberstreifen am Horizont zu sehen. Ich bitte Sie um Ihre Verständnis. Ein anderes Mal gerne wieder.
Mit freundlichen Grüßen
Auf meine Antwort, dass mein Abgabetermin aber Anfang April ist, erhielt ich leider keine Antwort. So kann man auch Medienpräsenz verhindern.
Mittwoch, 5. November 2008
Ihr wollt es? Ihr kriegt es! Endlich habe ich das e-book über die Presseverhinderer fertig. Und natürlich steht es kostenlos zum Download zur Verfügung. Aber Vorsicht: das gibt es nur bis zum ersten Advent, dem 30. November. Wer es bis dahin nicht heruntergeladen hat, kann ja eine e-mail schicken.
Was drinsteht? Lustiges und wenig Erheiterndes über das Leben von Journalisten und Presseverhinderern. Wer aufmerksam liest, wird vielleicht sogar ein paar nützliche Hinweise für seine Arbeit finden. Also auf!
Hier geht es zum e-book.
Montag, 20. Oktober 2008
Wer so richtig dafür sorgen möchte, dass man ganz bestimmt gar nicht versteht, worum es geht, der arbeitet mit Abkürzungen. Ganz intensiv. Das mögen Journalisten auch. Ein aktuelles Beispiel findet sich heute ganz frisch bei OpenPR
TÜViT zertifiziert KOLDI nach Prüfkriterien des VOI
(openPR) - Bonn. Mit der Zertifizierung der Branchenlösung KOLDI, die aus dem Dokumenten-Management-System HyperDoc von IQDoQ und der FIBU-Lösung DIAMANT besteht, wurde jetzt ein weiteres System nach den bewährten Kriterien des VOI – Verband Organisations- und Informationssysteme e.V. geprüft. Das Zertifikat der TÜV Informationstechnik GmbH (TÜViT) – Unternehmensgruppe TÜV NORD bescheinigt, dass alle Anforderungen der „Prüfkriterien für Dokumenten Management Lösungen“ (PK-DML) erfüllt sind. Damit entspricht die KOLDI-Lösung nachweislich den Anforderungen gemäß GoBS (Grundsätze ordnungsmäßiger DV-gestützter Buchführungssysteme) und gewährleistet, dass die Dokumente revisionssicher archiviert werden.
Die PK-DML liegen jetzt in der dritten überarbeiteten Auflage vor und sind im Online Shop des VOI (www.voi.de) zum Preis von 50 Euro zuzüglich Versandkosten bestellbar.
Also, auch wenn hier die Abk. erklärt sind, bezweifle ich doch sehr, dass ihr gehäuftes Auftreten das Verständnis verbessert. Und ich meine, mich zu erinnern, einmal gelernt zu haben, dass ein solches Geschreibsel nicht unbedingt die Veröffentlichungschancen steigert. Aber vielleicht täusche ich mich ja.
Meiner Meinung nach sind das jedenfalls ganz talentierte Presseverhinderer.
Donnerstag, 16. Oktober 2008
Hier eine kleine Terminankündigung:
Wem Koblenz nicht zu weit weg ist, der ist herzlich eingeladen zum Vortrag
Vom Presseverhinderer zum Informanten
Im Rahmen des Marketing-Spezial-Tages, den der Marketing-Club Rhein-Mosel am 25.10.08 veranstaltet, werde ich auch die Presseverhinderer nicht zu kurz kommen lassen.
Anmeldungen sind noch bis zum 22.10. möglich.
Freitag, 10. Oktober 2008
Heute bekam ich eine e-mail. Das ist an sich nichts Besonderes, da ich normalerweise sehr viele e-mails bekomme. Manche Leute möchten mir gern Potenzmittel oder irgendwelches Zeugs zum Vergrößern bei mir nicht vorhandener Körperteile verkaufen. Denen antworte ich normalerweise nicht. Mein SPAM-Filter sortiert sie großzügig aus.
Meistens sortiert er auch mails ohne Betreff aus. Diese interessante mail von heute kam aber durch. Kein Betreff. Und sie kam von Sabine Ilz***. Die kenne ich gar nicht. Aus purer Neugier habe ich reingeschaut.
Und sehe, diese Sabine schreibt mir, weil sie wohl weiß, dass ich als Freie Journalistin im Automobilbereich arbeite. Bei näherer Betrachtung erweist sich nämlich, dass Sabine bei einem der größten und bekanntesten Internet-Gebrauchtwagenportale in München beschäftigt ist. Dort sollten die sich eigentlich Profis leisten können...
Sie schickt mir einen ellenlangen Text. Recht unübersichtlich ist der. Daran hängt ein pdf. Das habe ich nicht geöffnet. Bilder kann ich per e-mail anfordern, wenn ich möchte. Und wenn ich ganz nach unten scrolle, sehe ich, aus welchem Unternehmen diese mail kommt.
