Fachpresse hat ja was. Die Bild, das Fachorgan der Masse, nutzt kurze Sätze, klare, deutsche Worte. Die Zeit, das Fachblatt für Pädagogen und Reflektoren (oder so), eher nicht. Aber das alles ist stringent und passend. Wie also schreibt ein Fachblatt für Marketing und Kommunikation? Modern, geschliffen? Hm, eher bieder gedrechselt, wenn ich diese Meldung auf horizont. net zum Maßstab nehme. Aber ignorieren wir die Form, konzentrieren wir uns auf den Inhalt:
Der Deutsche Werberat setzt in Sachen Alkoholprävention ein Zeichen und rügt einen Hersteller, der einen Partylikör namens „Ficken" auf den Markt gebracht hat. Anstoß nimmt die Selbstinstanz der Deutschen Werbewirtschaft aber nicht an dem Produktnamen allein, sondern auch an der dazugehörigen Werbung.
Im Internet und auf Plakaten verwendet der Schnapshersteller EFAG Trade Mark Company eine fiktive Altersgrenze von 20 Jahren, um das Getränk insbesondere für Jugendliche interessant zu machen. Den bewusst hergestellten Zusammenhang zwischen Alkohol und Geschlechtsverkehr lehnt der Werberat ebenso ab.
Die Beschwerde erhielt das ZAW-Gremium aus der Branche selbst: vom Schutzverband der Spirituosenindustrie. Der Hersteller sieht das Ganze weniger dramatisch: Das Wort „Ficken" sei längst Teil der Umgangssprache breiter Bevölkerungsschichten, zudem sei die Werbung satirisch gemeint.
Frage: Was ist dann, wenn man der Logik folgt, mit den Hinweisen, wonach man "nicht trinken und fahren" solle. Macht er die Getränke nicht gerade für Autofahrer interessant?
Und dass der Werberat einen Zusammenhang zwischen Alkohol und Geschlechtsverkehr ablehnt - interessanterweise ja auf Zuruf der Konkurrenten -, zeugt von einem pädagogisch-diktatorisch-propagandistischen Kommunikationsverständnis.
Nicht nur eine schöne deutsche Insel, auch ein schönes deutsches Hobby. Und damit wir uns nicht direkt mit dem auseinandersetzen, der/was uns missfällt, nutzen wir gerne Dritte, z. B. die Polizei, wie in dem bekannten Fall aus Mannheim:
Aber uns soll es hier nicht um Denunziantentum gehen, das im Falle von Frau Zehnbauer immerhin zu einem Vertrag mit SAT.1 führte, sondern um den Werberat. An den kann sich ja auch jede/r wenden, der meint, eine Werbung verstoße gegen die guten Sitten, sei sexistisch oder sonstwie diskriminierend, zu Falschem verleiten etc. ("Dummheit" wird als stark subjektiv bewertet und ist daher leider, leider kaum ein Grund für eine Beschwerde.)
Hier einige der Beispiele, von der wir der Meinung sind, die Werbung ist einfach nur scheiße - und am besten also nicht kaufen und schlecht darüber reden. Aber nun denn, es gibt halt welche, exakt 118 Personen, die machen sich die Mühe und gehen Umwege. Ob sie nun zufrieden sind? Schließlich wurden nur 30 gerügt. Und ist das alles soooo schlecht?
Als besonders krassen Verstoß gegen menschenwürdige Werbung bewertete der Werberat die Anzeige der Möbelfirma Heuberg-Wagner." schreibt Spiegel Online. Uns würde interessieren, ob jemand der Anzeige folgte und etwas bei dem beworbenen "möbel- und design (!!!) outlet" kaufte.
Keine Ahnung, was es daran zu rügen gibt. OK, das Design ist schlimm, der Text wirr, die Typo etwas dünn für ein mobiles Medium, aber da gibt es doch 10000 andere Beispiele, die nicht minder unausgegoren sind. Gerügt wurde aber der Slogan: "Schönheit kommt von innen - G&M Fleischwaren Frischdienst." Da muss man schon ziemlich wirr interpretieren, um daraus einen Angriff auf die Menschenwürde zu stricken. Entsprechend hat auch das Unternehmen reagiert: gar nicht!