Wenn Sabine möchte, dass ich über ihr Unternehmen schreibe, muss sie sich etwas mehr anstrengen. Es wäre nett, wenn ich von Anfang an sehen könnte, woher sie schreibt und worum es geht. Aber das ist wohl zu viel verlangt.
Vielleicht hat sie ja auch eine Ausbildung als Presseverhinderer gemacht. Dann wäre ihr Vorgehen fast schon perfekt!
Ich habe mich über ihre mail gefreut. Jetzt habe ich wieder ein Beispiel mehr für meine Sammlung. Danke!
Dienstag, 19. August 2008
Es gibt einige Menschen, die meinen, Öffentlichkeitsarbeit funktioniere auf Zuruf. Natürlich haben diese Personen die tollsten Stories auf Lager, um die sich jeder Journalist reißt. Und mit dieser Suuuuuuper-Story rufen die dann den Müller an. Den kennen die schon seit Jahren.
"Ey, Müller!", heißt es dann. "Schreib doch mal meine Story, die ist toll!" Müller stellt Fragen. Und merkt, die Story bringt nix. Noch nicht einmal mitten im Sommerloch. Was macht Müller? Er sagt jajaja. Und die Story kommt nicht. Er speichert die Telefonnummer von der Person in sein Telefon und geht nicht mehr ran, wenn er sie sieht. So arbeiten die telefonischen Presseverhinderer mit dem persönlichen Kontakt.
Aber, es geht auch schriftlich. Die Suuuuuper-Story wird also nach bester Schulaufsatz-Manier aufgeschrieben. Schön ausgeschmückt. Das Beste zum Schluss. Und dann an den Müller geschickt. Nachtelefoniert. Müller sagt jaja. Und schmeißt sie weg. Er arbeitet bei einer Tageszeitung, aber die Geschichte war nix für die Tagespresse. Und schlecht war sie auch, denn das Wichtigste am Schluss hat er gar nicht mehr gelesen.
Da hat der persönliche Kontakt leider nichts gebracht. Denn wer nichts zu sagen hat, der wird auch mit den besten Kontakten nur einen sehr begrenzten Erfolg haben. Wer allerdings nicht sparsam mit guten Informationen ist, wird sich langfristig einen schönen Stamm an Kontakten aufbauen. Und damit aus dem Heer der Presseverhinderer ausbrechen.
Donnerstag, 5. Juni 2008
Es gibt Menschen unter den Presseverhinderern, die sind so gut zu mir! Soooo gut! Gerade arbeite ich an einem Artikel über Schulungskonzepte. Dafür habe ich Anfragen an sehr viele sehr wichtige Menschen geschickt. Und eine Menge Antworten bekommen.
Dass ein so unbedeutendes Unternehmen wie Bosch mir einerseits eine nur für mich erstellte Auswahl von Bildern im Internet bereitstellt, hatte mich zunächst gefreut. Aber dann...
Mini-Vorschaubilder im Briefmarkenformat sind leider nicht zu entziffern. Und selbst die etwas größeren Bilder muss ich für eine Vorschau erst herunterladen, um sie anschauen zu können. Wenn ich sie dann haben will, bekomme ich sie als ganz handliches tiff. Mit so ca. 36 MB. Pro Bild. Es gibt zwar Legenden dazu, aber die sind fast identisch.
Auch im Zeitalter von DSL kostet das immer noch Zeit. Ich muss runterladen, öffnen, selektieren, speichern und am Ende das löschen, was ich nicht gebrauchen kann. Man zwingt mich also dazu, meine ohnehin schon volle Festplatte weiter mit Daten zuzumüllen.
Ob ich die Bilder verwende? Weiß ich noch nicht. Mal schauen, was die Konkurrenz so bietet.
Donnerstag, 8. Mai 2008
Wir lieben sie ja inzwischen sehr, unsere Presseverhinderer. Und netterweise macht uns Julian Reischl auch auf seine Erfahrungen mit den Profi-Presseverhinderern aufmerksam, und zwar hier
Sicherlich ist er nicht der einzige, der von aktiven Spezialisten beliefert wird. Gerade gestern lief mir übrigens wieder eine Top-Presseverhinderungs-Mail über den Weg:
Unter dem Betreff "Messeclip TW8" sandte mir ein Unternehmen der Tuning-Branche seinen aktuellen Werbefilm zur Tuning-World in Friedrichshafen. Wozu braucht ein Journalist einen Werbefilm? In einer aufwändig gestalteten HTML-Mail? Mal abgesehen davon, dass ich anfangs gar nicht wusste, was die TW8 sein soll.
Insgesamt war diese e-mail jedenfalls ein voller Erfolg. Ich habe sie aufgehoben. Damit ich hier berichten kann. Was übrigens in dem Film zu sehen ist, weiß ich noch nicht. Ich habe ihn mir nicht angesehen.
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