Auch eher spaßig ist diese Begründung: "Frauenfeindlich, so entschied der Werberat: Die Anzeige missbrauche weibliche Nacktheit als Blickfang ohne irgendeinen Bezug zum beworbenen Produkt." Ich sehe schon das Ende der Tuning-Werbung auf uns zukommen. Und was ist mit Almette? Wahrscheinlich auch frauenfeindlich, weil hier männliche Nacktheit als Blickfang ohne irgendeinen Bezug zum beworbenen Produkt ge-, wenn nicht gar missbraucht wird.
Darauf kann man immer gehen: Adolf ist böse. Mit dem darf man keine Kommunikation betreiben. "Vor dem Hintergrund seiner Verbrechen wirkt der Zusammenhang mit Ahnenforschung besonders zynisch und trifft insbesondere Menschen, die unter dem Rassenwahn des Nazi-Regimes zu leiden hatten", schreibt das Gremium zur Begründung. Dass dieser Mensch ein Widerling ohne gleichen war, steht ja außer Frage, aber steht das hier wirklich zur Debatte. Übrigens: Meines Wissens gibt es einen Schwur, dass seine Nachfahren keine Kinder zeugen, um so dafür zu sorgen, dass das Böse nicht weiter lebt. (Mehr dazu und dem Stammbaum Hilters hier.)
In anderen Ländern geht man da anders mit um. Satt Rügen hagelte es hierfür Preise:
Was es nicht alles gibt ... Der Harding Test beispielsweise untersucht, ob gesendete Bilder bzw. Bildfolgen zu stressig für den Kreislauf sind und eventuell sogar zu epileptischen Anfälle führen können. Das folgende Video fiel nun in Britannien durch:
Während Danger Mouse und Cee-Lo Green im Video in einer fiktiven Fernsehshow abhotten, gerät das Bild laut Harding Test zu wirr. In der Showszene, die von Gaststar und Gottheit des ästhetischen Zappelns Justin Timberlake moderiert wird, fließen geometrische Formen und Linien ineinander, die nur ein LSD-Abhängiger als normal betrachten würde.
Hübscher Schwachsinn. Oder Segen? Ich kenne auch Werbespots, wo ich mir so was wünschen würde, zum Beispiel: Spots mit Klischeeblocker (-> Adolf-Ads) oder Werbefilmchen, wo Kreative ihre Komplexe auf Kosten von Kunden kurieren (-> Sigmund-Spots).
Fiona zu Noch twittern wenige deutsche Unternehmen Di, 02.12.2008 12:22 Wie bekannt muss denn das Unternehmen sein, um ins Buch-Tweet zu kommen? http://www.twitter.co [...]
anon zu Die Wirtschaftskrise ist vorbei!!! So, 30.11.2008 00:07 Weil Autoren von Krisen-Ratgebern in Krisenfreien Zeiten wieder anständige Bücher schreiben können.
André (PN Admin) zu Gottlose Werbung Mi, 26.11.2008 13:54 Hmm...
also diejenigen, die da die Kampagne umsetzen wollen, sind sicherlich eher Agnostiker [...]
Kommentare
Di, 02.12.2008 16:37
Ich hab´s gelesen und Antwort kommt....
Di, 02.12.2008 12:54
Hornbach??
Di, 02.12.2008 12:22
Wie bekannt muss denn das Unternehmen sein, um ins Buch-Tweet zu kommen? http://www.twitter.co [...]
So, 30.11.2008 00:07
Weil Autoren von Krisen-Ratgebern in Krisenfreien Zeiten wieder anständige Bücher schreiben können.
Fr, 28.11.2008 15:28
Scholz & Friends Berlin zeigt Mohamed ElBaradei in der aktuellen F.A.Z.-Kampagne so transparen [...]
Do, 27.11.2008 18:46
Na wenn schon, dann Château Pétrus
Do, 27.11.2008 10:25
Na dann legt mal los, Jungs. Bin gespannt auf eure Beiträge
Mi, 26.11.2008 17:51
Find ich super, tolle Idee
Mi, 26.11.2008 13:54
Hmm... also diejenigen, die da die Kampagne umsetzen wollen, sind sicherlich eher Agnostiker [...]
Mi, 26.11.2008 10:40
Dynamische Landing Pages mit optivo® broadmail kreieren -Personalisierte Web-Informationen [...]